Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1872)
- Date
- 1872-09-17
- Page
- Seite 747 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226852-3226891--30984-3253886- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
der Münchener Professor Sepp und selbst Goethe werden als Beispiele jener unsterblichen Judophobie angeführt. Die Unerschrockenheit und Ausführlichkeit, mit welcher Herr vr. Freund gerade diesen Gegenstand behandelt, macht seinem warmen Herzen und seinem Eifer für Wahrheit und Recht alle Ehre. — Fügen wir hieran ein Buch, welches ganz und gar der Vertheidigung der Juden und des Judenthums gewidmet ist: „vix-kuit siöo1s8 äs prdjuges chrötiens, par Leon Hollaendersky. Paris 1869." Ein vollständiges Requisitorium gegen alle leider noch so vielfach den Juden entgegengebrackten Vorurtheile. Der Herr Verfasser hat sein Leben zum großen Theile dem Besten seiner Glaubensgenossen gewidmet, und man kann also denken, daß das Buch voll von Leben und wahrer Theilnahme für die Sache, der es dienen will, abgefaßt ist. Der Antagonismus zwischen Juden und Christen, der Haß der letzter» gegen die erstern werden ihrem Ursprünge und Fortgange nach historisch erklärt und verfolgt. Es wird gezeigt, daß jetzt jeder Grund einer solchen Abneigung fortgefallen ist. Die Vorurtheile, die man schon seit den Tagen Alexanders des Großen gegen die Juden hegte, werden geschildert und widerlegt. Die Schwachen der Israeliten werden erklärt, und es wird bewiesen, daß sie geringer sind, als die anderer Völker. Kurz, das Büchlein erreicht seinen Zweck vollständig; möge es viele Leser finden, unter Juden so gut wie unter Christen. — Drei recht anziehende Vorträge von Landrabbiner vr. Julius Landsberger in Darmstadt: „Liebe, Traum und Teufel. Darmstadt 1869" gehören nicht in dieses Blatt. Wir wollen nur erwähnen, daß in dem zweiten auch in einiger Ausführlichkeit über den Traum bei den Hebräern gesprochen, in dem dritten das Nichtvorhandensein des Teufels in der mosaischen Lehre betont wird. Die Vorträge sind dem Stoffe nach recht fesselnd, in der Darstellung gewandt und anmuthig. — Nur als Curiosität erwähnen wir: „Gott. Von FranciseoSuner y Capdevila; aus dem Spanischen von Hedwig Henrich. Zürich 1872." Es ist dies eine ganz oberflächliche Tirade gegen die Gottesidee von einem Spanier, welcher durch die Willkür und die unsinnigen Lehren der Pfaffen in das entgegengesetzte Extrem geworfen ist; in das Deutsche übertragen und mit scharfsinnigen Anmerkungen versehen von einer jener stark geistigen Damen, welche massenhaft die medicinischen Hörsäle der schweizer Hochschulen unsicher machen und einem angeblichen wissenschaftlichen Drange (sollte es nicht oft unsittliche Lüsternheit sein?) den -wahren Beruf und die schöne Schamhaftigkeit des weiblichen Geschlechtes opfern. Dr. M. P. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 1. Sept. (Privatmitth.) Die jüdisch-orthodoxen Blätter, welche bekanntlich ihr Dasein nur von Streitigkeiten, die sie in die Gemeinden werfen, und von Schimpf und Schande, die sie über Persönlichkeiten ausstreuen, fristen und gerade im Gegensätze zu allen Tugenden, welche unsre Väter mit dem Begriffe der Frömmigkeit verbanden, Handeln, speien wieder Feuer und Flammen. Sie überschütten den Dr. Graetz mit Geifer, weil er die Zustände unter dbn Juden in Jerusalem für äußerst demoralisirt erklärt. Dann wieder erheben sie Anschuldigungen gegen Dr. Aub, daß er die Ritualgesetze verletzt habe. Man kann es den Angegriffenen nur verübeln, daß sie überhaupt auf diese Zänker Rücksicht nehmen und antworten. Sie ganz zu ignoriren, ist die beste Antwort; denn sonst benutzen sie jede Gegenrede, um von neuem schimpfen zu können. Dieses Handwerk treiben sie seit Jahren; es würde ihnen aber am ehesten durch völliges - Stillschweigen der Verachtung gelegt werden. In diesen Blättern kann kaum davon Notiz genommen werden. Aus Württemberg, im August. (Privatmittheil.) Während die Gemeinden bei uns auf dem Lande immer mehr abnehmen und theilweise ihrer Auflösung entgegengehen, sehen wir naturgemäß eine immer größere Zunahme in den Städten. So wenig erfreulich das erstere für die Landgemeinden ist, desto mehr ist es das andere für die Stadtgemeinden. Seit dem 1. Juli d. I. besteht auch in dem Badeorte Cannstatt, dem angenehmsten Platze Schwabens, eine selbstständige israelitische Kirchengemeinde. Vorher gehörten die dort wohnenden Israeliten zur Kirchengemeinde Stuttgart, und mußten dorthin ihre Cultussteuern zahlen. Aber dennoch'unterhielten sie schon seit einer Reihe von Jahren einen eigenen Gottesdienst in Cannstätt und ließen ihren Kindern durch Privätlehrer den