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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-08-20 · Heft 34 (20.8.1872) · p. Seite 680

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 34 (20.8.1872)
Date
1872-08-20
Page
Seite 680 (sequence 18)
Language
German
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. £Doü Wir sehen also, eS gab im arabischen Heidenthume schon viel Jüdisches. Als daher die Juden zu ihnen kamen, waren sie auch in religiöser Beziehung ihnen nicht fremd. Gleichwohl hüteten sie sich in ihren religiösen Anschauungen sie zu stören, oder ihre eigene Religion ihnen aufzudrängen. Von der Hauptcultusstätte, von Mekka, hielten sie sich gänzlich fern. Wenn man sich ihnen aber näherte und in Religionssachen sie um ihre Meinung fragte, so hielten sie nicht damit zurück. Sie waren unabsichtlich das Haupthinderniß der Verbreitung des Christenthums in Arabien. Denn wenn die christlichen Sendboten, die in großer Anzahl von Byzanz aus hinkamen, schon einen Stamm für ihre Religion gewonnen zu haben glaubten, so beriethen sich Einzelne unter ihnen mit ihren jüdischen Freunden, und diese wiesen die Jrrthümer in den christlichen Glaubenssätzen nach, und mit der Annahme des Christenthums war es nun vorbei. Sie würden aber auch ebenso das Haupthinderniß gegen die Lehre Muhammeds gewesen sein, wenn dieser nicht in seiner Art sie unschädlich zu machen gewußt hätte. Wir können über diesen Stifter der neuen monotheistischen Religion hier nur ein Paar Worte sagen, denken aber ein andres Mal desto ausführlicher ihn zu behandeln. Muhammed, Sohn des Abdallah, aus dem angesehenen Stamme Koreisch, wurde zu Mekka im Jahre 571 nach der üblichen Zeitrechnung geboren.. Seinen Vater, der Kaufmann, aber weder reich, noch angesehen war, verlor er schon als Kind.. Er selbst war schwach und litt an Epilepsie, eine Krankheit, .die man den bösen Geistern zuschrieb. Seine Vettern, die ihn nach einander in ihre Häuser aufnahmen, führten ihn auf ihren Reisen zu Handelsgeschäften durch ganz Arabien und Syrien bis nach Jerusalem mit. In seinem 25. Jahre reichte ihm eine Wittwe, älter als er, in deren Hause er lebte, ihre Hand. Nun war er ein reicher Mann, und konnte sich seinen religiösen Betrachtungen hingeben. Hierin leitere ihn ein Vetter, Waraka Jbn Naufal, der nach einander Jude und Christ geworden und in der Bibel alten und neuen Testaments wohl bewandert war. — In seinem 40. Jahre trat er in seiner Vaterstadt als Prophet auf, nannte sich Gesandten des einzigen Gottes (Rasul Allah), der berufen sei, die Menschen auf den Weg der Wahrheit zu führen. Sinnebezaubernd waren seine Reden und herzgewinnend ihr Inhalt, doch war die Zahl derer, die zuerst an ihn glaubten, nur gering, nur Zehn sollen es gewesen sein, aber der Anfang war gemacht. Das Volk verhielt sich zuerst ruhig; als er aber öffentlich seine Götzen verwarf, wurde es aufgebracht und forderte seinen Tod. Er mußte sich verborgen hallen, mußte fliehen, seine Verwandten wurden in den Bann gethan, feine Anhänger gezwungen auszuwandern, er verlor aber den Muth nicht, sondern trat immer wieder auf's neue auf. In seinem 50. Jahre 621 gelang es ihm . bei feinem Auftreten in Mekka, eine Anzahl Gläubige aus der zweiten Häuptstadt des Landes , Medina, zu gewinnen. Diese bereiteten in ihrer Heimath einen günstigen Boden für seine Lehre, und er beschloß den Schauplatz seiner Wirksamkeit dahin zu verlegen. Seines Lebens in Mekka nicht mehr sicher, entfloh er im September 622, in einem Alter von 53 Mondjahren von da nach Medina. Das ist die berühmte Hidschrah, von welcher gegenwärtig die Bekenner der muhammedanischen Religion ihr I25vstes Jahr zählen. In Medina baute er dem einzigen Gotte die erste Moschee. Mit den vielen, dort wohnenden Juden hoffte er sich zu verständigen; er rechnete stark darauf, daß sie ihn unterstützen würden. Sie ließen sich auch in Unterredungen mit ihm ein. Gegen seine Lehre über Gott konnte kein Jude etwas einzuwenden haben. Die Sittenlehren der Thorah war er bereit anzunehmen, hat sie auch im Koran ihren wesentlichen Bestandtheilen nach beibehalten; daß jüdische Ceremonialgesetz stach im Ganzen nicht so sehr von der arabischen Lebensweise ab,' es hatte sich ein Kompromiß finden lassen. Nur über eine Kleinigkeit kam man aus einander. Muhammed behauptete, in der Thorah stehe von ihm geschrieben. Die Juden brachten die Thorah und sagten, sie fänden da nichts von ihm geschrieben. Da wurde er zornig und machte ihnen den Vorwurf, sie hätten die Stellen in der Thorah, die von ihm gehandelt hätten, ausgemärzt. WaS aber den Bruch zwischen ihm und den Juden unheilbar machte, war die nun alsbald erfolgte Erklärung im Namen Gottes: Alle Menschen, die nicht zum Islam sich bekennen, müssen mit dem Schwerte entweder dazu gezwungen oder getödtet werden. Man kann zugeben, daß Muhammeds Lage derartig war, daß, wenn er mit seiner richtigen Lehre von Gott, mit seiner in den Hauptlehren ganz vortrefflichen Moral bei seinen verwilderten Landsleuten durchdringen wollte, er zu diesem äußersten Mittel greifen mußte. Es ist auch nicht zu läugnen, daß die schrecklichen Kriege, welche von diesem Augenblicke an halb Asien und halb Europa mit Blut tränkten, und als deren erste Opfer die Juden Arabiens fielen, doch auch ein Besörderungsmittel der Cultur wurden; aber es ist aus dem Nationalcharakter der Juden erklärlich, daß sie bei der Anwendung dieses Mittels sich nicht betheiligen wollten. Sie blieben dabei: Ein Mensch darf den andern nicht einmal zur Annahme einer Wahrheit zwingen, das ist einzig und allein Gottes Sache. Die Religion darf nicht ausschließend, sie muß abschließend sich verhalten. Ein Bund von Gleichgesinnten, ein fest geschlossenes Gebäude muß sie sein, mit: einer Thüre versehen, die sich öffnet, um jeden, der da will, hinein oder hinaus zu lassen. Macht sich aber die Religion zur Zwingburg für die, welche draußen, oder zum Gefängniß für die, welche drin sind, so schreckt sie jeden davon ab Einlaß zu begehren, und wenn das Paradies selber darin wäre. , > 7. Es hat sich am Islam , der in der That besser ist als sein Ruf,. schwer gestraft., daß.er. nur durch. Krieg

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