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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-08-20 · Heft 34 (20.8.1872) · p. Seite 670

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 34 (20.8.1872)
Date
1872-08-20
Page
Seite 670 (sequence 8)
Language
German
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Rabbinerstand sagen, wenn jemand behauptete, ohne Überwachung seitens des Vorstandes verfalle auch der eifrigste. Rabbiner in Vernachlässigung seines Amtes und Versäumniß seiner Pflichten? DgS.Eine.ist doch gerade so der Fall wie das Andere. Die Lehrer haben eine Inspektion niemals zurückgewiesen und halten sie auch in der Wirkung auf die Schüler für wohlthätig; aber .alles kommt darauf an, wer inspicirt. Es müssen pädagogisch erfahrene Männer sein, die zugleich Herz für Lehrer und Schule haben. Das. bloße Besuchen und Bemängeln macht es nicht: der Jnspicient muß dem Lehrer auch sagen können, wie er es besser zu machen hat, und muß helfen, das höhere Ziel zu erreichen. Und hier liegt das Gefährliche des von Dr. Horowitz projectirten Vereins und seines Statuts. Nach der Zusammensetzung der Gemeinden im Crefelder Sprengel würden die neuen Schulinspectoren zumeist aus Metzgern und Viehhändlern bestehen. Nun denke man sich solche Männer mit der ihnen eingeflößten Meinung, daß mit dem Amte auch der Verstand komme, daß sie, die Schulinspicienten, doch wohl wissen müßten, und besser als die Lehrer, was in der Schule geschehen soll. Die nothwendige Folge ist, daß die Lehrer, von den insolentesten Männern gemaßregelt, in Verachtung sinken und .die Schulen verfallen. Die Gemeinden würden offenbar auf den Standpunkt zurückkehren , den sie . vor fünfzig Jahren einnahmen, und wer die. Zustände genauer , kennt, weiß, daß sie gegenwärtig hierzu wieder sehr geneigt sind. Uebrigens iverden die Lehrer sich dergleichen nicht gefallen lassen; man kann ihnen nicht ohne weiteres Schulinspectoren setzen, von denen in ihren Contracten nichts steht. Herr Dr. Horowitz kann gewiß sein, daß er durch sein Vorgehen die Gemeinden abermals in ein Chaos von Streitigkeiten. und Zänkereien werfen und den Schulen - tödtliche Wunden schlagen würde — ein Nachtheil, den sein Verein nicht gut machen könnte, selbst wenn es diesem gelänge, nach Bezahlung der Reise- Verwaltungskosten (§ 24 des Statuts) einer oder der anderen Gemeinde einen kleinen Zuschuß zu zahlen oder eine neue Wandtafel machen zu lassen. Wir glauben, diese Erwiederung ist so ruhig und sachgemäß gehalten, daß sich Herr Horowitz nicht abermals zu ereifern braucht. Posen, 6. August. Die „Pos. Ztg." veröffentlicht folgendes ihr vom Landtagsabgeordueten der Stadt Posen,; Kreisgerichtsrath Döring, zugegangenes Schreiben: „Es ist mir erfreulich, Ihnen das .nachfolgende Schreiben des Cultusminsters Falk vom.27. Juli c. mittheilen und ■ durch Ihre Zeitung zur öffentlichen Kenntniß bringen zu können. . Das Schreiben lautet: Ew. rc. erwiedere ich auf das Schreiben , vom 18. Mai v., daß ich unter dem heutigen Tage eine Bestimmung getroffen habe, wonach bei Aufnahme jüdischer Schülerinnen in die dortige Louisen sch ule an dem statutarisch festgesetzten Procentsatze nicht weiter festzuhalten ist. Was die Zulassung jüdischer Aspiranten als ordentliche Zögliche der christlichen Schullehrerseminarien anlangt, so wird diese Angelegenheit bei Regelung der Frage über die Ausbildung jüdischer Schulamtscandidaten zur Erörterung gelangen. Inzwischen habe ich Anordnung getroffen, daß diejenigen jüdischen Zöglinge, welche als Hospitantinnen in das dortige Lehrerinnenseminar ausgenommen werden, zur activen ThUlnahme an dem Unterrichte zuzulassen sind. Falk. Damit hat der gegenwärtige Cultusminister thatsächlich das Bestreben documentirt, verfassungswidrige Rechtsungleichheiten zwischen Christen .und Juden zu beseitigen. Döring, Mitglied des Abgeordnetenhauses. Czarnikau, 31. Juli. Das Jnspectorat über die hiesige israelitische Elementarschule, welches bis jetzt von dem Pastor primarius Hohne ausgeübt wurde, ist neuerdings seitens der Regierung dem hiesigen Rabbiner Dr. Popen übertragen worden. Bonn, 9. Aug. (Privatm.) Wir können es den Freunden unsres Blattes nur Dank wissen, wenn sie uns aus allen Gegenden mit Exemplaren von Zeitschriften versehen, in welchen sich mehr oder weniger heftige Angriffe auf das Judenthum und seine Bekenner finden. Außer den großen Blättern, welche eine Verbreitung über weite Landstriche haben und daher von großem Einflüsse auf die öffentliche Mesnung sind, giebt es namentlich in Deutschland rntb W Schweiz zahllose Blättchen,, welche, in den. kleineren Ortschaften und Kreisen, erscheinen und. in ihrer Oertlichkeit die Stimmung und Meinung theils repräsentiren,

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