Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-08-20 · Heft 34 (20.8.1872) · p. Seite 668

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 34 (20.8.1872)
Date
1872-08-20
Page
Seite 668 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226852-3226887--30901-3253799
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

so. haken wir für dieselben keinen anderen Rath/ als die hebräischen Gebete vom Vorbeter in einem, . einfachen Pathos: vortragen, und an den paffenden Stellen die Gemeinde ohne Geschrei, möglichst unisono und ohne Melodie, einfallen zu laffen.. Die Ueberschrift des zweiten von Herrn L. Fleis chh a ck er zu Wesel herrührenden Vortrags lautet„W ie bildet sich der jüdische Lehrer zur Abhaltung r e l i g i ö s e r V o r t r ä g e a u s?" Auch dieser Gegenstand ist praktisch sehr wichtig, denn die wenigsten Gemeinden haben fludirte Prediger, und die religiösen Vorträge, besonders an den Feiertagen, sind nicht blos zu einem Bedürfniß, sondern zu einer Notwendigkeit geworden. Herr Fleischhacker beklagt nun mit Recht, daß in den Seminarien auf diesen wichtigen Gegenstand gar keine Rücksicht genommen werde; der Lehrer tritt also ganz unvorbereitet an diese. Verpflichtung heran. Nun^ die Vernachlässigung der jüdischen Homiletik als solcher ist auch anderswo zu beklagen , und die Rabbiner und Prediger müssen sich gleichfalls autodidaktisch ihre Kunst erwerben. Herr Fleischhacker will nun dem Lehrer den Weg zeigen , auf welchem er diese Lücke ausfüllen und sich zur Abhaltung von Vorträgen vorbereiten könne. Der Lehrer solle sich zuerst eine genaue Kenntniß der Bibel verschaffen , an die Bibel schließe sich das Studium der rabbinischen Schriften. Er geht so weit, das Verständniß des More Nebuchim zu fordern, meint aber wohl, nur die letzten Abschnitte des dritten Theiles, wo die Taame mizwoth behandelt werden. Er klagt, daß es in deutscher Sprache keine zu benutzenden Materialien gebe. Hierin hat er ganz Unrecht; wir erinnern nur an die Erklärungen der Pirke Aboth von Adler und Meisel, an die Sammlung von Midraschim von Levy- Seligmann, die Spruchsammlungen von Fürstenthal und Dukes und vieles andere. Er empfiehlt. „das Lexikon für Bibel und Talmud" von vr. Kohn, meint wohl aber hiermit das von vr. Hamburger. — Hierauf gehe der Lehrer an das Meditiren, Disponiren und.Concipiren. Herr Fleischhacker erklärt nun, was diese Ausdrücke bedeuten, wirft auch, einen Blick auf Musterpredigten, indem er zugleich weidlich auf dieselben schimpft , und macht dann einige Bemerkungen über Stillehre. Was hier Herr Fleischhacker vorträgt, wird den Lehrer immerhin aufmerksam machen, daß er, wenn er religiöse Borträge halten will, sich dazp durch Fleiß und Anstrengung fähig machen soll , damit er auch selbstständig arbeiten lernt. Wir machen, es einem•; Lehrer durchaus: nicht zum Vorwürfe, wenn er sich guter gedruckter- Predigten zu solchen Vorträgen bedient. Er ist hierzu, aus Mangel an Vorbereitung und zur Befriedigung des allgemeinen Bedürfniffes genöchigt, und es ist bester, sich guter vorhandener Arbeiten zu bedienen, als eigenes unangemessenes Fabricat zu verwenden. Es wird ihm auch gar nicht zum Nachtheile gereichen, wenn er offen gesteht, daß er sich der Werke des und des Meisters. bedient habe. Aber er darf sich nur nicht hierauf allein verlegen und dabei stehen bleiben. : Es muß ihm Gewiffenssache sein, nach der eigenen Ausbildung, nach dem zukünftigen Besitze eigener Befähigung zu ringen. Allerdings sagt ihm Herr Fleischhacker, was 'hierzu, gehört, aber nicht, wie er das Meditiren nnd Disponiren erlerne. Hierzu geht unser Rath für den. Lehrer dahin : er nehme recht viele Predigten. und zwar von Eanzelrednern, von denen er: weiß/ daß sie esmit dev Form der Predigt genau nehmen, und ziehe mit der Feder in der Hand aus ihnen die Disposition heraus; voran den Gedanken der Einleitung, dann den Text und hierauf die einzelnen Theile, und bemerke sich dabei, in wie: fern der Text injedem Theile verwendet worden ist. Hat er sich so das Gerippe der Predigt zusammen gestellt, so wird es ihm klar werden, wieder Redner seinen Gegenstand behandelt, zerlegt und wieder zusammen gefügt hat; er wird sich freuen, den Gedankengang des Meisters zu belauschen, ja noch mehr sich freuen, wenn: er ihn auf einer Schwäche ertappt, oder ihm einkommt, wie die Sache noch anders hätte gemacht werden können. Diese Arbeit wiederhole er auch: cm anderen guten Predigten lange Zeit, und er wird auf diese Weise meditiren und ,disponiren gelernt haben, zugleich aber auch seinen Stil bilden. Er kann sich, auch hierzu vorhandener Predigtentwürfe, z. B. des vr. Kley, bedienen, deren Studium ihm die Fähigkeit zu disponiren stärkenwird. Dies, ist nach unsrer Meinung der praktischeste Weg, , sich die Fähigkeit einen religiösen Vortragauszuarbeiten , zu erwerben. Denn bald wird der Lehrer, die: Lust verspüren,. sich selbsttätig im Disponiren zuversuchen, . sich Thema: und Texte zu suchen, jene zu zerlegen, diese zu verwenden. Daß dieses allen sogenannten Eselsbrücken vorzuziehen ist, brauchen wir wohl kaum zu bemerken. i Der dritte Vortrag, der.- des. Herrn Seminarlehrers A. Treu „Ueber den: Lehr- und Stundenplan für einclassige Elementar- (Volks-) Schulen" hat uns mehr seinem Inhalte als seiner Form nach zugesagt. Herr-Treu schmückt seine. Darstellung: zu viel. aus, so.'daß--seine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.