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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-09-24 · Heft 39 (24.9.1872) · p. Seite 766

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 39 (24.9.1872)
Date
1872-09-24
Page
Seite 766 (sequence 4)
Language
German
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worin sie beantragen, die Auswanderung derselben nach jenem freien und glücklichen Lande zu erleichtern, wo eine niedere Cultur- und Bildungsstufe nur ein Titel mehr aus, Unterstützung und Verbesserung ist. Man beabsichtigt zu diesem Ende eine Auswanderungsgesellschaft zu organisiren, und ihre Aufgabe durch Mitwirkung von Menschenfreunden, in Europa und mittelst goäkernementaler Hülfe zu fördern. Ich bin aufgesordert worden zu fragen, ob die Regierung Seiner Hoheit einen solchen Vorschlag, insofern als er die Israeliten Rumäniens betrifft, begünstigen würde, und ob man behufs seiner Durchführung auf irgend eine Unterstützung seitens der gesetzgebenden Kammer rechnen dürfte. In Erwartung einer demnächstigen Antwort, ergreife ich rc. .(gez.) Benj. F. Peixotto." Nicht minder theilten wir in Nr. 37 die Antwort mit, welche das rumänische Ministerium auf diese Anfrage gegeben. Sie bestand in dem Beschlüsse des Ministerraths, der vom Fürsten Karl genehmigt wurde, den auswandernden Juden, wenn sie arm sind, unentgeltlich einen Paß zu gewähren. Jedermann erkennt in dieser Antwort die bitterste Ironie, wie sie nur aus gehässigster Gesinnung erfließen kann. In Amerika fragt man nicht nach einem europäischen, am wenigsten nach einem rumänischen Paß, und die Eile, mit welcher das Ministerium diese Kundgebung machte, zeigt, daß sie nichts weiter bedeuten sollte als: Macht, daß Ihr fortkommt! Noch schlimmer fielen die Aeußerungen aus, welche die rumänischen Journale über diesen Gegenstand von sich gaben. Diemildeste Folgerung ging dahin: wenn die Juden jetzt nicht Rumänien verlassen, so beweisen sie, daß sie sich in Rumänien sehr glücklich fühlen, und daß alles Geschrei über ihre schlechte Behandlung eitel Lug sei. Dieser Erfolg, der noch lange auf den rumänischen Juden lasten wird, bestärkte uns in unserer anfänglichen Meinung um so mehr, daß der Schritt des Herrn Peixotto ein großer Jrrthum, wir möchten sagen, in der Weise, wie er geschehen, ein leichtfertiger war. Vor allem mußte er sich sagen, daß das ganze Unternehmen überhaupt unausführbar sei. Es findet ein großer Unterschied zwischen einer Auswanderung russisch-polnischer Juden und einer Auswanderung der Juden aus Rumänien statt. Wenn auch die Juden in Rußland, namentlich in den ehemals polnischen Provinzen, einigen Ausnahmegesetzen unterworfen sind, so sind sie doch nicht j enen blusigen Verfolgungen- Plünderungen und systematischen Bedrückungen ausgesetzt, wie die Juden in Rumänien seit zehn Jahren; auch werden die Gesetze in Rußland für sie immer milder, und es ist Aussicht auf deren allmälige Verbefferung. Was den westrussischen Juden die Auswanderung wünschenswerth macht, ist vorzugsweise ihre persönliche Roth, ihr persönliches Elend. Die Förderung dieser Auswanderung hat daher ° den Zweck, diese Personen ihrem Elende zu entreißen und sie in eine Lage zu versetzen, wo sie sich ihr Brod erwerben können. Es kommt daher, um diesen Zweck zu vereiteln, nicht darauf an, ob die Zahl der Auswanderer eine große, für das numerische Verhältniß genügende sei; jede Familie, jede Person, die hinüber geschafft wird, ist gerettet, ihre Uebersiedelung für sie eine unermeßliche Wohlthat. Zählt daher diese Auswanderung, wie sie durch die herbeigeschafften Mittel ermöglicht wird, auch erst nach Hunderten, so ist doch schon etwas damit geschehen, und die verwendeten Mittel sind wohl angebracht. Dennoch sieht man bereits ein, daß zu einer irgend umfassenden Auswanderung die Mittel durchaus nicht zu beschaffen sind. Man thut eben-, was man vermag, in dem Bewußtsein, jedem einzelnen eine große Wohlthat erwiesen zu haben. Dabei ist nicht zu übersehen, daß die westrussischen Juden nicht all zu weit von den geigneten Häfen entfernt sind. Ganz anders liegt es miteiner Auswanderung der Juden aus Rumänien. Diese wäre wesentlich ein politischer Act. Es gälte, die Mehrheit, .oder wenigstens eine sehr große Zahl, aus Rumänien zu entfernen, um dem rumänischen Volke den Vorwand -zu seinem bittern Hasse und die Gelegenheit, ihn an den Wehrlosen zu kühlen, zu entziehen. Ob von den 250,000 Juden in Rumänien fünfhundert, oder tausend, oder das Doppelte aus diesem Lande .gezogen werden, hätte keine Bedeutung. Wenn nicht 100,000 oder mindestens 50,000 entfernt werden, hat man gar nichts erreicht. Und nun fragen wir: wo die Mittel hernehmen, um solche Mafien durch das dazwischen liegende Binnenland und über den Ocean zu transportiren, und ihnen, wenn sie in Amerika angelangt sind, einige Mittel für den Anfang in die Hände zu geben. Man hat in der rumänischen Post selbst für 50,000 eine Summe von 25 Millionen Francs berechnet, das ist auf den Kopf 500 Francs, gewiß ein sehr mäßiger Anschlag! Wer soll die fünfundzwanzig Millionen beschaffen? Es war also eine reine Utopie, der sich Herr Peixotto zum Werkzeuge hergegeben, und.dies

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