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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-08-20 · Heft 34 (20.8.1872) · p. Seite 665

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 34 (20.8.1872)
Date
1872-08-20
Page
Seite 665 (sequence 3)
Language
German
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deS' UrtheilS dringt denn auch mancherlei verkehrte Ansichten" hervor; So erklärt der Verfasser das Verbot dev Castration der Thiere, welche für die Agricultur nützlich sei/ blos daraus, daß castrirte Thiere überaus feit werden und die Israeliten Talg nicht essen sollten. Und doch lag dem Gesetzgeber nichts ferner als dieser Grund. Wer tiefer schaut, wer die Vorschriften Mose's, Mutter und Eier nicht-mit einander zu nehmen, das Böcklein nicht in der Milch der Mutter zu kochen, verschiedenartige Thiere nicht neben einander zu spannen und zur Begattung zuzulassen, selbst verschiedenartige Pflanzen nicht unter einander zu säen u. s. w. zusammeNstellt/der erkennt, daß es sich darum handelt, überall die Natürlichkeit, das Schöpfungswerk Gottes in den von diesem getroffenen Einrichtungen zu erhalten und dem Menschen Achtung-vor denselben einzuflößen, womit zugleich eine humane * Behandlung der Thiere verbunden ist. Hierhin gehört auch die Castration, eine willkürliche Verstümmelung eines Geschöpfes Gottes. Ganz' falsch ist es, wenn der Berfaffer die Castrativn von Menschen für erlaubt hält?weil in der^Geschichte der Könige bisweilen Eunuchen erwähnt werden und Samuel in seiner Verwarnung gegen das Königthum sagt, daß die Könige dem Volke den Zehnten auflegen würden, um ihn ihren Eunuchen und Dienern zu geben. Der Sachkundige weiß, daß ö^o allmalig den Begriff von Höfling überhaupt erhielt, und dann erweisen die Thaten der Könige nichts über die Gebote und die Verbote der mosaischen Gesetzgebung, die von ihnen' wenig beobachtet wurden. Es handelt sich hier nur darum, ob es den Israeliten erlaubt war, Thiere und Menschen zu castriren, nicht aber ob solche auswärts castrirte sich im Lande aufhalten dursten. Die Ausschließung von der Gemeinde, welche das Gesetz für Eunuchen verordnet, bezeugt nur, daß sie vom Aufenthalte im Lande nicht ausgeschlossen waren. - Der Verfasser schließt dieses Capitel mit der Betrachtung: „Die Fremdartigkeit, die Sonderbarkeit einiger der von Moses. getroffenen Maßnahmen frappiren im ersten Augenblick; aber wenn man sie sorgfältig prüft und ernstlich studirt, so wird man leicht bemerken , daß sie fast immer ans den erhabensten Gesichtspuncten moüvirt sind." ' Wer diese schöne und edle' Auffassung liest; wird der nicht gläubeii?däß der Verfasser ' selbst nach dieser Methode verfahren tverde? Und dennoch geräth Herr Du- Äesnil alsbald' W'das Gegenthefl: Er ' bildet sich' Nämlich ein, daß Moses die' körperliche Arbeit mit großer Ungunst angesehen habe, und da schon die Israeliten, welche ursprünglich Hirten gewesen wären und sehr ungern als Sklaven Pharao's gearbeitet hätten,J sich sehr zur Unthätigkeit neigten, habe Moses diese Neigung, statt sie zu bekämpfen, gefördert. Darum sei der Ackerbau in Judäa vernachlässigt worden, und das Volk habe sich vorzugsweise dem Handel gewidmet. — Wir brauchen es dem Sachkundigen kaum' anzudeuten, daß sich der Verfasser in diesen Schlußfolgerungen geirrt hübe, und wie falsch daher auch feiÄe Voraussetzungen sind. So lange die Juden in Palästina wohnten, kannten sie keinen Handel, sondern lebten nur dem Ackerbau. Der vom Verfasser als Autorität anerkannte Josephus sägt in seinem Buche gegen Apion 1, 12 : „Wir bewohnen weder ein Küstenland, noch hüben wir an Handelsgeschäften und dem daraus entstehenden Zusammentreffen mit Fremden Gefallen, sondern unsre Städte sind weit ab vom Meere gebaut und, da uns ein guter Boden zu Theil geworden ist, bebauen wir denselben." -Die Richtigkeit dieser Schilderung ist denn auch eine erwiesene Thütsache. Andererseits muß der -Verfasser selbst aus Plinius , Theophrast u. a. anführen, daß Weine, Datteln, Balsam, Oel, Getreide der vorzüglichsten Art aus Palästina ausgeführt wurden. Das konnte in deck gebirgigen und nur zum Theile fruchtbaren Lande nur durch den unermüdlichen Fleiß der Bewohner hervorgebracht werden, welche jedes Stückchen Boden auf den Bergen benutzten und durch Mauern terrassenförmig sicherten. Es ist nun geradezu lächerlich,- wenNder Verfasser diese Vorrichtungen den Kanaanitern zuschreibt und sich dabei auf die rhetorischen Stellen- Jdsüaült, 21. 24, 13 beruft. -Wenn die Israelitenwährend der fünfzehn Jahrhunderte -, die sie in Palästina' wohnten, nicht gearbeitet hätten, wären die Werke der Känaaniter wohl kaum ein paar Jahrhundert: bestehen geblieben- und schwerlich kann eine reiche Ausfuhr vorzüglicher Erzeugnisse um die Zeit der iZerstörun'g'Jerusalems aus; den Arbeiten der Kanaaniter vor -bei Eroberung des Landes durch Josua erklärt werden: Die beiden That- \ suchen sind also falsch; die Israelitenin Palästina wa- - reu kein handeltreibendes?sondern ein angestrengt--fleij ßiges ackerbauendes- Volk/ Hiermit fallen» denni -auch : die Vorwürfe weg; die der Verfasser Möse macht: Freilich, wenn er sagt: Moses wollte überall' das materielle Interesse; dem moralischen Interesse! opfernso sagen! wir: Nicht vpfern? wohl aber es mit.ihmideNtisiciren;» 34*

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