Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1872)
- Date
- 1872-08-27
- Page
- Seite 692 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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diesen Tagen einen Beschluß gefaßt, der ihr zur Ehre gereicht. Sie will nämlich die Büste des viele Jahre in Arad wirkenden Rabbiners Aron Chorin, der sich um den Fortschritt und die Aufklärung unter den Juden in Ungarn große Verdienste erworben Hat, von einem bewährten Künstler aus carrarischem Marmor anfertigen lassen. Die Büste soll im Landesmuseum aufgestellt werden — trotz des perfiden Urtheils, das der neueste jüdische Geschichtsschreiber über ihn gefällt hat. Prag, 6. August. (Privatmitth.) Bei Gelegenheit der an den Juden in Rumänien verübten Gräueltaten hat die czechische Presse sich wieder einmal in ihrer wahren Gestalt gezeigt, indem sie die von der ganzen gebildeten Welt als einen Schimpf der Civilisation gebrandmarkten Schandtaten nicht nur zu beschönigen , sondern sogar zu rechtfertigen suchte. Zu dem Zwecke wurden die Juden überhaupt mit allerhand Schmähungen, Verdächtigungen und Beschuldigungen überhäuft, vornämlich aber die rumänischen Juden zu einer „Colonie von Verbrechern" gestempelt. Auch das czechische Organ des Cardinals Schwarzenberg, der „Czech", ist von solch christlich liebevoller Gesinnung gegen ditz Juden beseelt, indem es dieser Tage schrieb, daß die östreichische Regierung sich doch nicht so erniedrigen werde, sich für die rumänischen Juden bei der rumänischen Regierung zu verwenden. In den Augen des frommen, demuthsvollen Kirchenfürsten ist also die Inschutznahme von unschuldig Verfolgten und Mißhandelten eine Erniedrigung! Schöne christliche Liebe und Demuth das! Man sieht, daß 'die Czechen und Klerikalen, welche, obschon momentan Bundesgenossen, doch ganz verschiedene Ziele verfolgen, im Puncte des Judenhasses gleichen Sinnes sind. 'Zum Glücke haben sowohl diese als jene in der letzten Zeit bedeutende Schlappen erlitten, so daß wir uns vorläufig vor ihnen nicht zu fürchten brauchen. Traurig aber ist es, daß Juden so ehrvergessen sein können und sich als journalistische Handlanger von der czechischklerikalen Partei gebrauchen lassen. So giebt der ehemalige Redacteur der im „Satan" entschlafenen „Gegenwart", welche, so lange sie bestand, von Lehmann und Hildesheimer protegirt wurde, nunmehr unter Protection von Rieger und Palacky ein Witzblatt mit Namen „Satan" im czechischen Interesse heraus. Daß iw „Satan" zur Erheiterung von Gevatter Schneider und Handschuhmacher gemauschelt wird, kann bei diesem Witzblatte nicht Wunder nehmen. Leider bin ich in der Lage, noch über eine andere, von einigen hiesigen Juden begangene Charakterlosigkeit zu berichten. Es hat sich hier ein Wagnerverein gebildet, dessen Zustandekommen zum großen Theile Juden verschuldet haben. Möglich, daß die guten Leute gar nicht wissen, daß der Zukunftsmusiker „das Judenthum in der Musik" geschrieben hat; denn sonst würden diese Wagnerenthusiasten sich vielleicht gehütet haben, die von ihrem Herrn und Meister gegen die Juden im allgemeinen gerichteten Schmähungen wenigstens in Bezug auf sie als nicht ganz grundlos erscheinen zu lassen. Um mit etwas Gutem zu schließen, sei bemerkt, daß die Zahl der jüdischen Schüler an den öffentlichen Mittelschulen in dem so eben abgelaufenen Schuljahre an 600 betrug. Es dürfte dies mehr als der vierte Theil der Gesammtzahl der Schüler sein, während die hiesige jüdische Bevölkerung ungefähr den zwölften Theil der Gesammtbevölkerung ausmacht. Selbstverständlich werden von Juden Anstalten mit deutscher Unterrichtssprache besucht. So befanden sich am kleinseitner Gymnasium (deutsche Unterrichtssprache) unter 587 Schülern 235 Juden, am altstädter Gymnasium (czechische Unterrichtssprache) im Ganzen 5 Juden. Der Religionsunterricht wird den jüdischen Schülern vom Herrn Rabbiner M. Adler in 16 Stunden wöchentlich ertheilt. Die Schüler gleicher Classen der verschiedenen Anstalten werden zusammen unterrichtet, so daß jede Classe zwei Stunden in der Woche Religionsunterricht hat. Donausürstenthümer. Bukarest, 6. Aug. Wir hatten bis jetzt die Verhaftung des Herrn I. Lichtig, Administrators der „Rumänischen Post" , nicht erwähnt, weil wir sie für etwas Persönliches erachteten. Die Dinge stellen sich aber jetzt anders, und darum ist sie als charakteristisches Zeichen nicht ganz zu übersehen. Die „Rumänische Post" ist ein Blatt, welches durchaus dem Fürsten Karl, seiner Regierung und dem rumänischen Staate ergeben ist und das Wort für sie führt, zugleich aber auch mit der größten Entschiedenheit für die Gleichberechtigung der Juden und gegen alle Mißhandlungen