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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-09-10 · Heft 37 (10.9.1872) · p. Seite 741

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 37 (10.9.1872)
Date
1872-09-10
Page
Seite 741 (sequence 19)
Language
German
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schreiber Angelus (eigentlich Engel) alles das entnommen/ was er im dritten Theile seines Werkes ^vnslvs MreLiose Lranäenburgige (Frankfurt an der Oder 1598) von der Sache wiedergegeben.*) Endlich schließt er damit, daß die aus der Mark vertriebenen Juden nachher wieder Mittel und Wege gesunden hätten, in ihre frühere Heimath zurückzukehren und sich daselbst von neuem einheimisch zu machen, wiewohl auch dies nicht von Dauer und Bestand gewesen. Wir wollen hierzu unsrerseits nur noch kurz bemerken, daß besagte Vertreibung der Juden aus der Mark unter dem Kurfürsten Joachim I. (Nestor), ihre Rückkehr unter Joachim II. (Hektor) und ihre Wiedervertreibung schon unter Johann Georg in Folge der Lippoldaffaire von 1573 geschehen ist. > Sittenspiegel. Bon Salomo Alami, aus dem Jahre 1415. Wir haben es stets für einen Ruhm des jüdischen Stammes gehalten, daß in seinem Schoße nicht nur die reinste Moral gelehrt, sondern auch dem Volke in allen seinen Schichten die Zucht in so scharfer Weise gepredigt wurde, wie kaum irgend ein anderes wohl ertragen hätte. Sowie die Propheten den Königen und Fürsten, den Priestern und dem Volke ihre Vergehen und Laster unerbittlich in's Gesicht geschleudert und die nahende Vergeltung zur größten Demüthigung verkündigt haben, so standen auch in den spätern Zeiten Männer auf, welche das Berderbniß der Sitten, wenn es bei den Juden um sich gegriffen hatte, in den stärksten Farben schilderten, und ihnen zum Vorwürfe machten. Diese Männer wurden ihres Freimuths wegen geehrt, und die Nachwelt erkennt ihre Verdienste dankbar an. Es ist bekannt, daß die spanischen Juden vor ihrer Vertreibung (1492) einen hohen Rang in der Gesellschaft einnahmen und sehr große Reichthümer aufgehäuft hatten. Luxus, Eitelkeit, Frivolität bemächtigten sich vieler derselben, verleiteten sie zu mannichfaltigen Ausschreitungen und veranlaßen schwere Verfolgungen, schon ein Jahrhundert früher, im Jahre 1391. An diesen Leiden nahm auch ein Rabbi Salomo Alami Theil, der nach Portugal flüchtete, und 24 Jahre später, durch die Erinnerung an jene Leidenszeit veranlaßt, an einen seiner Schüler ein Sendschreiben richtete, in welchem er theils Lehren und Regeln der reinsten Sittenlehre gab, theils *) Wir halten es indeffen für viel wahrscheinlicher, daß Angelus eine andere Quelle gehabt, nämlich Wolfgang Jobsten, dessen historische Beschreibung der Mark Brandenburg in den Jahren 1571—75 ebenfalls hier in Frankfurt erschienen ist. L. W. die sittliche Entartung seiner Zeitgenossen schilderte -und geißelte. Dieses im Jahre 1415 (N2>p)*) verfaßte Schreiben: NPbiv ‘V’i'rrras nbwrv ba^ü^sp iTwbnb b'T, ist mehrere Male im Druck erschienen (Konstantinopel 1609, Krakau 1612, Berlin 1713, Prag 1783), zuletzt von vr. A. Jellinek 1854 und jetzt zum zweiten Male (Wien, Herzfeld und Bauer) herausgegeben worden. Wir halten es an der Zeit, das höchst interessante Büchlein in getreuer Uebersetzung nach und nach unsren Lesern vorzuführen, so auch den Wunsch des Herausgebers erfüllend, daß das Schristchen noch jetzt recht viele Leser finde. Deine Angen sollen gerade ans schauen. Deine Micke den Weg vor Dir ebnen. Erkenne den Gott Deines Vaters und diene Ihm; mit all Deiner Kraft, die Er zu Seiner Ehre geschaffen hat, suche ihn; es sündige nie gegen Seine Größe Alles, das Er geschaffen hat zu seiner Bestimmung. Deine Augen mögen auf die Werke Gottes schauen, auf Seiner Hände Werk im Himmel und auf Erden, die geschaffen wurden auf Sein Gebot, auf die Werke Seiner Herrlichkeit. Denn also heißt es: „Erhebet zum Himmel Eure Augen und sehet, wer dieses geschaffen hat/' Ferner: „Siehe, es ist der Gott in der Himmelshöhe," und ferner: „Richte Deine Gedanken auf die Fernen der Erde," und im Gegensätze dazu: „Die nicht begreifen das Werk Gottes und Seiner Hände Werk, wird Er vernichten und nicht bauen." „Schließe Dein Äuge, das Böse zu sehen, und Alles, was Deine Begierde erweckt und entflammt, gegen Deinen Schöpfer zu sündigen; es sei Dir geschieden, die Herrlichkeit Gottes zu schauen, in der Höhe Deine Stätte zu gründen. Richte Dein Auge auf den Armen, achte auf seinen Schmerz und seine Noch, entziehe Dich nicht seiner Befreiung und Heilung, denn, Gott geht in's Gericht über alles Verborgene, und ewiger Wechsel vollzieht sich in der Welt. Weine nicht zu viel und bekümmere Dich nicht zu sehr unter Fröhlichen, und sei nicht zu freudig vor Weinenden und Trauernden; befasse Dich nicht mit dem Unreinen und Unlaulern, denn es entwürdigt Deine reine Seele nach dem Worte der Schrift, der Wahrheit der Zeiten. Pflege nicht zu sehr des Schlafes, denn Mangel leidet, wer den Schlaf siebt, und Faulheit erzeugt ihn. Habe ein offenes Auge bei Deinem Verkehre mit Menschen und bei Deiner Unterredung mit ihnen, schlafe und träume nicht vor ihnen; gehe nicht mit hoffährtigem Blicke einher, wende Dich nicht den Schlechten zu; der Weise hat das Auge auf den Anfang gerichtet, der Thor blickt auf das Ende und strauchelt. Gewöhne Dich bei einer jeden Gelegenheit den betreffenden Segen zu sprechen, den die Weisen bestimmt haben; *) Jrrthümlich steht bei Graetz (VIII. S. 42) 1315, wie in derselben Anmerkung 1654 statt 1854 ficht; Jost und Fürst haben das Richtige.

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