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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-09-17 · Heft 38 (17.9.1872) · p. Seite 761

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 38 (17.9.1872)
Date
1872-09-17
Page
Seite 761 (sequence 19)
Language
German
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des Rüsttägen der Sabbathe und Feste, daß Du einkehrest in die Stadt noch Lei Tage, bevor die . Sonne untergegangen ist, auf daß Dich Gott führe jederzeit und Deine Seele sättige in der Noch. Wenn Du in das Bethaus eintrittst oder in eine Versammlung, so wähle nicht einen Platz für Dich aus; nimm ihn ein, wo er sich findet, und wäre er auch der niedrigste; stehe nicht, wenn die Andern sitzen, und sitze nicht, wenn sie stehen; schlage nicht die Beine über einander, denn es giebt Dir ein hoffährtiges Ansehen; trittst Du zum Segensspruch vor die Thorah, so bleibe in der Reihenfolge der Bor- .Iretenden und ahme nicht den Hochmüthigen nach, der Erste oder der Letzte zu sein. Halte Deinen Körper rein, achte das nicht gering; denn es wirkt auf die Reinheit der Seele ein. Besuche die Kranken und die Gefangenen, mache dabei keinen Unterschied zwischen Arm und Reich, denn beim Krankenbesuche kommt es zumeist darauf an, die Armen zu trösten und sich ihrer zu erbarmen. Gieb dem Todten das Geleit zum Grabe, gehe in das Trauerhaus und nimm Theil an der Trauer; denn das ist das Ende des Menschen und der Lebende nehme es sich zu Herzen. Erhebt sich wider Dich der Andersgläubige/ Dich abzuleiten von Deinem Gotte, Dir zu rauben das heilige Erbe, so ziehe aus Deinem Vaterlands und Deinem Vaterhause dorthin, wo Du Sicherheit findest für Deine Gottesverehrung; zögere nicht, die theure Heimath zu verlassen, und lasse Dich nicht zurückhalten durch Deinen Besitz, denn nichts ist alles Das gegen das Göttliche; ziehe Deinen Schöpfer zu Rache, begieb Dich auf den Weg, vertraue Gott, dessen Gerechtigkeit vor Dir herziehen und Deinen Weg ebnen wird. Gott sprach zu Abraham: „Meinen Bund sollst Du behüten, Du und Deine Nachkommen für ewige Zeiten." Wenn Du eine Frau nimmst oder Deinem Sohne, so achte nicht auf Reichthum, denn er ist trügerisch; nicht auf Ruhm, denn er ist täuschend, der Ruhm der Eitelkeit und Hossahrt, die in Demuth und Unglück sich verwandeln kann. Richte das Augenmerk nicht auf Schönheit und Anmuth , denn sie können untergehen. Wähle die Frau aus gottesfürchtigem Geschlechte, ein weises, gvttesfürchtiges, tugendhaftes Weib; bete zu Gott, Dir dieses Glücksloos zu geben, dann hast Du das rechte Lebenstheil gewonnen; gesegnet ist dann Deine Quelle, und Du freust Dich mit dem Weibe Deiner Jugend. Gewöhne Dein Weib an Zucht und Sitte, leite sie in Liebe und nicht in Heftigkeit, wie ein blühender Weinstock sei sie Dir innerhalb Deines Hauses; nimmst Du an ihr jedoch Sittenlosigkeit wahr, so entferne sie und trenne Dich von ihr. Emen Mann, der tugendhaft und der Gotteserkenntniß zugewandt ist, nimm in Dein Haus; knüpfe nicht Verwandtschaft mit dem Verächtlichen um seines Reichthums willen, denn die Schande bleibt nicht aus. Erziehe Deinen Sohn, Zucht und Sitte anzuu-chmen von Kindheit -an, damit er sie auch ick Alter nicht aufgebe; wenn Du ihn züchtigst mit der Ruche, so dulde nicht, daß er schreit und sich hinwirft; festige ihn in der Gotteslehre, weihe ihn zur Gotterkenntniß und erziehe ihn nicht zur Verweichlichung. Führe ihn' den Weisen und Gottesfürchtigen zu, lasse ihn nicht, so lange er Kind ist, an Gewerbe und Handwerk Theil 'nebmen, halte ihn auch zurück von griechischer WiffenschaWund Bildung, denn sie könnte ihm trügerische Speise Mrden. Verheirathe Deine Söhne und Töchter zu rechter Zeit nach ihrer Neigung. Habe Acht auf Deine Töchter, wenn sie noch jung sind, und gewöhne sie an Zucht, Sittsamkeit und Fleiß, damit sie nicht dem unzüchtigen Lebenswandel verfallen. Entferne Dich weil ab von Sitten-- losigkeit, und möge'der Allmächtige Dir eine feste Burg fein. Gebiete Deinen Trieben, gehe keinen'Bund ein mit der Tochter des Andersgläubigen; hüte Dich - vor; Dem, was bittrer ist als der Tod, und meide jede Sittenlostg-- keit. Gedenke des Frevels von Simri, und der Schmach, die er seinem Stamme bereitete: dieselbe Sünde auch beging Salomo, König von Israel, und sein Reich zerfiel; gedenke ferner der Tugendhaftigkeit Josephs, der seinem Triebe gebot und dem Verlangen der Gebieterin nicht nach gab: das erhob feinen sittlichen Werth, und sein ganzes Vaterhaus wurde darob gesegnet. Sei sittsam in Deinem Umgänge, heilige Dich durch Das, was die Religion Dir erlaubt, und halte Dich fern von Dem, was sie Dir verbietet, sei lauter in Deinem ganzen Lebenswandel, lauter bei Deinem Gebete: dann wird Gott Dir hüten den Bund und die. Liebe, die Er Deinen Vätern geschworen. .;; (Fortsetzung folgt.) ' ' Ms dem Leben des allerjüngste» Erzbischofs Am 22. Juli d. I. weihete Pio Nvno in einem geheimen Consistorium einen Mann zum Erzbischof in partibus, der jetzt den Namen E. Howard trägt, früher aber ganz anders genannt wurde und ein sehr bewegtes Leben führte. Dieser E. Howard wurde in Prag von jüdischen Aeltern geboren und ging nach mehrfachen miß> lungenen Versuchen nach London, wo er ein Mädchen entführte und als Lord Howard mit ihr (18581 in Praß lebte. In den Abendstunden pflegte' er sich von ihn weg zu schleichen und seine Mutter Clara Austerlitz, eine Mehlhändlerin, zu besuchen. Wegen in London verübter- Schwindeleien verlangten die englischen Gerichte dessen Verhaftung, was im ganzen als nicht gut möglich M trachtet wurde; es stellte sich heraus, daß er vvr Nichß gar zu langer Zeit wegen verübter Freibeutereien aus ' Prag flüchtig geworden. Nun wurde ein Verhaftbefehl gegen ihn erlassen, und auf der Reise nach Wien, wohin er sich ohne die von ihm Entführte begeben wollte, wurde

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