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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-09-03 · Heft 36 (3.9.1872) · p. Seite 709

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 36 (3.9.1872)
Date
1872-09-03
Page
Seite 709 (sequence 7)
Language
German
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Literarischer Wochenbericht. Bonn, 28. Juli. Nachträglich wollen wir hier des Jahresberichtes über die Religionsschule der Synagogengemeinde zu Star gar d in Pommern, veröffentlicht von dem Leiter der Schule, dem Rabbiner vr. P. Buchholz, erwähnen und denselben rühmend hervorheben. Herr vr. Buchholz hat ein Programm Vorausgeschickt, in welchem er nicht, wie es so oft geschieht, irgend ein entlegenes gelehrtes Thema behandelte oder allgemeine Tiraden losließ, sondern einen sachgemäßen Gegenstandsehr einleuchtend und erfahrungsmäßig besprach, nämlich den Geschichtsunterricht in der jüdischen Religionsschule, und zwar die biblische wie die jüdische Geschichte, und was den Stoff wie die Form betrifft. Hinsichtlich der biblischen Geschichte kommt er zu den Resultaten: „1. Dasjenige Nationalgeschichtliche, welches die Entstehung und den Beruf des israelitischen Volkes, sowie das Bedingtsein des nationalen Glückes von der Treue gegen Gott und des Unglückes vom Abfälle von Gott zu zeigen geeignet ist. 2. Dasjenige Biographische, was zur Frömmigkeit, Tugend und Sittlichkeit anzuspornen vermag." Und was die zweite Frage, die Form, betrifft: „1. Für das Nationalgeschichtliche möglichst objective Anlehnung an die Erzählung der Schrift, insofern dieselbe den im ersten Theile dieser Abhandlung angegebenen Bedingungen entspricht; für das B i o g r a p H i s ch e hingegen größere Selbstständigkeit in der dem Geiste der Schrift entsprechenden Erklärung des Lehrers. % In den beiden Theilen ist jedoch jede, auch die geringste Abweichung vom Inhalte des Schrifttextes auf's strengste zu vermeiden. 3. Darstellungsform und Sprache der Schrift sind nur da beizubehalten, wo sie durch Kürze sich auszeichnen, welche letztere überhaupt stets zu erstreben ist. 4. Sklavisches Auswendiglernen ist nicht zu empfehlen." rnaa Rabbi Salomo Allami's Sittenlehren und Sittenschilderungen der spanischen Juden, im Anfänge des XV. Jahrhunderts geschrieben. Zum zweiten Male mit verbessertem Texte und Zusätzen herausgegeben von Dr. Ad. Jellinek. Wien 1872." Wir können das sehr interessante Schriftchen, das in dieser neuen Ausgabe auch sehr, nett ausgestattet ist, nicht besser charakterisiren, als indem wir das Vorwort zu beiden Ausgaben hier Herstellen. „Rabbi Salomo A l ° a m i,. ein Zeitgenosse des Rabbi Simon Duran (y'httn), war Zeuge der blutigen Verfolgungen, deren Opfer die Juden Cataloniens , Castiliens und Aragoniens im Jahre 1391 waren (s. Juchasin 133d sä. Krakau; Jost, Geschichte der Juden VII, 54 ff.), und die schweren Leiden, die sein Volk trafen, beugten ihn nicht zu Boden, sondern regten seinen Geist zum Nachdenken an, kräftigten sein sittliches Bewußtsein, erfüllten ihn mit einem Feuereifer und machten seine Lippen beredt, um mit prophetischer Begeisterung ein Sittengemälde seiner Zeit zu entwerfen und den Verfall der edlen und schönen Seiten des jüdischen Lebens zu schildern. So entstand dieses Sendschreiben, das nicht blos ein wichtiges Actenstück der Leidens- und Sittengeschichte der Juden bildet (vgl. S. 23 über Josef JbnMnin, den Schüler Maimuni's), sondern die herrlichsten Lehren für alle Claffen der Gesellschaft enthält, die jedermann seinem Herzen tief einprägen soll. Aus ihm mögen die Reichen, die Angesehenen, die Gelehrten, die Kaufleute, die Rabbiner, die Vorsteher; die Reformer und die Pilpulheroen lernen, welche Aufgaben das Judenthum seinen Bekennern stellt! Wenn aber der Verfasser seine Zeit mit schwarzen Farben darstellt, „so bleibe dies" — wie Zunz (Wiener Jahrb. IV, 81) bemerkt — „ein schönes Zeugniß für das Judenthum, daß es niemals seine Bekenner hat in der Irre gehen lassen, daß wir in seinen Lehren stets die Mittel und den Muth zum Zurechtweisen gefunden haben." Möge es ebenso vie Beherzigung wie Leser finden! — Die vorliegende zweite Ausgabe enthält mehre bessere Lesarten und Ergänzungen nach der unter dem Titel nn^inn n-i2N und unter dem Namen Salomo ben Lachmi's in Venedig 1712 in 8. erschienenen Edition, welche der selige L. Rosenthal in Hannover besessen hatte, und nach den Citaten in „Or ha-Chajim" von Joseph Jaabez und in Reggio's „ha- Thora weha-Philosophia" x. 85. Vergl. Kerem Chemed IX, 44 ff. Auch habe ich, zur Vervollständigung des Sittengemäldes der spanischen Juden, mehre Auszüge aus den Schriften spanischer Juden am Schlüsse hinzugefügt. Ueber die verschiedenen Editionen dieses Sendschreibens siehe Steinschneider, Oxf. Katalog Nr. 6893 mit der Berichtigung, daß das alm an zische

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