Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1872)
- Date
- 1872-08-20
- Page
- Seite 667 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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bereits auf die Höhe der - Lebensbahn; gekommen sind, und an die sich die jüngeren immer wieder anschließen, so daß der Verband ein dauernder bleiben wird/ Möchten diesem Beispiele die Lehrer anderer Provinzen folgen Es ist dabei wohl zu bemerken, daß die Führer des Vereins stets Lehrer waren und nur vorübergehend einmal dieser. oder jener Rabbiner den Conferenzen anwohnte. Ursprung, Entwickelung und Lebenskraft innerhalb dieses Vereins haben also die Lehrer aus sich selbst geschöpft, und so muß es auch sein. Es versteht sich, daß nicht alles, was in solchen Conferenzen vorgetragen und discutirt wird, gleich gediegen und richtig ist. Darauf kömmt es aber auch nicht an; die allseitige Anregung, die Aufmunterung zum besten Streben, die Selbstachtung und das Selbstvertrauen, der frische Muth für den schweren Lebensberuf und die freundschaftliche Annäherung zwischen den einzelnen Gliedern des Standes, dies ist es, was als Wirkung solcher Conferenzen überaus schätzenswerth ist — mit einem Worte: der jüdische Lehrer, vereinzelt in seiner Stadt oder in seinem Dorfe, wird, abgesehen von seiner Belehrung, durch solche Conferenzen vor dem Versauern und Verbauern geschützt. Unter.den Arbeiten einer solchen Conferenz wird dann und wann irgend ein Vortrag zu Tage gefördert, der durch Gegenstand und Form verdient, durch den Druck zum Gemeingut gemacht zu werden, und so auch andern Lehrern zu Gute zu kommen. Es ist angemessen, daß die Conferenz dies mit ihren Vorträgen nicht regelmäßig, ja nicht allzu oft thut, weil sonst allzu schwache Produkte diese Vergünstigung erhalten und viele Lehrer von dem Besuche der Conferenz sich abhalten lassen.würden, weil sie ja die dort gehaltenen Vorträge zu Gesichte bekommen. Aber von Zeit zu Zeit ist es rathsam, abgesehen von den behandelten Gegenständen, auch der Conferenz eine fördersame Aufmerksamkeit zuzuziehen. Wir erinnern mit Vergnügen an die früher veröffentlichte, treffliche Abhandlung des Lehrers Bra unschweig über die Stellung des jüdischen Lehrers. Bon den vorliegenden drei Vorträgen behandelt der erste „Beobachtungen und Erfahrungen über den Synagogengesang." Herr Blumenau in Bielefeld bespricht hier einen Gegenstand, der für den Gottesdienst besonders der mittleren und kleineren Gemeinden von Wichtigkeit ist, da diese immer in Verlegenheit sind, was sie an die Stelle der bisher üblichen Vortragsweise, welche durch das dabei gewohnte Durcheinander und Geschrei nicht mehr gut erträglich ist, setzen sollen. Herr Blumenau spricht sich gegen die oft unternommenen und meist bald wieder ausgegebenen Versuche, einen vierstimmigen Shnagogengesang in die mittleren und kleineren Gemeinden einzuführen, nachdrücklich und mit vollem Rechte aus. Selbst wenn solche Versuche anfänglich glücken, verschwinden sie dennoch bald wieder, weil sie zu sehr von dem zufälligen Vorhandensein einzelner guter Kräfte abhängen, ohne welche wieder dieser vierstimmige Gesang zu einer wahrhaften Carricatur wird. Herr Blumenau spricht hier nur aus, was wir in vielen kleinern Gemeinden persönlich selbst erfahren haben. Aber auch darin hat er nicht Unrecht, wenn er diesen vierstimmigen Chorgesang, sobald er den ganzen Gottesdienst ausfüllen soll, nicht einmal für wünschenswerth erachtet, weil er die Gemeinde vollständig zum Stillschweigen verurtheilt, was die Theilnahme am Gottesdienste sehr abschwächt. Er kommt zu dem Resultate: „1) für den Gottesdienst empfiehlt sich der einstimmige Gesang, wo möglich unter Orgelbegleitung, als Regel. 2) mehrstimmige Gesänge sind nur als Einlagen bei festlichen Anläffen wünschenswerth." Es stimmt dies vollständig mit den §§ 16—18 unsrer von der ersten Synode zu Leipzig angenommenen Anträge bezüglich des Gottesdienstes, die also lauteten: „16. Es soll vorzugsweise auf einstimmigen Gemeindegesang gehalten werden. 17. Es ist deshalb die Orgel zur erforderlichen Begleitung empfehlenswerth. 18. Mehrstimmiger Chorgesang und weitere musikalische Aufführungen sind nur da zu empfehlen, wo hinreichende Kräfte vorhanden sind; jede profane Musik ist aber durchaus fern zu halten" (s. unsre Motivirung S. 183 der Verhandlungen der ersten israelitischen Synode. Berlin 1869). Nur möchten wir noch hinzufügen, daß wir unsrer Erfahrung gemäß selbst den einstimmigen Gesang ohne Begleitung der Orgel oder eines anderen tauglichen Instrumentes (z.B. des viel weniger kostspieligen Harmoniums) nicht empfehlen können, da auch er mit der Zeit von der Gemeinde, wenn kein leitendes und beherrschendes Instrument mitwirkt, malträtirt wird. Der Eine fängt jetzt, der Andere etwas später an, der Eine mit diesem, der Andere mit jenem Tone, der Eine macht die Melodie schnell, der Andere langsam ab, der Eine verstümmelt sie in dieser, der Andere in jener Weise. Wollen oder können sich also Gemeinden kein solches Instrument anschaffen und sich deffen bedienen,