Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1872)
- Date
- 1872-08-27
- Page
- Seite 693 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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der letzteren kämpft. Es ist nicht zu verkennen, daß durch sie die scheußlichen Vorgänge der letzteren Zeit am meisten an das Licht gezogen und der civilisirten Welt bekannt gegeben wurden. Dies macht dieses Blatt natürlich den Machthabern und Parteigängern Rumäniens auf's tiefste verhaßt. Vor kurzem brachte es eine Notiz über einen Präfecten, der sich auf der Eisenbahn schmählich benommen hatte. . Deshalb wurde der Administrator der, „Rumänischen Post" gefänglich eingezogen, und obschon die Thatsache durch Zeugen erwiesen und nur der eine Umstand irrig war, daß es kein Präfect, sondern ein Supräfect gewesen, will* man den Herrn Lichtig auch nicht einmal gegen Caution, wie das rumänische Gesetz bestimmt, der Haft entlassen. Das desfallsige Decret des Richters ist charakteristisch genug, um hier einen Platz zu verdienen. „Wir Ioan Z. Kretzeano, Untersuchungsrichter rc. Mit Bezug auf das Gesuch des Bezüchtigten I. Lichtig, gegen Caution freigesetzl zu werden.- In Anbetracht, daß I. Lichtig beschuldigt ist, durch die Zeitung „Rumänische Post" vom 19. Juli, n. St., einen hohen rumänischen Beamten verläumdet zu haben; In Anbetracht, daß bei dem Verhöre derselbe sich zu der Autorschaft des verläumderischen Artikels bekannt hat; In Erwägung, daß er, indem er eine solche verläumderische Nachricht veröffentlichte, nur die Absicht hatte, Verachtung auf hohe rumänische Beamte und folglich auf die Regierung zu werfen; Daß dies namentlich schon daraus erhellt, daß der Artikel in einem Blatte erschienen ist, das bestimmt ist, dem Auslande alles, was im Lande vorgeht, zu erzählen, und das immer die größten Belei-, digungen und Verläumdungen aufdasLand sowohl als auf die Negierung wirft und sich so von der Pflicht eines ernsten und gewissenhaften Journales entfernt: Verordnen: Das Gesuch auf Freilassung gegen Caution wird verworfen." Andererseits haben wir heute etwas Erfreulicheres zu melden, freilich nur von der negativen Seite er-' freulich, da es doch an sich wiederum nur die traurigen Zustände Rumäniens bezeugt. Der Richter Stürza in Bakau hatte im vorigen Jahre den Juden das Recht abgesprochen, sich vor Gericht selbst zu vertheidigen; jetzt legt derselbe den Juden den längst abgeschafften Eid more judaico auf. Auf einen Bericht des Justizministers ist dieser Richter von seinem Posten entfernt worden. Der Justizminister reinigt übrigens auch anderwärts den Richterstand von seinen unsau- Lern Elementen, und dies wird für das Land eine große Wohlthat sein. — .12, Aug. Von hier wird gemeldet: „Wie verlautet, steht die Entlassung des Ministers Kostaforu bevor. Rußland hat sich über ihn beschwert wegen gewisser das Petersburger Cabinet verletzender Aeußerungen, die er in der Kammer bei Gelegenheit der Debatte über die Judenverfolgung in Rumänien gethan hat." ' „ (Bekanntlich hatte der Minister deutlich zu verstehen gegeben, daß die Unruhen auf Jntriguen russischer Agenten zurückzuführen seien. Kostaforu hat sich viel zu Schulden kommen lassen — mit dem Maße seiner Vorgänger gemessen, war er der bessere.) Rußland. SL. Petersburg, Anfang August. (Privatmitth.) Dem „Regierungsanzeiger" zufolge hat der Kaiser auf Grund der diesbezüglichen Vorschläge des Ministers für Volksaufklärung dem Kaufmann erster Gilde, Herrn Efron, Vorsteher der jüdischen Bezirksschule ersten Ranges zu Oschmianh, eine goldene Medaille, sowie dem Kaufmann zweiter Gilde, Herrn Goldberg, gleichfalls Vorsteher einer israelitischen Elementarschule, eine silberne, beide mit der Aufschrift „Für Eifer" für ihre Verdienste um das jüdische Schulwesen verliehen! — Auf Vorstellung des Ministers des Innern ist Herr Abraham Schorr, Mitglied des Magistrats zu Alexandrja, für seine dem allgemeinen Wohle gewidmeten Dienste vom Kaiser durch Verleihung einer silbernen Medaille mit der Inschrift „Für Eifer" ausgezeichnet worden. — Bei der durch den Großfürsten- Thronfolger vorgenommenen Grundsteinlegung der Handwerkerschule, einer dem Andenken des verstorbenen Kronprinzen gewidmeten Humanitätsanstalt in großartigem Stile, hatten auch einige dem Baucomits ungehörige Israeliten, nämlich die Herren Commercienrath