Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1872)
- Date
- 1872-08-13
- Page
- Seite 648 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Schon geraume Zeit beschäftigen wir uns mit der Beseitigung dieses Krebsschadens. Wir haben sowohl mieden hiesigen, seit einer Reihe von Jahren bei unserem Armenunterstützungsverein functionirenden Mitgliedern, als mit auswärtigen Fachmännern Berathung gepflogen. Alle beseelt der Gedanke, hilfsbedürftige, gebrechliche, verschämte Arme kräftig zu unterstützen, dagegen Bettlern von Profession, die in Folge ihrer Körper- und Geistesconstitution zur Selbsternährung fähig wären, möglichst wenig oder gar keine Unterstützung mehr zukommen zu lasten, dagegen darauf ein Hauptaugenmerk zu richten, daß in denjenigen Staaten, in welchen die Fürsorge der Regierung für die Schulbildung und die freie Niederlaffung der Juden fehlt , durch Beseitigung der Hinderniffe gründlich geholfen werde. Die wesentliche Ursache , warum mit den gegebenen Unterstützungen so wenig geholfen wird, liegt eben in dem Umstande, daß die Sammler "der Gaben dafür zu viel Zeit und Kosten aufzuwenden haben. Die Gemeinden des hiesigen Rabbinats sind, deshalb zur Gründung eines Bezirksarmenvereins veranlaßt worden, durch welchen die Armen hier unterstützt, dagegen der Besuch der Landorte untersagt und verhindert werden soll. Nachdem bereits sämmtliche Gemeinden ihren Beitritt erklärt haben, wird nach Feststellung der Beiträge dessen Thätigkeit hoffentlich bald beginnen können. Dieses Bezirksinstitut soll das Herumlungern auf den Straßen und die Ueberlast in Kost- und Logisreichung von den Landgemeinden abwenden oder doch wesentlich vermindern, und als Vorläufer und Grundlage des zu schaffenden Centralorgans gelten, weshalb wir Ihnen hiermit die Gründung eines Bezirksarmenunterstützungsvereins auf's wärmste empfehlen. Wir verkennen keineswegs, daß damit noch nicht sehr viel erreicht ist, und bezeichnen deshalb das Institut als Vorläufer; denn soll dem Nebel gründlich abgeholfen werden, so muß aus diesen Vereinen ein würtembergischer Landesverein, und letzterer ein Glied des deutsch-israelitischen Gemeindetags werden, der alle Gauen Deutschlands ebenso umschließen möge. Diesem deutschen Centralorgan muß in erster Linie die Vertretung der Gesammtjudenheit da obliegen, wo die Hülfe des Staats nöthig ist, wo es sich um Aufhebung von Schranken uud Ausnahmsgesetzen handelt, und wie dem Uebelstande des Bettels, der hauptsächlich in Westrutzland , Polen und Böhmen seine Wiege hat,, an der Quelle geholfen werden kann. Die constituirende Versammlung. des deutsch-israelitischen Gemeindebundes zu Leipzig, am 14. April 1872 hat diese Princip.ien der Armenpflege als unabweislich dargestellt. Auch dieser Bund hält die Gründung von Bezirksarmenvereinen zur Unterstützung von Bezirks- und andern würdigen inländischen Armen für unerläßlich. Dagegen will er durch Beiträge der Bezirks - resp. Landesvereine in die Lage versetzt werden, an sämmtlichen Gränzorten Hilfscomiws i zu errichten, welche die ankommenden Bettler beim Ein-! tritt unterstützen, dagegen deren Weiterreise nach Deutsch-; lernt) verhindern; welchen ferner die Mittel zu Gebote j stehen, um für die Ausbildung der Jugend in jenen? Ländern, und für die Auswanderung arbeitsfähiger Fa-! milien nach Amerika kräftig wirken zu können.! Um dieses große Ziel erreichen zu.helfen, scheint uns i für die Juden Württembergs zunächst die Gründung eines! La.nde.sarmenunterstützungsvereins als eine i heilige dringende Pflicht. Wir erlauben uns deshalb, \hiezu eine Landesversammlung in Cannstadt! vorzuschlagen, und wollen, sobald eine Mehrheit der Gej meinden ihre Zustimmung und die Bereitwilligkeit, sich! dabei durch Deputirte. vertreten zu lasten, kund gegeben -haben wird, das Weitere der öffentlichen Einladung be-? sorgen. j Wir bitten nun ein verehrliches Kirchenvorsteheramt, i diesen Gegenstand in Berathung zu nehmen und uns ^Jhre Entschließung alsbald zukommen zu lassen. - Achtungsvoll! Im Auftrag des hiesigen. Armenunterstützungsvereins : Das Comits. Jacob Rosenthal. I. Stern. Leop. Strauß. Zeitungsnachrichten. Deutschland^. Berlin, 1. August. (Privatmitth.) In den heißen Sommermonaten pflegen auch die öffentlichen Angelegenheiten unsrer Gemeinden in Stillstand zu gerathen, theils weil die Mehrzahl der Tonangeber in . den Kadern oder einer Sommerfrische weilt, theils weil die Erregung überhaupt eine schwächere ist. Mit den : Herbstfeiertagen tritt dann gewöhnlich ein neuer Eifer ein, was wir denn, um Thatsachen zu melden,, auch,