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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-09-10 · Heft 37 (10.9.1872) · p. Seite 729

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 37 (10.9.1872)
Date
1872-09-10
Page
Seite 729 (sequence 7)
Language
German
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.Nächstenliebe, persönlicher Freiheft und geschützt vor jenen socialen Leidenschaften , welche alle Staaten und Völker bis heute unterwühlten und 'zersetzten, gründen wollte. Einseitig mußte aber auch unser Autor werden, weil er sich in seinen nationalökonomischen Ansichten nicht klar, und entschieden ist. Er macht es Mose zum großen Vorwurf, daß er den Luxus verhindern, die Industrie und den Handel einschränken, die Aufhäufung des Nationalreichthums nicht begünstigen wollte, und sieht dann wieder in dem gewaltigen Aufschwünge der modernen Finanzwelt, welche doch allein der unermeßlichen Entwickelung der Industrie die nothwendigen Mittel beschafft, die außerordentlichsten Gefahren und die schlechteste Tendenz der Zeit. Immerhin also mancherlei Jrrthümer bedauernd, scheiden wir von Herrn Du Mesnil- Marigny mit Achtung. Haben wir lange bei ihm verweilt, so verweisen wir auf unsre Gründe, die wir im ersten dieser Artikel ausgesprochen haben. Deutschland. Berlin-., >^2. September. Das Curatorimn der „Hochschule für.die Wissenschaft des Judenthums" Hierselbst macht bekannt, daß dieselbe am 28. October c. baV Wintersemester beginnen wird. Ein so eben veröffentlichtes Lectionsverzeichniß weist die Vorlesungen nach, welche während desselben gehalten werden sollen. Die Hochschule schließt sich, obgleich selbstständig verwaltet, geistig der hiesigen Universität an. Sowohl von dem allgemeinen Standpunkte, welcher die Wissenschaft als Selbstzweck und alle Zweige derselben als eine Einheit betrachtet, als auch in Bezug aus das praktische Bedürfniß derer, welche sich dem Rabbinats- und Predigtamte widmen, soll die Lehranstalt lediglich eine Ergänzung der Universitätsstudien dar- Lieten. Als Zuhörer für die Vorlesungen sind daher in erster Reihe die rite immatriculirten Studirenden der hiesigen Universität — und zwar ohne Unterschied der Facultät — in Aussicht genommen. Auch andere Personen können auf Gruud besonderer Ermächtigung an den Vorlesungen Theil nehmen. Alle Vorlesungen an der Hochschule sind unentgeltlich. Die Anmeldung zu den Vorlesungen geschieht bei dem zeitigen Vorsitzenden des Lehrercollegiums/ Herrn Professor Dr. Stein thal (in den Zelten Nr. 19, wochentäglich von 4—5 Uhr, vom 28.—31. October im Locale der Hochschule , Spandauer Brücke Nr. 8 von 5—6 Uhr).- Oberheffen. Am 25. August c., dem Namenstage des Großherzogs von Hessen, wurden wie alljährlich eine ganze Reihe von Ordensverleihungen vor'genommen. Unter verschiedenen Geistlichen der beiden christlichen Confessionen ist auch der Rabbiner der Provinz Oberhessen, Herr Dr. Levi zu Giessen, decorirt worden. Er erhielt, wie die katholischen Geistlichen , das Ritterkreuz des Ludwigsordens zweiter Classe. Wir freuen uns einerseits dieser Auszeichnung, da dieselbe einem höchst würdigen und berufstreuen Rabbiner zu Theil geworden ist, der während seiner mehr als vierzigjährigen Amtsführung stets, die Interessen des Judenthums mit denen der Menschheit in harmonischer Weise zu vertreten wußte. Wir freuen uns ferner darüber, weil auch dadurch wieder ein Stück Gleichberechtigung zu Fleisch und Blut geworden ist, da, indem ein Fürst die Wirksamkeit verdienter Männer an seinem Geiste vorüberziehen läßt, er auch zugleich der Verdienste würdiger Juden gedenkt. Sind wir nun gerade kein Verehrer des Ordenswesens im allgemeinen, so ist es uns dennoch erfreulich, so lange es überhaupt Orden gibt, unsere verdienstvollen Glaubensgenossen denen anderer Confessionen gleichgestellt zu wissen. — Herr Dr. Levi ist unseres Wissens der erste hessische Rabbiner, det seit dem Bestände des Großherzogthuws von einem Fürsten decorirt worden ist. Möge es dem Decorirten vergönnt sein, noch recht lange seine Brust mit der ihm von seinem Fürsten gewordenen Auszeichnung zu schmücken! " ' Aus Süddeutschland / im Aug. (Privatmitth). Die interessante Mittheilung des Herrn Löwenstein über „Professor Helvicus in Gießen und das Maafebuch" in den Feuilletonbeilagen zu Nr. 28—30 dieser Zeitung schließt mit dem Hinweise auf die tiefernste Seite, welche das von einem Mehrten (?) Professor/ wenn auch in der possirlichsten Weise) verbreitete Ri-' schus hat, und mit der tröstlichen Bemerkung,' daß Schriften aus so vager und giftiger Feder in unserer Zeit undenkbar seien, "psis mh* nV! Leider aber

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