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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-08-27 · Heft 35 (27.8.1872) · p. Seite 684

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 35 (27.8.1872)
Date
1872-08-27
Page
Seite 684 (sequence 2)
Language
German
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häufig in den großen Flecken zusammen, in decken sie ihre festen Wohnungen neben einander zu errichten pflegten. Liese Ließen ste jedoch ohne MaueM und- Lallten schlechte Hütten, um sie ohne grüßen Verlust verlassen zu können, wenn ihr Mangel an Stätigkeit sie weiter umher trieb.*) So kam es denn, daß die Römer in verhältnißmäßig kurzer Zeit, und später der germanische Stamm der Franken das Land erobern und die Gallier sich unterwerfen konnten. — Ein vollständiges Gegenbild bieten die Israeliten, die fünfzehn Jahrhunderte ihr Land' besitzen, und wenn auch nicht von Zeit zu Zeit die Herrschaft, doch das Eindringen der Fremden in Land und Volk zurück zu weisen vermochten. Das kann kein träges, der Arbeit abgewandtes, der Viehzucht und dem Handel mit Vieh ergebenes Volk. Blicken wir nun zugleich auf'die verhältüißmaßig außerordentliche Bevölkerung des kleinen Landes, das durchschnittlich ungefähr 10,000 Einwohner auf die Quavratmeile faßte: so weiß jedermann, daß dies nicht bei der Viehzucht, sondern nur bei dem angestrengtesten Ackerbau möglich war. Die Mosaische Gesetzgebung nimmt daher auf die Viehzucht viele Rücksicht, wendet über ihre hauptsächliche Aufmerksamkeit dem Ackerbau zu, und stellt auf diese« alle ihre Einrichtungen' Md Institutionen.**) Ihr offenbarer Zweck ist, von der Viehzucht das Volk zum Ackerbau überzuleitettt Als die Stamme Rüben und Gav das Land jenseits des Jordans zu erhalten wünschten, machten sie besonders geltend / daß gerade jene Landstriche -für die Viehzucht große Vortheile böten, und in diesem Sinne wurden sie ihnen gegeben; wie hätten sie dies gekonnt, wenn Nicht düs Land diesseits des Jordans als nur für den Ackerbau püfleNd anerkannt gewesen wäre? Im Gegetttheil läßt sich aus vielen Stellen der heiligen Schrift die große Achtung erkennen, in welcher der Ackerbau bei den Israeliten stand. Als Saul bereits zum Könige gewählt war, pflügte er mit seinen Rindern (1 Sain. 11, 5); in derselben Beschäftigung trifft den Elischa der Beruf zuck PropheteNthume (1 Kön. 19,19). Der König Usflja beförderte den Ackerbau aus besonderst Vorliebe (2 Ehr. 26, 10); im Lobe der Frauen wird dw Förderung des Ackerbaues ganz besonders» hervvrgchobe'N (Spr. 31, 16); endlich ein einziger Aus- *) Mommsen, Römische Geschichte (Z.,Aufl.) I 315. — L. Contzen, Wanderungen der Kelten, Leipzig, 1661. S. 74. 78 f. — Ed. Arnd, ürsprung und Entwickelung des französischen VöM, Th. l, Leipzig 1844, S. 66, **) S. Michaelis, mvsüischeS Recht l. 249 ff. fpruch des Jesajas (28, 27) erweist die Ausbildung und Mannichfaltigkeit des Ackerbaues "sowie der Werkzeuge, welche bei demselben angewendet wurden. In dem großen Handelsgemälde, welches der Prophet Ezechiel im 27. Capitel vom Markte zu Tyrus entwirft, kommen Juda und das Land Israel nur mit Producten des Ackerbaues vor, mit Weizen, Backwerk, Honig, Oel und Balsam (V. 17. Das yn in V. 19 ist nicht Dan, sondern Vedan in Arabien). Wir glauben daher mit Grund annehmen zu können, daß unser französischer Autor in dieser seiner Ansicht allein bleiben wird. Wir können selbstverständlich ^dem Verfasser nicht in alle Details folgen, und specielle Ansichten bekämpfen. Er findet in dem Gesetze vom siebenten Jahre viel Schaden für den Ackerbau, ohne doch wohl zu bedenken, daß die gesetzliche Einrichtung eines Brachjahres für jene Zeiten von entschiedener Wichtigkeit gewesen sein muß; das Volk folgt nicht immer dem, was sein eigner Nutzen verlangt, und noch heute z. B. bedürfen wir des Gesetzes für die Schonzeit. Dabei war das siebente Jahr als Brach- und Erlaßjahr ein unentbehrliches Glied im ganzen socialen und ökonomischen Systeme. Wenn der Stier, der in der Wuth einen Menschen getödtet hatte, getödtet werden sollte, so kann man doch daraus nicht schließen, daß Moses dem Stiere eine verantwortliche Seele zugeschrieben habe, sondern daß Thiere, die von der Wuth ergriffen sind, zur Verhütung weiteren Schadens getödtet werden müssen. Was hier vom Stiere gesagt wird, gilt natürlich von allen Thieren. Nicht unbegründet ist es, daß der Verfaffer den Israeliten eine bedeutende Entwickelung der Handwerke und Künste nicht zuschreibt. Sehr viele gewerbliche Thätigkeiten wurden im Hause - selbst vorgenommen, wie Arbeiten in Holz, das Backen, Weben, Wirken, Verfertigen der Kleider. Jndeß gab es auch schon frühzeitig Gewerbe, die von Personen, die keine Sklaven waren, handwerksmäßig betrieben wurden; so gab es Gold- und Silberarbeiter, Eisen- und Kupferschmiede, Zimmerer und Tischler, Steinmetze, Töpfer, Schlosser und Walker, in größeren Städten Bäcker, Barbiere u. dgl. Die Handwerke und Künste standen bekanntlich, besonders nach dyn Exil, in großer Achtung. Schon der Psalmist lobpreist den, der von seiner Hände Arbeit lebt; im Talmud wird der einem Räuber gleichgestellt, der seinen Sohn keine Profession erlernen läßt , und Handwerk, Bildung, ja Gelehrsamkeit wurden für vereinbar gehalten; einige Talmudweise erhielten von ihrem

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