Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1872)
- Date
- 1872-08-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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l l gemeine JfcP 33» Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiis<E)es Organ für alles Wische Jntereffe. HerauSgeg eben von . Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn Leipzig, den 27. August 1872 »«RAmtfiA einmal DienstaaS. in 2 bis 21/» Bogen. Preis de« Jahrgangs 4 Thlr. Halbiährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. 5ln!era^ werben mii 2 Rar für die Petitzelle ober deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS-Expebitionen nehmen Bestel- Iuserate «erden h-t sich daS Äönigl. Sachs. Hanpt-ZeituvgS-Burean unterzogen. Z n h a l t. Leitende Artikel; Die Nationalökonomie der Juden. M — Literarischer. Wochenbericht: Berlin. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Berlin, Straß- Lmg, Hannover, Breslau. — Oesterreichrsch-ungarische Monarchie: Wien, Arad, Prag. — Donaufürstenthümer: Bukarest. — Rußland: St. Petersburg. Feuilleton- Beilager Ein Sittenbild aus Wien. — Aegyptologisches. — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, 18. August. Die Nationalökonomie der Juden, ui. Der Jnihum, den Herr Du Mesnil-Marigny dadurch begangen , daß er die Israeliten in Palästina mehr der Viehzucht als dem Ackerbau, und selbst Moses der -ersteren mehr als dem letzteren , zugeneigt glaubte, greift zu tiefin die Beurtheilung. der' Verhältnisse und des Gesetzes ein, und giM zu viele Vorurtheile für die letztere her, als daß wir nicht noch etwas näher darauf eingehen müßten. . Man weiß , wie in unsrer Zeit Be- Hauptungen, welche, bisherigen: Ansichten entgegen laufen,, mit^ Eifer aufgegriffen werden und' sich schnell eine Herr-: schaft erwerben, die sie nicht verdienen, ja durch welche sie der Wahrheit Schaden thun. Die Israeliten waren bis zu ihrem Einzüge in Kanaan Hirten; ihre Väter hatten freilich in Kanaan einigen Ackerbau damit verbunden, ohne jedoch hiermit' ihre 'nvmadisireride Lebensweise ganz? aufzugeben; auck in Aegypten waren sie Hirten, wahrscheinlich mit einigem Ackerbau; in der Wüste hingegen war^ eine, ganze Generation wieder völlig ohne Ackerbau aufgewachsen. Die Eroberung des Landes, die Niederlassung in festen Städten, in Dörfern und Weilern, mit Häusern und längst urbar gemachten Feldern, Weinbergen und Obstgärten, mußte eine völlig veränderte Lebensweise herbeiführen, die eines ackerbauenden Volkes, wenn nicht das- Land mit der Zeit eine ganz andere Gestalt hätte annehmen sollen.' Wir wollen Herrn. Du Mesnil-Marigny^den Beweis aus der Geschichte seiner eigenen Vorfahren liefern. Die Gallier, ein Stamm der Celten, hatten daß jetzige Frankreich eingenommen und die Iberer daraus verdrängt. Aber das ruhige, mühsame Geschäft , des Ackerbaues machte' den Galliern keine Freude. Sie brachen nach allen Seiten wieder aus und schickten ihre Stämme nach Spanien und Italien, und selbst nach Böhmen. Aber auch hier: galt es für alle freien Celten als schimpflich, das: Feld zu bebauen. Vielmehr zogen sie es vor, als Hirten und Jäger frei umher zu schweifen. Selbst in den fruchtbaren Poebenen vermieden sie den Getreidebau und trieben sich lieber mit ihren Schweineherden Tag und Nacht in . den Wäldern umher. Dabei waren He dennoch große Freunde der Geselligkeit und kamen deshalb