Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1872)
- Date
- 1872-09-10
- Page
- Seite 731 (sequence 9)
- Language
- German
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der Ehe der erste Prediger und durch feinen Blick in die Zukunft der erste Prophet." - ‘ Was ließe sich auf diese Weise nicht noch aus dem alten Adam machen! W. Memel,. 18. Aug. (Eingesandt.) Zum Hül f.erufe für die Abgebrannten in Schaulen. Es stellt sich heraus, daß das Unglück, welches die Kreisstadt Schaulen im Gouvernement Kowno betroffen hat, von viel größerem Umfange'ist, als man anfangs dachte. Schaulen oder Szawl ist kein Städtchen, wie das Telegramm sagt, sondern eine ziemlich bedeutende Stadt mit 6—7000 Seelen,' wovon mehr als 80 Procent Israeliten sind; etwa der dritte oder vierte Theil der Stadt liegt in Asche, und etwa 2000 Menschen haben alles eingebüßt, was sie besaßen, denn von allen diesen hatten nur acht Familien das Ihrige nothdürftig gegen Brandschaden versichert. Eine.solche Versicherung ist in den kleineren Ortschaften Rußlands für den geringen und Mittelmann aus vielfachen Gründen ein Ding der Unmöglichkeit. Nun kann man sich Noth und Jammer der Elenden denken, die cheils in Ställen und Schuppen, cheils unter elenden Baracken, von allem, was zu des Lebens Nochdurft gehört, entblößt, Hausen, bis sie durch wechselseitigen Beistand so viele Wohnungen wieder hergeftellt haben, daß sie allesammt ein Unterkommen finden. Da wohnen sie nun drei bis vier Familien in einer Stube, bis die einzelnen sich so weit wieder heraufgearbeitet haben, daß sie sich unter Beihülfe ihrer Mitbewohner ein besonderes Häuschen bauen können, und wenn sie indessen nicht von neuem abbrennen, so ist in 5—6 Jahren der Schaden vollständig ausgeglichen. — Wenn wir nun eine ziemlich erkleckliche Summe zusammen brächten, so könnten wir den unglücklichen Brüdern diese Arbeit außerordentlich erleichtern und beschleunigen helfen. Bon dem gespendeten Gelde wird sicher ein jeder Pfennig nur zur rascheren Herstellung von Wohnungen verwandt. Was sie zum Lebensunterhalt brauchen, ein Stück Schwarzbrot, einen Häring und Thee (von letzterm nur recht viel, denn welche Theemassen von den russischen Glaubensgenossen consumirt werden/ davon hat man keinen Begriff), ist leicht gefunden. Neulich ist in unserer Provinz ein großer Theil des Städtchen Pillkallen abgebrannt. Was that man nicht, um< den Unglücklichen beizuspringen? * DaZist in der ganzen Provinz kein wohlhabender Mann , kein Verein, keine Stadtcapelle, keine- Theaterdirection, die nicht auf die eine oder die andere Art zu helfen suchte^ Auch der Kaiser hat .sofort 1000 Rubel gespendet, und was Unglück ist nach keiner Richtung hin auch nur den zehnten Theil so groß als in Schaulen.. Bei einem solchen Unglücke-; müssen Me wohlha-z benden- Glaubensgenossen der Weltbund..alle israeli-. tischen; Vereine (denn wer;solll; wenn;- sonst helfen auf jede- Weise unterstützungsbereitsichzeigen. '-Der- Hoffnung - hierauf*1 2lu8bt«(f,/v'foö>ie;;bte;; Anregung; hierzu zu geben, ist dieses geschrieben. Im-Namen des Local -< und Gränzcouütss der Alliance - Israölite, Universelle. . > Rülf. .. Oesterrelchischungarische Monarchie. Karlsbad, 12. Aug. (Privatw.) Der kurze Bestand der hiesigen Gemeinde, deren Creirung so viele Kämpfe kostete und die mit Recht als eine Schöpfung , des Bürgerministeriums gelten kann, das in letzter Instanz zu Gunsten der Petenten entschied, macht es erklärlich, daß die Entwickelung derselben keine so raschen Fortschritte macht, wie man es hier an einem der bedeutendsten Curorte Europa's zu fordern berechtigt ist. Allein viel schädlicher wirkt auf das Aufblühen der hiesigen Gemeindezustände der leidige Jndifferentismus und der immense.materielle Sinn der Gemeindeglieder, woran bekanntlich die Bewohner der Curorte meistens laboriren, vor allem aber der passive Widerstand und. das ewige Schmollen mit dem Vorstande seitens einer kleinen Partei, deren Glieder sich hier gleichsam als Autochthonen betrachten, und wirklich früher , als dieselben noch das Privilegium besaßen alljährlich von dem hochweisen Rathe der. Stadt. Karlsbad am.Ende der Saison ausgewiesen zu werden, um in das alte Ghetto, in das nahe gelegene-Lichtenstadt, zurückzuwandern, als Hofjuden des gestrengen Herrn Bür-, germeisters und der Stadtverordneten vielvermögend, und einflußreich waren.- Diesem kleine Partei, welche die Creirung der Gemeinde hinderte, steht dem projectirten Shnagogenbau und allen nützlichen Unternehmungen des Vorstandes möglichst fern, und verleidet, sämmtlichen für das Wohl der Gemeinde thätigen Individuen ihren Wirkungskreis.. Wir haben hier keine, offenen Kämpfe und. Spaltungen, wohl aber eine non xossumus-Partei, die nichts, aufkommen und gedeihen 37