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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-09-24 · Heft 39 (24.9.1872) · p. Seite 767

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 39 (24.9.1872)
Date
1872-09-24
Page
Seite 767 (sequence 5)
Language
German
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ist für die Stellung eines solches Mannes nicht angemessen. Hatte er aus Amerika ein desfallstges Anschreiben erhalten , so mußte er antworten: wie viel wollt und könnt ihr für diesen Zweck opfern. Oder er mußte aus Europa sich zuvor der bestimmtesten Zusagen versichern, um so. etwas Reelles zu haben, worauf er fußen könnte. Sicherlich hätte er dann eingesehen, daß sich dieses Project nicht realisiren läßt, oder, wenn sich wirklich etwas Erkleckliches dargeboten hätte, konnte er mit einem bestimmten Anträge an die rumänische Regierung gehen. Aber mit einem solchen Projecte hervorzutreten und zuerst die rumänische Regierung anzusprechen, davon mußte ihn seine Kenntniß der Rumänen , ihrer Regierung, ihrer Kammern und ihrer Publicisten zurückhalten. Die Sache hat aber noch eine ganz andere Seite, die wohl zu erwägen gewesen wäre. In der langen Geschichte der Verfolgungen unseres Stammes haben wir kein Beispiel, daß die Juden ihr Vaterland um der Verfolgungen willen, die sie erlitten, in Masten verkästen hätten; sie verließen es nur, wenn sie mit Gewalt vertrieben wurden. Ja, sie liebten es wieder dahin zurückzukehren, und ließen sich die Erlaubniß dazu große Opfer kosten, wenn die Bedingungen ihrer Existenz daselbst nur etwas gemildert wurden. Man wende nicht ein, daß sie damals überall ein ähnliches Schicksal zu fürchten hatten; wir können dafür noch Beweise aus unserer Lebenszeit herbeibringen. Als vom Tiber her wiederholt der Nothruf der vom Joche der päpstlichen Regierung in den Staub gedrückten Juden erscholl, fragte dieser oder jener: Warum wandern sie nicht aus? Bietet ihnen doch schon die toscanische Gränze eine Zufluchtsstätte! Niemand aber machte den Vorschlag, .sie aus Nom nach einem andern Lande in Maste zu transportiren. Es widersprach dies nicht allein der Ausführbarkeit,, sondern auch der ganzen Natur der Sache. Es kommt darauf an, dem Rechte sein Recht zu verschaffen und das Unrecht aus der Welt zu bringen. Alle Anstrengungen müssen gemacht werden, um eine gesetzliche, rechtliche Lage zu erwirken, nicht aber der Barbarei und Bosheit noch eine Befriedigung zu bereiten. Denn einentheils wollen die Juden ihr Vaterland nicht verlosten, nicht ihren Sitz und Erwerb hingeben, und in fremde ihnen unbekannte Regionen sich versetzen lasten. Anderntheils, was würde man in Rumänien bewirken? Man würde den rumänischen Haffern recht geben, daß die Juden daselbst ihnen und sich zur Last sind, daß: die Rumänen Ursache hatten sich über sie zm beklagen und^. ihre Entfernung, zu.betreiben. Gesetzt die rumänische Regierung und ihre Kammern wären bereit, eine bedeutende Summe für die Auswanderung der Juden zu votiren, was hätte dies für einen andern Sinn, als Menschen aus dem Lande zu schaffen, die ihm schädlich sind,, es auszusaugen, seinen Wohlstand zu untergraben, wie die rumänischen Zeitungsschreiber jetzt schon täglich ausrufen. Aus diesem, (ftinne ist der hastig gefaßte Beschluß des Ministerrathes,schon zu erklären; er wollte dies sofort aussprechen. Aber m Wahrheit ist es nicht so. Die zu Galatz erscheinende „Gazeta Miker" sagt: „Mögen die Juden nach Amerika sich einschiffen, wenn sie uns nur drei Dinge zurücklassen: Geld, das Talent es zu erwerben, und Leute, welche es zu bewahren verstehen." Die Juden, behaupten wir dreist, sind in Rumänien unentbehrlich;' sie sind im großen, und was für das Volk noch mehr bedeutet,, im kleinen die Träger des Handels und der.Industrie, und letztere würden bei der Beschaffenheit des rumänischen Volkes gänzlich darnieder liegen, wenn die Juden äüSgewandert wären. Es mag immerhin auch unter den rumänischen Juden eine verhältnißmäßige Armuth "vorhanden sein, doch nicht mehr als. in andern' Ländern; sie erwerben durch angestrengten Fleiß ihr Bißchen Brod, und ein Nothschrei kam aus ihrer Mitte nur von Seiten der Geplünderten und außer Erwerb Gesetzten. Solche Leute, die noch dazu der in den orientalischen Ländern gebräuchlichen Behandlung nicht ungewohntsind, wandern nicht alsbald mit Frau und Kindern aus. Es ist daher schließlich noch gar nicht ausgemacht, ob Herr. Peixotto irgend eine erhebliche Maste unserer Glaubensgenossen zur Auswanderung bereit gefunden hätte/ falls ihm die Mittel in so ausgedehntem Maaße zu Gebote gestanden haben würden. » Wir thun es ungern, müssen aber aus unserer Pflicht heraus gegen dergleichen Verfahren prvtestiren. ' Sagen wir gerade heraus, was uns seit langer. Zeit schon schmerzlich im Herzen liegt. Wenn wir auf die vier Jahrzehnte zurückblicken, welche wir in der eifrigen'Beschäftigung mit den jüdischen Angelegenheiten verlebt haben, auf die Kämpfe, die wir mit bestanden, auf die außerordentlichen Erfolge, die in dieser Zeit erreicht worden sind, so fragen wir uns, wodurch wurden jene bestanden und diese erreicht? Sicherlich mit Hülse jener Besonnenheit, jener weisen Bemessung und'Erwägung der vorhandenen Zustände und Mittel, jenes allmäligen Vordringens und Fortschreitend, was alles die Männer

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