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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-08-13 · Heft 33 (13.8.1872) · p. Seite 662

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 33 (13.8.1872)
Date
1872-08-13
Page
Seite 662 (sequence 20)
Language
German
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geöffnet sah, die deutsche Lehrmethode der Taubstummen auch in den Niederlanden einführen zu können." ' „Den 16. Juni des genannten Jahres begann Herr Hirsch in der Behausung des vr. Polano die zwei taubstummen Zöglinge auf seine Weise zu unterrichten. Die günstigen Erfolge davon blieben auch hier nicht aus, so daß kaum ein Jahr , darauf Herr Hirsch durch Aydrang von auswärts veranlaßt ward, seinen Wirkungskreis auf eine, kleine Schule für gehör- und sprachlose Kinder auszudehnen, in welcher auch Kinder unbemittelter Aeltern unentgeltlich ausgenommen wurden." „Je bekannter nun die wohlthätigen Resultate dieser Schule wurden, um so mehr gewann dieselbe allgemeine Sympathie, und so erstand hier die geräumig und zweckmäßig eingerichtete Taubstummenanstalt, welche gegenwärtig. 102 Zöglinge zählt, und zwar aus verschiedenen Gegenden und von allen Confessionen, und in Anerkennung ihres heilbringenden Wirkens von Stadt und Staat wie von jedem Edeldenkenden kräftig unterstützt wird." „Die vielen Freunde und Verehrer des Directors dieser Anstalt haben daher richtig begriffen, daß sie den 16. dieses als den Tag des Berufuugsjubiläums des Herrn Hirsch in die Niederlande feierlich begehen müssen, und brachten ihm von nah und fern die schönsten Beweise ihrer Hochachtung und Liebe." „Allgemein' geschätzt und gefeiert wegen Hiner hohen Verdienste als Einsührer der deutschen Lehrmethode für Taubstumme in den Niederlanden, als Chef unserer weit berühmten Taubstummenanstalt, in der die genannte Methode, unter seiner Leitung auf's trefflichste angewandt, bereits die schönsten und zahlreichsten Früchte getragen hat, weswegen er auch von unserm Königs mit dem niederländischen Löwenorden decorirt ist, preisen wir den Jubilar glücklich, und schließen uns der Menge an, die sich an jenem festlichen Tage zu ihm drängte, mit dem Wunsche, daß der Allgütige ihn in ungestörter Gesundheit und Kraft erhalten möge, um noch recht lange ungehindert seine humane und segensreiche Thätigkeit fortsetzen zu können, und immer glücklich zu sein in dem Anblicke der segensreichen Resultate, so wie in der Theilhaftwerdung der verdienten Anerkennung seines wohlthätigen Strebens und Lebens!" So weit jener Bericht. Schreiber dieses hat nur noch hinzu zu fügen , daß auch unsere israelitische Gemeinde es sich zum Glücke rechnet, Herrn Hirsch zu den ihrigen zu zählen; denn auch ihr ist er besonders nützlich und verdienstvoll als ein einsichtsvolles und eifriges Mitglied des israelitischen Kirchenraths und des Gemeindevorstands, als Präsident eines hier bestehenden Schulbeförderungsvereins, als Vorsitzender in der Commission der hiesigen Religionsschule rc. Wir vereinigen uns daher sehr gern mit allen denen, die dem , greisenehrwürdigen Jubilar ihre Huldigung bringen , und wünschen mit tiefer Innigkeit: Möge Gott ihm noch viele Jahre Kraft und Ausdauer verleihen in seinem edlen Lebensberufe zum Wohle so vieler Unmündigen im Menschengeschlechtes A. L. Vermischtes. Obschon die Pfaffen wiffen müßten, daß die Zeit ihrer unbedingten Herrschaft vorüber ist, so lasten sie es doch bald hier, bald dort an Versuchen mit ihrer Seelenräuberei nicht fehlen. So wird aus Troppau geschrieben, daß der Katechet Benda einen vierzehnjährigen Judenknaben H. Moses seiner Familie entführt und behufs Uebertritts zum Katholicismus bei dem Kirchenglöckner in Verwahrung gehalten hat. Das energische Einschreiten der Aeltern bei der Staatsanwaltschaft brachte ihnen nach längerem Zögern ihr Kind zurück. Der Knabe wurde bereits seit geraumer Zeit von Geistlichen bewirthet und selbst mit Geldgeschenken versehen, und Frau Moses von verschiedenen Seiten gedrängt, eine Schrift zu unterzeichnen, in welcher ihre Zustimmung zum Uebertritt ihres Sohnes zur katholischen Kirche ausgedrückt war; sie hatte dieses Ansinnen immer entschieden zurückgewiesen. In Schwiebus (Regierungsbezirk Frankfurt an der Oder) wurde am 22. und 23. Juli ein Sängerfest gefeiert, zu welchem sich eine große Anzahl Gesangvereine aus Posen, Schlesien und. der Mark vereinigten. Zu einem der Festredner wurde der Vorsitzende des Odersängerbundes, der israelitische Lehrer Louis Weyl aus Frankfurt an der Oder gewählt, und dieser entledigte sich seiner Ausgabe in einer Weise, welche einen großen Beifall hervorrief. An einen Vers von Uhland anknüpfend, hob er die alle vereinigende, alle gleichmachende Kraft des Gesanges hervor, die nicht wie die Ausführung anderer Künste an die hohe Begabung einzelner geknüpft, sondern zu deren Pflege jeder berufen ist. Schwiebus, eine verkehrreiche Fabrikstadt, war bis vor wenigen Jahren den Bekennern des Judenthums nicht sehr hold, hat aber nach dieser Seite hin seine Gesinnung sehr' verändert. Es wohnen jetzt mehrere jüdische Familien daselbst, welche mit ihren christlichen Mitbürgern in bestem Vernehmen stehen. In Minden ist jüngst ein katholischer Lehrer.zum Judenthume übergegangen. Er hat eine Jüdin geheirathet. ...... Verlag von Bcmmgärtner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirfchftld. . Verantwortlicher Redaeteur ©b% H. Lotze.

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