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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-08-13 · Heft 33 (13.8.1872) · p. Seite 661

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 33 (13.8.1872)
Date
1872-08-13
Page
Seite 661 (sequence 19)
Language
German
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661 Fehler der Eingeborenen angenommen haben. Wie diese übten sie Blutrache, wie diese legten sie sich bewaffnet in den Hinterhalt und fielen die vorüberziehenden Karawanen an. Doch werden nur einige unbedeutende Stämme dieses Fehlers geziehen. Die angeseheneren trieben Handel, legten Stapelplätze und Märkte an, waren Handwerker, besonders Goldarbeiter. Es darf uns nicht Wunder nehmen, daß sie auch den poetischen Zug, der die Einwohner der arabischen Halbinsel kennzeichnet, angenommen haben. Diese waren nämlich Naturdichter im hervorragendsten Sinne des Wortes. Jeder sprach hier in Versen. Ähre Lieblingsunterhaltung bestand in Wetten, wer die längsten, schönsten und künstlichsten Gedichte aus dem Stegreif hersagen könnte. Einem glücklichen Gedächtnisse verdanken wir es, daß viele von diesen Gedichten der Nachwelt erhalten und später niedergeschrieben wurden, die noch heute uns ergötzen und belehren. Unter den vielen Sammlungen davon ist eine von Abu Temam angelegt und nach ihrem ersten und Haupttheil Hamasa, d. h. Heldenlieder, benannt. Darin hat auch ein jüdischer Dichter seinen Platz gesunden. Samual Jbn Adija verdient es, daß wir seiner hier flüchtig gedenken. In des arabischen Volkes Mund war das Wort geläufig: „Treu wie Samual," und das war so entstanden. Ein arabischer König Amr-ul-Kais hatte auf der Flucht vor seinen Feinden, den Beni Essed, Schutz gesucht und gefunden bei Samual, Fürsten von Teima, auf seiner Burg Ablak. Als er von dort abreiste, um den griechischen Kaiser um Hülfe gegen seine Feinde anzurusen, übergab er seinem Gaftfreund fünf kostbare Panzer, und nahm ihm das Versprechen ab, sie nur ihm oder seinen rechtmäßigen nächsten Erben auszuliefern. Auf der Reise war er gestorben, und jetzt forderte El-Hareth, König von Geffan in Syrien, der sich für einen Vetter des Verstorbenen ausgab, die Herausgabe der Panzer. Als Samual sie verweigerte, zog er mit einem Heere heran und belagerte ihn, der sich in seiner Feste Ablak vertheidigte. Er fing ein Söhnchen Samuals, das seine Amme vor die Festung geführt hatte, und drohte dem Vater das Kind umzubringen, wenn er nicht die Panzer herausgäbe. Nach einer Berathung Samuals mit seinen Leuten, die für die Auslieferung der Panzer waren, trat er auf die Zinne seiner Festung und sprach zu El- Hareth: „Ich kann das Anvertraute nicht veruntreuen. Thue, was du willst. Verrath ist ein Halsband, das nicht rostet, und mein Kind hat Brüder." Der Unmensch tödtete das Söhnchen vor den Augen des Vaters. Er mußte aber unverrichteter Sache wieder abziehen, und später lieferte Samual die Panzer auf der Volksversammlung zu Mekka dem rechtmäßigen Erben aus. (Fortsetzung folgt.) Correspon-enz. Rotterdam, 30. Juli 1872. Das Amtsjubiläum des Herrn Dr. Hirsch. Die A. Z. d. I. hat bereits wiederholt die großen Verdienste des Herrn Dr. Hirsch Hierselbst um den Unterricht und die Ausbildung von Taubstummen und die Entwicklung des Taubstummenunterrichts überhaupt gewürdigt und wird deshalb gern folgenden Artikel des Nieuwe Rotterdammer Courant zu Ehren dieses unsres hochherzigen Glaubensgenossen, wörtlich übertragen, aufnehmen: „Unser Mitbürger, Herr Dr. Hirsch, Director und Oberlehrer der hiesigen Taubstummenanstalt, feierte den 16. Juni d. I. hier das 25jährige Jubiläum seiner Thätigkeit. Zu Münz im Kreise Jülich 1813 geboren zeigte er in früher Jugend Neigung zum Lehrerfach. Im Jahre 1831 wurden ihm in diesem seinem Geburtsorte mehrere Kinder zum Unterricht anvertraut, und unter diesen befanden sich auch zwei Taubstumme, die ihre beklagenswerthen Aeltern mit der besondern Bitte empfahlen, er möchte sie nach Möglichkeit das Schreiben lehren. Die mißliche Beschaffenheit dieser Kinder aber dauerte Hirsch so sehr, daß er lange auf Mittel und Methode sann, um diese Unglücklichen eben so gut geistig zu entwickeln. Eine Fügung des Himmels war es, daß Hirsch hier Gelegenheit fand, seine seltene Anlage, sich selbst noch unbewußt, zu entfalten und darnach seine Lebensaufgabe im Lehrfache der Taubstummen zu erfaßen. Ohne Vorübung in diesem Fache begann Hirsch mit den zwei gehörlosen Kindern seine Arbeit und ging darin mit so glücklichem Erfolge vor, daß die königlich preußische Regierung auf sein vortreffliches Wirken aufmerksam gemacht wurde, und ihn auch, nachdem er die Lehrerprüfung im königlichen Seminar zu Brühl bestanden hatte, auf ihre Kosten einem Cursus in der Taubstummenanstalt zu Cöln beiwohnen ließ, um sich dort theoretisch und praktisch als Taubstummenlehrer auszubilden." „Mit Genehmigung der königlichen Regierung und unter der Protection des Dompropstes Herrn Dr. Claeßen und des Gymnasialoberlehrers Herrn Dr. Klapper eröffnete Herr Hirsch im Jahre 1838 eine Privattaubftummenanstalt in Aachen, die 1840 auf Einwilligung der Regierung durch einen Verein in eine öffentliche umgewandelt wurde, mit Herrn Hirsch als Hauptlehrer." „Seine überraschenden Leistungen in dieser Anstalt erwarben ihm einen Ruf, der allmälig auch über Deutschlands Gränzen hinausdrang. Und so kam es, daß im Jahre 1847 Dr. Polano, jetzt Professor an der Universität zu Leiden, welcher Vater zweier taubstummer Kinder ist, unfern Hirsch zur Erziehung und Entwicklung dieser beiden Kinder hierher berief. Diesen Antrag fand Hirsch um so annehmbarer, als er dadurch einen Weg vor sich

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