Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1872)
- Date
- 1872-09-17
- Page
- Seite 744 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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McDnMs jetzt erreicht worden ist, sie brandmarken das Erreichte und verheißen alles, waS wünschenswerth ist; sie fügen: wir allein zerbrechen Eure Fesseln-, machen - Euch üuch Sklaven zu Herrentheilen die Güter der ein jeder einen gleich großen Heil erhalt tet, stürzet alles nieder, was besteht, kehret die Gesellschaft um, so werdet Ihr oben sein, und die oben waren, unten, und dann ist das Heil der Welt gekommen: Wieder Andere tretenzu der jüngen Freiheit , zeigen ihr alle diese Feinde in alter und neuer Form, im schwarzen- undim rothen Gewände, und die drohenden Gefahren, von welchen sie umringt ist, und sagen: Du bist noch viel zu jung und schwach, um Dich ihrer wehren zu können; siehst Du nicht, wie der scheußliche NütioNaliMeNhaß PiMich und offen die Waffen bereitet? Siehst Du nicht die Staatenbilvung, die Völkervertheilung noch in immerwährendem Proceffe? Darüber wirst Du untergehen, wenn- Dm Dich nicht uns ergiebst; die Machtsülle des Staates muß sich über alle Kreisendes'Lebens erstrecken-, die Centralisation der' Gewalt darf nicht geschwächt Werdern,- vor allem gilt es, die Wehrkraft des Volkes- bis auf's äußerste zu stärken und gespannt zu erhalten, c So sind es der Ultramontanismus in allen Confessionrn, der Socialismus in den unteren Schichten, die Staatsallgewalt in denpolitischen Sphären,- die Nationalitätensucht in größerem und kleinerem Maße, welche die- Menschheit nicht zur Ruhe kommen und aus der Gährung zu entscheidender Entwickelung gelangen lassen. Doch ist dies kein Zufall , sondern liegt in der Noth-- wendigkeit, wie sie Gott der Schöpfer in die Menfchennatur gelegt hat. So lange diese scharfen Stoffe noch nicht zersetzt undüberwunden sind, kann der Kampf nicht aufhören. Aber er braucht unS im großen Ganzen nicht zu -beängstigen. Die Erkenntniß dessen, was der Mensch will, . wird ihm, je mehr sie wächst und sich ausbreitet, immer mehr die Spitzen abbrechen, immer schneller zu beseitigen vermögen, was sich als- Gegensatz und Verirrungaufstellt. Was sich uns in dieser großen Entwickelung der neueren Zeit als Beobachtung aufdrängt, das ist daß, je. weiter die Cultur innerlich und äußerlich sich ausbreitet,; sie eine unüberwindliche Kraft der Nivellirung' ausübt. Sie stellt gleiche Lebensbedingungen und Lebensbedürfnisse für alleauf, und da sich jenen, wenn sie bestehen wollen, alle fügen müssen, so bringt sie' in der ganzen äußeren Erscheinung ' eine Gleichartigkeit hervor,', vor welcher, kaum.-iw den entferntesten Winkeln die Be- ' soüderheit, die nationale oder örtliche, M noch eine Zeit lang halten kann. Nun ist die äußere Erscheinung allerdings nur etwas, aber dochimmer mehr, als man oberflächlich meinen könnte. Form- und Wesen sind nicht dasselbe, stehen aber doch in starker Wirksamkeit auf einander. Es ist leicht erkennbar, daß diese Ausgleichung in der äußeren Erscheinung mit jener klareren Erkennt-; rkiß dessen, wasder Mensch will, und wohin er zielt, in Verbindung steht. Ausallen diesen Gesichtspuncten drängt sich uns die Frage aus: wie verhält es. sich mit dem jüdischen Stamme in diesem großen geschichtlichen Processe? Was hat die göttliche Vorsehung, und was wird sie aus ihm werden lassen? Unsre Leser wissen, welches unsre Ansicht über die Lenkung der Geschicke des Menschen im allgemeinen wie im einzelnen ist. Die göttliche Vorsehung giebt die Verhältnisse und die Fügungen, und der Mensch ist es, der innerhalb dieser, seiner Natur, und seinem Willen Nach handelt. Der Weg ist Gottes. Wie er auf ihm wandelt, ist des Menschen Sache. Nun sehen wir Zwiefaches. In seiner ganzen Geschichte hat der Jude den ÄZillen gehabt, als Jude bestehen zubleiben. Bestehen bleiben will jedes Geschöpf, aber nicht alle wollen es als die, welche sie sind. Viele gaben und geben um des Daseins willen ihr Wesen , hin, und verändern es nach den jeweiligen Forderungen. Nicht so der Jude. Die immense Mehrheit dieses Stammes war immer bereit, selbst ihr Leben hinzugeben, um Juden zu bleiben. Dies ist geschichtliche Thatsache; und trotzdem sehen wir seit einem Jahrhundert die Nivellirung, die Ausgleichung in Erscheinung und Silke, in Streben und Tendenz mit den Cultürvölkern, unter dHitzn sie leben, auch unter den Juden, und zwar in allem Schichten derselben, sich immer mehr ausbreiten. Lächerlich wäre es, dies ven vereinzelten Reformern zuschreiben zu wollen,, die überall'nur demnachzugehen-suchten-, was das Leben' bereits du-rchgeführt hatten vergebensistdas Schreien , und Toben der sogenannten- ^Orthodoxen-, sie können mit aller Anstrengung nicht 'einmalverhindern, daß sie selbst bereits' dieser Nivellirung zum größten Theile anheim gefallen sind. Kann man auch noch eine gewisse Gränzlinie zeichnen hinter welcher die jüdische Masse sich noch in; ihrer ganzen Besonderheit erhaltenhat, so zeigt es sich \ doch täglich , daß was von ihr diese Gränzlinie über- \ schreitet, sich auch sofort jener Nivellirung ergiebd, ja mit einem Eifer sie aufsucht, der weit über jedes richtige