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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-08-20 · Heft 34 (20.8.1872) · p. Seite 672

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 34 (20.8.1872)
Date
1872-08-20
Page
Seite 672 (sequence 10)
Language
German
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es 150 FrcS. / wovon 60 bereits durch eine Collecte gedeckt find, der Rest durch den Verkauf eines Gedenkblattes des Rabbiners Dr. Kahserling in Pest über die gedachte Localität erzielt werden soll. (Man sollte denken , daß es für einen solchen Gegenstand keiner weitläufigen Operation bedürfte, daß es vielmehr eine Kleinigkeit gewesen wäre, wenn einige Mitglieder dieser Versammlung die noch erforderlichen 90 Frcs. zusammengelegt hätten!) ' Den aargauischen Israeliten fehlt immer noch das Ortsbürgerrecht, und aus ein Memorandum des Culturvereins bei dem Bundesrathe ist jener auf die Zeit nach der Bundesrevision vertröstet worden. Die Bundesrevision, ist bekanntlich durchspalten, aber auch die Zeit, die bürgerlichen Rechte der Juden endlich zu vervollständigen, scheint noch nicht gekommen zu fein , und die Petenten werden weiter vertröstet. Erfreulich ist es, daß unliebsame Streitigkeiten, welche wegen der Steuerfrage zwischen den Gemeinden Endingen- Lengnau und solchen Personen, die aus diesen Gemeinden weggezogen, entstanden waren, jetzt ausgeglichen sind. Der Vorstand des Culturvereins hat sich mit der Alliance isra&ite, dem deutschen Gemeindebunde und der Anglo-Jewish Association in Verbindung gesetzt. um für gemeinsame Interessen gemeinsam zu wirken, namentlich zur Beseitigung der Wanderbettelei und! gegen die Verfolgungen in Rumänien. Das größte Verdienst des Vereins besteht in der Ertheilung von Stipendien an Studirende und Handwerkslehrlinge, und da diese sich jährlich mehren, so erweist sich der Zweck, für welchen der Verein gegründet worden, als ein gesunder und lebenskräftiger. Dennoch müssen wir bemerken, daß uns der Rechnungsabschluß nicht befriedigt hat. Die Einnahmen beliefen sich auf 554 fr. 19 c., die Ausgaben auf 370 fr. 40 c. (wovon 307 fr. 50 c. für Stipendien), also ein Cassarest von 183 fr. 79 c. Dies erscheint uns bei so kleinen Summen für einen wohlthätigen Verein ein viel zu großer Ueberschuß; wir würden es angemessener finden, wenn er ein Deficit gehabt hätte, wodurch erwiesen wäre, daß seine Wirksamkeit immer mehr in Anspruch genommen und diesem in freigebiger Weise genügt wird. Das Vermögen des Vereins besteht in 1737 fr. Der verdienstvolle gegenwärtige Präsident des Vereins ist Fürsprech H. Guggenheim aus Baden. TürNi. KöllstantiuoPel, 8. Aug. Das an der asiatischen Seite des Bosporus gelegene, meist von armen jüdischen und griechischen Familien bewohnte Dorf Kuskundjuk ist gestern Abend fast vollständig niedergevraunt. Mehr als tausend Familien sind obdachlos. Donüufllrstenthümer. Bonn, 7. Aug. (Privatmitth.). Die „Rumänische Post" Hai in einer Extrabeilage die Verhandlungen des buzener Schwurgerichtes über die Judenverfolgungen in Kahul in den Sitzungen vom 7. bis 9. April d. I. nach dem stenographischen Berichte gegeben. Es ist nicht möglich, einen Auszug davon zU liefern, durch welchen doch nur das eigenthüMliche Gepräge vetwifcht würde. Daß Mißhandlungen, gräuliche Verwüstungen und Raub im Werthe von Mehr Ms 100/000 Ducaten geschehen sind, haben selbst die Vertheidiger dtzr 56 Angeklagten nicht im geringsten in Frage gestellt. Wie also der Minister Kostaforu in seiner Circularnöte sowie in seinem Pamphlete diese öffentlich constatidteN Thatsachen läugnen kann, ist unglaublich, wenn auch nur für alle diejenigen, welche das Glück haben, niemals in Rumänien gewesen zu sein oder mit Rumänien zu thun gehabt zu haben. Die an den Juden vollbrachten Thatsachen sind also so wenig von den Angeklagten, den Bertheidigern Und den Geschwornen. wie von dem Generalprocurator und deN Richtern geläugnet worden. Die Vertheidiger sagten nün: Seht, diese armen lieben Rumänen, sämmtlich das Kreuz im Busen, über die von den Juden in Ismail verübten Kirchenschändungen erbost, find dennoch ganz unschuldig, denn sie find die Verführten, und die Verführer waren — die Regierung und ihre Agenten. Eine „fremde Person", man wisse wohl schon, wer das sei, sei nach Kahul gekommen, um die Hetze zu organisiren, und Regierungsbeamte hätten die Angeklagten aufgemuntert und angeleitet. Ein Friedensrichter habe einem der Schreier 50 Centimes in die Hand gedrückt — der Generalprocurator sagt, um nach Hause zu gehen, die Vertheidiger sägen, UM. noch mehr Huvrah zu schreien! Auf diesen Vertheidigungsgrund hin haben die Geschworenen, nachdem sie einen Eid geleistet, die Verbrecher für der Thät schuldlos erklärt- . . *

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