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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-08-27 · Heft 35 (27.8.1872) · p. Seite 700

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 35 (27.8.1872)
Date
1872-08-27
Page
Seite 700 (sequence 18)
Language
German
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oL die Frau heißt Christine, sie hat mir nix gesagt, ich hob' sie nix gefragt. Richter: Der Frau dieses Herrn (auf den Angeklagten zeigend) haben Sie eine Gans verkauft? — Aron K.: Der Herr sogt, es is seine Frau, was waß ich, vielleicht ja, vielleicht nicht, was geht's mich an, wer mir zohlt, dem verkauf ich. Richter: Aber geben Sie doch endlich auf die Frage, ob Sie eine Gans verkauft haben, Antwort mit Ja oder Nein. — Aron K.: Eu Gnoden, ich müßt sogen a Lug, wenn ich saget Nein, ich hob' verkauft a Gans, a Pracht, de schönste Gans aus alle heraus um 4 fl. 5 V kr., weil die Gnädige Hot gesogt, sie braucht's am Namenstag für ihren Mann. Richter: Die Frau wollte Ihnen die Gans später zurückgeben, Sie haben sie aber nicht zurückgenommen? — Aron K.: Eu Gnoden, wenn Sie wären a Jüd, möchten Sie sehen, daß ich hob' nix gekönnt zurücknehmen die Gans. Richter: Weßhalb konnten Sie die Gans nicht zurücknehmen? — Aron K.: Nach dem Talmud war sie nix mehr koscher, sonst hätte ich sie g'nummen zurück gleich, so wahr ich Aron heiß. Richter: Es entstand ein Streit? — Aron K.: Ich hob' nix gemacht ein Streit, ich hob' gesprochen ganz fein und mit Manier, aber die Gnädige Hot mich gehaßen a Saujüd, verzeihen Eu Gnoden, is dos schön von einer Gnädigen, ich zohl' meine Steuer und Abgaben; wie heißt a Saujüd? Richter: Sie haben zurückgeschimpft? — Aron K.: Ich weiß nix gewiß, aber ich mein', ich werd' nix sein stad gewest, wie sie mich hat einen Saujüd gehaßen. Richter: Es wird dies von Zeugen behauptet, und die Frau hatte weinend ihrem Manne erzählt, daß Sie sie Luder, Sau rc. geschimpft haben. — Aron K.: Ich kann nix streiten, vielleicht ist es wahr, vielleicht nicht, vielleicht irr' ich mich, vielleicht irren sich die Leut'. Richter: Die Frau ging fort und dann kam, eine Stunde später, ihr Gatte, Herr Anton L. — Aron K.: Eu Gnoden, ich staun', wie gut Sie sich Alles gemerkt haben, Sie derfeten dabei gewesen sein. Ritter: Herr Anton L. forderte die Gans, Sie zeigten'ihm die Gans, er nahm diese und schlug Ihnen dieselbe an den Kopf. — Aron K.: Wenn ich jetzt noch daran denke, schießt es mir schwarz vor die Augen. Richter (zu dem Geklagten): Was haben Sie zu dieser Klage zu bemerken? — Anton L.: I wüßt nöt, wos i zum sogen hält' , es ist beiläufti so, wie 's vorkumma is. Richter: Sie werden aber doch einsehen, daß das keine Manier ist,' einen Menschen so zu behandeln. Aron K. (einfallend): So benemmt sich « Master! Pitz Kapora, host de gesehen? Richter: Bleiben Sie jetzt ruhig! — Aron K.: Hob ich denn wos g'sogt? Richter (zum Geklagten): Sehen Sie nicht ein, daß Sie gefehlt haben? — Anton L.: Jo, 's is wohr, es war ung'schickt von mir, aber i muß sogen, es ist in der Rasch g'schehen, i bin in an Zürn hinein g'lofen, weil mei Frau wanender hamkummen is. Richter: Wenn Sie einsehen, daß Sie Unrecht gethan, würden Sie sich nicht bereit finden, den Beleidigten um Verzeihung zu bitten? — Anton L.: Jo, i man, dös is ka Schand; wenn sich der Mensch übereilt und bereut's, konn er's a eing'steh'n. Richter: Herr Aron K.! Sie hören, der Herr Geklagte bereut, Sie beleidigt zu haben, und bittet Sie um Verzeihung, geben Sie sich damit zufrieden? — Aron K.: Offen gesogt, der Herr hot mich gemißhandelt, ich wor sehr bös, aber wie ich ihn hob gehört jetzt reden, hob ich gesehen, er is sunst a ganz rarer Mann, ich thäi ihm verzeihen, wenn er mich bitt', aber es is nix do, Niemand von meine Leut', man wird mir nix glauben, daß er mich Hot gebitt', und man wird mich auslachen. Richter: Um diese Bedenken zu beseitigen, werde ich die Erklärung des- Geklagten zu Protokoll nehmen und Ihnen eine Abschrift des Protokolles geben. — Aron K. (seelenvergnügt): Gott, was sind Eu Gnoden für ein gescheiter Mann; die Schrift heb' ich mir mein Lebtag auf zum Andenken. Die Parteien reichen sich die Hände, der Richter erklärt die Verhandlung für beendet und gestattet dem Kläger und dem Geklagten, sich zu entfernen. Aron K.: Eu Gnoden, wo ist die Katz, wo ist das Fleisch? Richter: Was wollen Sie damit sagen? —Aron K.: Die Schrift? Richter: Die werden Sie bekommen. — Aron K. entfernt sich und sagt: Ach wieder a Zeitgeschäft, wär mir lieber gleich bar, host de gesehen. Auf ein „Brvdokoll" muß man warten, daweil denkt man gpr nit mehr dran. Hätt' ich dos gewußt, hätt' ich den Vergleich auch warten lassen, jetzt hob ich daweil nix wie die Schläg'. - Der Amtsdiener beruhigt den Juden, und verspricht ihm, bald die Abschrift zu bringen. Aron K. sagt: A Present werden Se bekommen, was sich gewaschen hat, (N. Fr. Pr.)

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