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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-08-27 · Heft 35 (27.8.1872) · p. Seite 691

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 35 (27.8.1872)
Date
1872-08-27
Page
Seite 691 (sequence 9)
Language
German
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Der bisherige Tempel auf der Wallstraße im Storchgebäude soll nichts desto weniger auch fernerhin als Gotteshaus benutzt werden, ja sogar Predigten sollen in demselben abgehalten werden, was bisher nur in einem Gotteshanse bei uns geschah. Als Prediger für dies zweite Gotteshaus soll Dr. I. Guttmann, Lehrer cur der hiesigen Gemeindereligionsschule, bestimmt sein. Oesteneichischungarische Monarchie. Wien, 10. August. Sicherlich verdient, wenn wir auf die Vergangenheit Oeftreichs und die Tendenzen zurückblicken, die es vertrat und in seiner Regierung mit unerbittlicher Consequenz verwirklichte, das folgende Factum die Worte, mit denen die N. fr. Pr. es begrüßt. . Wir sind in der Lage, von einem Acte der Regierung Mittheilung zu machen, der sicherlich in den wissenschaftlichen und freisinnigen Kreisen Oeftreichs mit wahrer Befriedigung ausgenommen werden wird. Auf den durch Aschbachs und Jägers Abgang erledigten Lehrstuhl der Geschichte an der wiener Universität ist Professor Max Büdinger in Zürich berufen und leistet dem Rufe Folge. Wiederholt schon hat im Laufe der Jahre die wissenschaftliche Welt in Oestreich ihr Augenmerk auf Büdinger gerichtet, die Berufung dieses . Gelehrten nach jenem Lande gewünscht t dessen Geschichte er zum Gegenstände der seinen wissenschaftlichen Ruf begründenden Studien gemacht, und der mit den Ergebnissen seiner wissenschaftlichen Forschungen sogar einmal in die politisch - nationale Bewegung unseres Vaterlandes in markanter Weise eingegriffen hat: wir meinen seine bekannten Streitschriften gegen die -Aechtheit der königinhofer Handschrift. Aber so oft sich auch der Ruf nach Büdinger erhoben hatte, immer prallte er ab an der Engherzigkeit der leitenden Kreise, welchen eine unbefangene und freimüthige Geschichtsanschauung ein Gräuel war, wozu noch kam, daß im gegebenen Falle die „Unmöglichkeit" durch das religiöse Bekenntniß des Geschichtsprofessors potencirt wurde — denn Büdinger ist Jude. Daß solche auf Kosten der Wissenschaft gehegten Vorurtheile endlich überwunden wurden, ist ein erfreulicher Fortschritt auf der Bahn zur geistigen Freiheit und gereicht der Regierung und namentlich. dem Fachminifter, die diesen Act herbeige-' führt haben, zur Ehre. Büdinger der Nachfolger des i Monsignore Jäger auf dem Lehrstuhle der Geschichte in Oestreich — prägnanter läßt sich der Abstand zwischen einst und jetzt wol nicht fassen. Einige biographische Mittheilungen über Büdinger mögen hier noch einen Platz finden. Max Büdinger, der Sohn eines Lehrers, *) ist geboren zu Cassel am 1. April 1828 und bezog 1847 die Universität Marburg, um sich philologischen und historischen Studien zu widmen, setzte dieselben zu Bonn und Berlin fort, promovirte im Jahre 1851 und habilitirte sich noch im selben Jahre als Privatdocent zu Marburg. Bald darauf wendete er sich jedoch nach Wien, um sich hier historischen Studien hinzugebem Im Jahre 1861 wurde er als ordentlicher Professor der Geschichte an die Universität Zürich berufen, wo er seither verblieben ist und auch einmal zum Rector gewählt wurde., Seinen Ruf als Geschichtsforscher hat Büdinger, wie gesagt, durch seine Arbeiten über die ältere Geschichte Oeftreichs begründet. Nachdem er in den Sitzungsberichten der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, sowie in der „Zeitschrift für die östreichischen Gymnasien" eine Reihe hieraus bezüglicher Abhandlungen veröffentlicht hatte, faßte er die Resultate seiner Forschungen in dem Hauptwerke: „Oestreichische Geschichte bis zum Ausgange des dreizehnten Jahrhunderts" zusammen, welches im Jahre 1858 erschienen ist. - In Verbindung mit diesen Arbeiten stehen die um ein Jahr früher erschienenen Schriften: „Zur Kritik der altbaierischen Geschichte" und „Zur Kritik altböhmischer Geschichte." Im Jahre 1866 erschien von ihm „Ein Buch ungarischer Geschichte vom Jahre 1058 1100". Daneben beschäftigte ihn auch das Studium der englischen und der ältesten russischen Geschichte. Seine berühmten Streitschriften über die königinhofer Handschrift, durch welche er eine der bestverläumdeten Personen bei den Czechen geworden ist, heißen: „Die königinhofer Handschrift und ihre Schwestern" und: „Die königinhofer Handschrift und ihr neuester Vertheidiger"; sie fallen in die Jahre 1859 und 1860. Arad, 7. Aug. (Privatmitth.) Die Repräsentanz der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde hat in : *) Sohn des als Seminarlehrers und Verfassers, won Schriften zum Religionsunterricht > der Jugend in -rühmlichemAndenken stehenden Herrn Moses Büdinger.

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