Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1872)
- Date
- 1872-08-27
- Page
- Seite 690 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener wird in allen Ehren quiescirt/ünd - sein -Nachfolger ist bereits so gut wie gewählt. in Berlin Hier werden mit Gesuchen von Gemeinden nach Lehrern' überbaust, können aber dem Bedürfniß nur in geringem Maße genügen. , Berlin, 11. August. Die „Voss. Ztg." will wissen, daß man im Ministerium ernstlich daran denke, im nächsten Landtage die pure Aufhebung des Judengesetzes vom 23. Juli 1847 zu beantragen. Es scheint uns diesabermals nur ein Fühler zu sein, welchen gewisse Radicale, in Verbindung mit den tzochorthodoxen in die Luft ausstrecken. . Straßburg, 11. Aug. (Privatmitth.) Principiis obstal Auch hier beginnt das konfessionelle Fieber wön Regierungs Seiten wieder zu pulsiren. Am ersten Oktober wird ein „Seminar für katholische Lehrerinnen" errichtet werden. Wie so kömmt man hierzu, da die Seminare für Lehrer konfessionslos sind? Man rechtfertigt dies damit, daß ein ftistungsmäßiges Seminar für evangelische Lehrerinnen bereits besteht. -Diese Rechtfertigung ist nicht stichhaltig; denn wenn -der Staat einmal principiell confessionslose Lehranstaltenzu errichten hat,' so darf er nicht davon abweichen. Er hatte es dann den evangelischen Lehraspirantinnen zu überlassen, ob sie das Stiftsseminar oderdas öffentliche Seminar besuchen wollten. Es geschieht also aus Connivenz für die streng katholische Richtung, daß ein besonderes katholisches Seminar gegründet und hiermit die Möglichkeit gemeinsamer Ausbildung wieder beseitigt wird. Wohin aber diese Connivenz für den orthodoxen Cönfessionalismus den - Staat gebracht hat, könnte er allenfalls jetzt begreifen. .Diesen neuesten Anfängen gegenüber kann man an 'die Aufrichtigkeit der principiellen Wendung, sowie an die wirkliche Lösung irgend einer Frage nicht -glauben. Dies wissen'auch die Extremen recht wohl, und meinen, je weniger sie nachgeben, desto weniger wird ihnen, genommen. Die gewichtige Lanze bedarf beim Stoße keiner Spitze, um tüchtigen Schaden, zu thun; das bloße Abbrechen einer Spitze ist deshalb noch lange keine Entwaffnung. Hannover, 15. Aug. (Privatmitth.) Wenn durch eine unberufene Feder, hier jüngst ein Zwist aüszubrechen drohte, so ist dies durch gegenseitige Verstärk digung beseitigt worden: Herr Oberlehrer' Dr. M. ' Breslau, im August. (Aus" der „Wahrheit.") Zum 1. October wird das neue Johannesgymnasium als erste confessionslose Mittelschule hier eröffnet werden. Unter den bereits designirten Lehrernbefindet sich in der That auch einer unserer Glaubensgenössen, Dr. Warschauer. In den Schulangelegenheiten habe ich Ihnen auch sonst noch manches Angenehme, zu berichten. An unseren Mittelschulen sind nämlich für. die israelitischen Schüler gar keine- Vorkehrungen zum Religionsunterrichte getroffen. Mit Ans nähme - der Schule zum Zwinger , wo der Direktor Kletke von jedem jüdischen Schüler verlangt- -daß er von einem jüdisch'theologifchen Seminaristen Religionszeugniß besitze, kümmerte sich keine Anstalt um den jüdischen Religionsunterricht, und selbst das ElisabethgymNasium, das fast zu zwei Drittheilen /aus jüdischen Schülern besteht, that in dieser Beziehung nichts. An der höheren Töchterschule zu Maria Magdalena war die dort obligate Religionslehrerstelle - durch den Tod des Dr. I. Levy auch freigeworden, so daß es um diese Angelegenheit recht schlimm aussah. Da machte der Dr. Fickert den ersten Anfang eine Ghmnasialreligionslehrerstelle zu begründen, indem er es Leim Provincialschulcollegium durchzusetzen wußte, daß eine Lehrerstelle für jüdische Religion und Bibelkunde am Elisabethanüm begründet wurde. - Eigentümlich genug ist, daß einige Repräsentanten den Liberalismus des Herrn Dr. Fickert dadurch übertreffen wollten,- daß.sie auf sein Verlangen, ihm einen Candidaten des Amtes vorzuschlagen, erklärten, daß auch ein christlicher Lehrer den Unterricht ertheilen könne. iM I!) Trotzdem wurde Herr Dr. Badt, Zögling des hiesigen jüdisch-theologischen Seminars, der während des Krieges schon Un-, terricht am Elisabethgymnasium ertheilt hatte, als Religionslehrer für die israelitischen Zöglinge dieser Anstalt berufen. Demselben Herrn-wurde auch die Nachfolge des Herrn Professor Levy an -der höheren Töchterschule auf der Taschenstraße übergeben. . Der neue Tempel,-an dem nun schon im achten Jahre gebaut wird, und der nach außen bereits? als herrliche Zierde unserer Stadt vollendet ist, wird, zu den bevorstehenden hohen Feiertagen auch im Innern vollendet sein und der Gottesdienst an' den 'hohen Festtagen bereits indemselben - abgehalten 'werdey.