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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-09-10 · Heft 37 (10.9.1872) · p. Seite 728

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 37 (10.9.1872)
Date
1872-09-10
Page
Seite 728 (sequence 6)
Language
German
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Verbesserungen veranlassen würde., Unser Verfasser geht. gegen den Schluß der Äbtheilung über Judäa zur Statistik -der. jüdischen. Bevölkerung über. Er sammelt mit Sorgfalt^ die, über frühere . Epochen vorhandenen Notizen und . stellt, .mit, iÜmfidjt. die gesetzlichenund - geschichtlichen Ursachen der.. Fruchtbarkeit im jüdischen Starnme zusam-' men. Er -kann nicht anders, ..als die meisten, dieser Ursachen außerordentlich zu bewundern, und das Glück eines alten jüdischen Familienvaters in seiner zahlreichen Nachkommenschaft mit dem unglücklichen Loose einer zahlreichen Familie in unsren Zeiten, in der modernen Gesellschaft . und Cultur zu vergleichen. Hätte er früher hierauf Rücksicht genommen, er würde über viele der mosaischen Einrichtungen doch noch anders geurtheilt haben. Er ist vorurtheilslos genug, um anzuerkennen, daß die Israeliten in ihren Wohlthätigkeitsanstalten allen Nationen vorangegangen sind, auch denen der christlichen Welt und der modernen Zeit , welche doch so manche, neue.. Hülfsquellen eröffnet habe. Er giebt hinsichtlich der. Mäßigkeit der Juden die interessante Notiz, daß die Restaurants von Paris, den Juden, wenn sie große Diners, bei ihnen bestellen, den Wein auf Discretion geben., ohne einen Mißbrauch zu fürchten, was sie bei anderen. Glaubensgenossen nicht thun. Von hier ab geht der Verfasser auf die Gegenwart über, und spricht sich folgendermaßen aus: „Wie dem auch sei , wenn man dem gegenwärtigen öffentlichen Geiste in Bezug auf sie Rechnung trägt, so sind ihre schlimmen Tage vorüber, und sie scheinen uns zur glänzendsten Zukunft. bestimmt. So lange sie unter der allgemeinen Verachtung niedergebeugt, in allen Ländern der Welt mißhandelt und jeden Augenblick in der Furcht waren vertrieben zu werden, konnten sie ihren verschiedenen Fähigkeiten nicht den Aufschwung geben, der ihnen : möglich war. Aber dies ist heute nicht mehr der Fall, unter der jetzigen unerschütterlichen Herrschaft der Gesetze der gleichheitlichen Gerechtigkeit, die uns beherrschen, und nach welchen ihre Besitzthümer geheiligt, unantastbar und und die verschiedenen Carrieren der menschlichen Thätigkeit ihnen geöffnet sind. Seitdem vermöge ihrer Mäßigkeit, vermöge der Beharrlichkeit, die jedermann an ihnen an-, erkennt, vermöge der Freundschaft, der Anhänglichkeit . und Zärtlichkeit, die sie. an einander fesseln, vermöge der.Verbindungen, die sie unter einander trotz jeder Entfernung, auf eine sichere und. schnelle Weise herzustellen verstehen, vermöge ihrer Kenntnisse in den gebräuchlichen Sprachen und allen Arten von Wissenschaften, vermöge endlich, ihrer.unermeßlichen Geldmittel.und der Geschicklichkeit, diese zu verwerthen,. mußder Eingeborene jedes Landes in ihnen die siegreiche Mitbewerberschaft in-allen lucrativen und ehrenvollen Aemtern erkennen,, welche sie ihm schon als Handel treibende machen, woraus für ihre Race eine außerordentliche Entwickelung zugleich sowohl! der . Zahl, als dem Reichthum und der Macht-nach entspringen wird." Es widerfährt unsrem: Autor dasselbe, was sovielen anderen, eine bis an Lächerlichkeit reichende Ueb'ertreibung. Er spricht von der souveränen Herrschaft des Geldes in unsrer. Zeit, und citirt doch eine Stelle aus Euripides, die mehr darüber sagt aus seiner Zeit, als man irgend noch sagen könnte. Die Juden seien, jetzt die Herren des .Geldes, und geben, vermittelst derselben eine, höhere Erziehung. „Nun, ruft er aus, bei uns in-Frankreich, wer sind an der Sorbonne, am College de France die eminentesten Professoren? Israeliten. Im Theater die . gefeiertesten Autoren? Israeliten. Unter den Philosophen und Publicisten die gerühmtesten? Israeliten. Selbst unter den berühmtesten Musikern sind die meisten desselben Ursprungs." Es ist dies sicherlich übertrieben, und jedenfalls müßten wir Herrn Du Mesnil-Marigny fragen: Sind dies die Juden durch ihr Geld geworden, öder durch ihre Talente und Fähigkeiten, durch ihre Studien und Anstrengungen? Kauft man die Professuren, den Beifall auf den Bretern, die Lehrstühle der Philosophie u. s. w.? Nicht anders, ergeht es ihm mit den anderen Ländern. Er folgt hier den bekannten Extravaganzen der Herren d'Jsraeli und Crsmieux, denen zufolge alle berühmten Männer Europa's Juden waren. Die Folgerungen, die unser Autor daraus zieht, sind an sich sehr rühmlich für die Juden, erwecken aber eine Furcht vor ihnen, die in der That der Gespensterfurcht gleicht. So haben wir unsren Autor bis zum Schluffe seiner großen Abtheilung über Judäa verfolgt. Wirerkannten in ihm den emsigen Forscher, der im allgemeinen von Vorurtheilen nicht befangen ist, daher die Fähigkeit besitzt, viele von den großen Wahrheiten und, Principien, welche in der mosaischen Gesetzgebung niedergelegt sind, zu erkennen und ihr Verständniß zu ^verbreiten. Hierauf legen wir das Hauptgewicht. Einseitig mußte er schon sein, weil er vom nationalökonomischen Standpuncte ausging. Das rechte Verständniß mußte ihm deshalb entgehen, nämlich, daß Moses ein einfach reli- . . giös-sittliches Volksleben in Monotheismus, Gleichheit/.^

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