Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1872)
- Date
- 1872-09-10
- Page
- Seite 742 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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ivenn Du stehest' oder sitzestim Gebete, so blicke nicht umher. . . Das Ohr, das auf die Regeln des Lebens hört, ' tourir mtter hm SSeifen tocilett* Lausche den Worten der Weisen , um Weisheit und Sitte aus ihrem Mun.de zu vernehmen, hole Rath aus der Lehre und bei den Männern der Erfahrung, bevor Du an Dein Werk gehest; wende Dich von dem Falschen und dem Leumund ab und fliehe die Gemeinschaft der Bösen. Verschließe Dein Ohr gegen jede unsittliche und spöttische Rede; denn leichtsinniges Geschwätz führt zu Schändlichkeit und veranlaßt, über die Fehler der Nebenmenschen sich lustig zu machen, was der Anfang zum Streite wird. Fliehe jeden sinnlichen Gesang, der Unsittlichkeit erregt. Hörst Du böse Rede gegen Gute,, so setze Deinen ganzen Einfluß dagegen ein. Verschließe Dein Ohr nicht dem Rufe des Armen, damit auch Dein Ruf nicht ungehört bleibe; knüpfe an jedes Ereigniß, es sei gut oder böse, den darauf bezüglichen Segen; achte jederzeit auf Warnung , Höre auf das Flehen der Unglücklichen und'hilf ihnen zum Rechte, auf daß auch Deine Gerechtigkeit strahlen laste der Gott des Himmels, Dein Licht im Finstern leuchte. \ ,' (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. „L’Est a!g6rien‘V ein $u Bona in Algerien erscheinendes Blatt, berichtet: Gestern, am 23. des Monats, trüg sich ein furchtbarer Unglücksfall in den Seebädern auf dem Strande von Chappuis zu. Herr Moses Tajeb hatte sich mit seiner ganzen Familie dahin begeben; sein Diener badete sich, als man ihn plötzlich Zeichen des Schreckens geben und unter den Wogen verschwinden sah. Herr Tajeb warf sich entschlossen in das Meer, und es gelang ihm, den Ertrinkenden zu fasten und ihn dem Ufer nahe zu bringen. Aber diese Aufopferung sollte ihm verhängnißvoll werden; von seinem Diener an der Kehle gepackt, wurde er so zu sagen gewürgt, und dann unter das Master gezogen. Die Herren Giuhega, Castagnetto, Carrus und Aribaud warfen sich in's Meer. Diese beiden letzteren allein waren so glücklich bis zu den Ertrinkenden zu gelangen und ungeachtet der Fluth sie an das Ufer zu bringen. Einige Augenblicke darauf gab Herr Tajeb seinen Geist auf; sein Diener ist, wie man sagt, außer Gefahr. Herr Tajeb , einer der geachtetsten Kaufleute unsrer Stadt hinterläßt eine sehr zahlreiche Familie, der ohne Zweifel die Einwohner von Bona die Shmpathien, - die sie für das Haupt derselben gehegt haben, bewahren werden. München, 13. Aug. DieAllg. Ztg. berichtet: „In einer von der hiesigen social-demokratischen Arbeiterpartei gestern im Saale des fränkischen Hofes abgehaltenen, von etwa 160 Personen besuchten Versammlung, wurde die Stellung der Socialisten zu den confessionellen Bekenntnissen besprochen, und; von Feuerbachs Lehren ausgehend, die Religion der Vernunft als die einzig richtige bezeichnet. Jeder Mensch trüge die wahre Religion in sich. Das Volk aber, d. h. das Proletariat, werde der Fels sein, auf dem die Religion der Zukunft begründet sein solle. Ein Mitglied der Versammlung stellte nunmehr den Antrag: auf dem im September in Mainz stattfindenden Parteicongreß sei dahin zu wirken, daß mit den bestehenden Religionsbekenntnissen gebrochen werve und die Vernunft an deren Stelle trete, was nur im Wege der Naturreligion zu bewerkstelligen fei." Der Antrag wurde angenommen. — Es kann den positiven Religionen nur nützen, wenn sich die Socialisten gegen sie erklären. Die übrige Menschenwelt, und gegen diese ist die Partei der Socialisten, so viel Lärm sie auch von sich macht, ein sehr kleiner Bruchtheil , wendet sich jenen um so eher wieder zu. Das Schönste an der Sache ist, daß als ein Motiv angegeben wurde, die Partei verwerfe jeden Autoritätsglauben, also auch den religiösen, während doch der ganze Haufe der Socialisten der Autorität einiger weniger Führer blind nachfolgt. Daß jeder Mensch die wahre Religion in sich trüge, hat die Geschichte bis jetzt wenig bewahrheitet; denn was ist schon alles aus der Religion gemacht worden, welche jeder Mensch in sich trägt. Wahr ist es, daß schon manche Religion bei ihrem Ursprünge an das Proletariat sich wandte und aus dessen Noth und Elend sich ein Mittel ihrer Verbreitung schuf. Aber was wurde in den Händen dieses Proletariats aus solcher Religion in kurzer Zeit? Nicht lange, und sie war den Vorstellungen der Menge gemäß entstellt, voller Fabeln und aller Vernunft zuwider, auf welche letztere sich doch die. Socialisten verlassen wollen. Der auch den Lesern dieses Blattes bekannte Virtuos Heinrich K e t t e n, der sich gegenwärtig in Florenz befindet, wurde zum Mitgliede der dortigen Accademia musicale ernannt. Verlag von Vauwgärtner's Buchbaudlung.iu Leipzig. — Druck von Z. B. Hirfchfeld, Verantwortlicher Redäcteur LVin.-H. Lotze.