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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-09-17 · Heft 38 (17.9.1872) · p. Seite 762

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 38 (17.9.1872)
Date
1872-09-17
Page
Seite 762 (sequence 20)
Language
German
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erin Kollin verhaftet, emgebracht und nach überstandener Untersuchungshaft zu zwei Jahren schweren Kerkers verurtheilt. .^Nachdem er wieder frei geworden , ließ er sich taufen undmit der von ihm Betrogenen trauen, die mittlerweile ein Kind zurWelt gebracht-hatte, das nach wemigen Wochen in.ber Wohnung feiner jüdischen Großmutter starbL Eines Tages verließ der Abenteurer: seine tiefgebMte Mutter und seine Gattin, und warf sich den Jesmten in die Arme, bei denen er von Stufe zu Stufe stieg, bis. er es zum ( Beichtvater am Hofe der frommen Jsabella von. Spanien gebracht. Nach der Vertreibung Jsabella's flüchtete Edgar Austerlitz, der nun wieder Lord Howard heißt, nach Rom und ist (jetzt—Erzbischof in partihu& und Coadjutor des Cardinalbischofs pvn.-Frascati. Ob Se. Heiligkeit die Ehe mit seiner Mattin, die/jetzt bei: einem Banquier in Wien als Erzieherin ckebt, .vor. (der: Promotion aufgelöst hat, ist bis jetzt.-nicht.bekannt: -! Bestrafter Wahn.; i i Der - in - Großlevard (preßburger Comitat) wohnhafte römisch-katholische Johann Kovarik war schon seit seiner-frühesten Jugend von dem Wahne erfüllt, daß laut der.Satzungen des: Talmud ein jeder „fromme Jude" zeitweilig einen Christen schlachten und dessen Blut trinken - müsse. Als solches Opfer wähnte sich im vorigen Jahre auch Kovarik; er erzählte in der ganzen Stadt, „daß die zwei Kaufleute Tenzer und Rosenzweig, sehr bemittelte Juden , keine Ausgaben gescheut hätten, um ihn in die für ihn so verhängnißvolle Falle zu locken, was ihnen auch wirklich glückte/ Er befand sich bereits in ihrer Gewalt, Tenzer hatte ein großes scharf geschliffenes Küchenmesser und versetzte ihm schon einen Stich, als er aus Leibeskräften ( nach Hülfe . zu rufen begann, worauf die dadurch erschreckten Juden ihn wieder frei gehenließen." Der alberne Pöbel schenkte dieser hirnlosen Erzählung Glauben und nahm gegen die beiden Kaufleute eine so drohende Haltung ein, daß diese sich - gezwungen sahen, den Fall, so lächerlich er auch erschien, dem Gerichte anzuzeigen. Der Gerichtshof ließ vorerst Kovarik ärztlich untersuchen, . ob er nicht wirklich von Tenzer körperlich verletzt worden sei. Keine Spur einer Verwundung war vorhanden; außerdem konnte Kovarik auch nicht Nachweisen, daß die beiden Juden ihm nach dem Leben getrachtet hätten. Jetzt strengten diese, wider Kovarik -die Klage auf Verläumdung an. Kovarik wurde zu - acht Tagen Gefängniß verurtheilt. Die königliche Tafel sprach ihü frei, der oberste Gerichtshof verurteilte ihn jedoch wegen „die Sicherheit des Lebens gefährdender Verbreitung falscher Nachrichten" zu achttägigem-Arreste. . Vermischtes. Zu Lausanne in der Schweiz hielt in einer Versammlung vor kurzem Herr Furrer aus Uster, ein guter Kenner der hebräischen Sprache, welcher auch ein Werk über die von. ihm gemachte Reise in Palästina veröffentlicht hat, eine Rede über den Religionsunterricht in den confessionslosen Schulen, welche mit stürmischem Beifall ausgenommen wurde, und aus der die „Lausanner Zeitung" einen Auszug brachte. Wir heben folgende Stelle hervor : „Ja, das alte Testament soll im Religionsunterrichte der Primarschule auch seine Stelle haben. Nur oberflächliche Geister können dieses schöne Buch angreifen. Aber an uns ist es, meine Herren, aus dem reichen und süßen Quell dieses Buches den Honig zu ziehen, von dem sich die Kinder unseres Landes nähren sollen. Es ist ein großes, ein unvergleichliches Buch. Es ist allerdings wenig daran gelegen, ob unsere Kinder die Archäologie Palästina's kennen oder nicht, ob sie daselbst jeden Fußsteig wißen oder nicht; — aber sie müssen die erhabenen Charakterbilder eines Moses und der Propheten kennen lernen. Das sind Gestalten, die uns lehren, was es heißt, der Wahrheit und seinem Vaterlande mit ganzem Herzen zu dienen. Spotten wir daher nie über das alte Testament. Und doch liegt in dem vorwurfsvollen Urtheil vieler Laiern Über dieses Buch etwas Gerechtfertigtes. Es ist die Art und Weise, wie man sich dieses Buches bedient. Es ist das Verbrechen der Theologie, meine Herren, daß die Religion langweilig geworden ist. Die Religion soll für das Kind stets die Frische eines ewigen Frühlings bewahren. Darum nicht so viele Religionsstunden; aber dann sollen sie hohe Feststunden sein. Bereiten wir uns auf jede dieser Stunden vor, und wiederholen wir uns jederzeit, daß das alte Testament das wahre Buch ist, welches für ein freies Volk paßt. lieber die Zukunft habe ich keine Besorgniß. Wir brauchen die Declamationeu einer gewissen unwissenden und frivolen Presse nicht zu fürchten, sobald wir einmal das heilige Samenkorn der Religion in die Herzen gestreut haben." In Neutra (Ungarn) starb den 26. August Henoch Weiß in dem Alter von 99 Jahren; er war der älteste Mensch der Gegend. Verlag von Baumgartner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirfchfeld. Verantwortlicher Redacteur W«'. »Ä. i>Lo-e.

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