Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1872)
- Date
- 1872-08-06
- Page
- Seite 641 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226852-3226885--30872-3253768- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
um zur Pflege der Opfer I dieser Krankheit beizutragen, befohlen worden war, zeichnete er sich hier sowohl im Militärhospital als auch unter der bürgerlichen Bevölkerung durch seine Hingebung aus und empfing die Glückwünsche der Vorgesetzten Behörde. Im November 1836 bewarb er sich um das Profefforat im Val-de-Grace als Assistent. Die Jury , von dem berühmten Broussais präsidirt, erwählte ihn in Anerkennung seiner Fähigkeiten trotz seiner 27 Jahre zum Professor. 1842 bis 1843 veröffentlichte er einen „Trait6 d’hygiäne“, sein Erstlingswerk, welches das seltene Glück hatte, fünf Auslagen zu erleben, ohne zu veralten, und ohne aufzuhören, dem gegenwärtigen Stande der Wiffenschaft zu entsprechen. Diese Abhandlung ist heute Die vollständigste über diesen Gegenstand, Dank der besonderen Sorgfalt, welche ihr Verfasser darauf verwendete, sie mit allen Entdeckungen der Wiffenschaft zu bereichern und auf der Höhe eines wahrhaft klassischen Werkes zu erhalten. Diese Abhandlung über die Gesundheitspflege zog durch ihre Wichtigkeit, ihre Originalität und die schriftstellerische Gewandtheit die Aufmerksamkeit der gelehrten Welt auf den Autor. Der Minister des öffentlichen Unterrichts forderte vom Kriegsminister als eine wohl verdiente Belohnung das Kreuz der Ehrenlegion, welches dem Verfaffer auch wirklich vom Kriegsdepartement zuertheilt wurde. Bei der schrecklichen Choleraepidemie von 1849 setzte Michel Levy die Isolirung der Cholerakranken von allen anderen Patienten durch. Ebenso veranlaßte er das ganze Personal, das mit ihm auf diesem Ehrenposten arbeitete, durch sein Beispiel zur energischsten Thätigkeit. Durch verschiedene Heilmaßregeln und eine außergewöhnliche Hingebung wurde die Epidemie kräftig bekämpft, und der ihr vom Val-de-Grace gezollte Tribut in engen Gränzen gehalten. Bei einem Besuche am 10. Juni 1849 in den Cholerasälen beglückwünschte der Prinz- Präsident Herrn Michel Levy und sein Personal wegen der muthigen Anstrengungen, die sie entfaltet hatten, und übergab dem behandelnden Arzte, damals Major erster Claffe, das Officierkreuz der Ehrenlegion, und der Elite seines Hülfspersonals die wohlverdienten Belohnungen. Während vierzehn Jahren, von 1837 bis 1851, erhielt Michel Levy den medicinischen Unterricht im Valde-Grace auf der Höhe seines Rufes. Seine elegante und reine Sprache erhielt seine jungen Zuhörer, die jedes Jahr sich erneuerten, unter dem anziehenden Zauber der Wiffenschaft. Im Januar 1851, obgleich er damals erst seit dem Juli 1849 Vorsteher der ersten Claffe war, erhob der Kriegsminister, in Würdigung des erprobten Talentes des praktischen Arztes und des Verdienstes des Professors, ihn zur höchsten Stufe der militärischen Hierarchie, indem er ihn im Alter von 42 Jahren zum Jnspector deS Militärsanitätswesens ernannte. Im Jahre 1854 wurde Michel Levy zur Armee deS Orients als Jnspector und Director des Medicinaldienstes gesandt. In Varna trug er, während jener schrecklichen Choleraphafe im Monat August, zur Schöpfung einer Reihe improvisirter Hospitäler unter Zelten bei, um die Wiederkehr des schrecklichen Resultates der Aufhäufung der Cholerakranken in den gewöhnlichen Hospitälern zu verhindern. Er organisirte den medicinischen Dienst dieser Armee und verdiente sich das Commandeurkreuz, welches er am 21. September 1854 erhielt. Hierauf ging er nach Konstantinopel zur suceessiven Einrichtung von zwölf Hospitälern, um die aus der Krim evacuirten Verwundeten und Typhuskranken aufzunehmen. Er suchte die für die Heilung aller Kategorien und Erscheinungen von Krankheiten geeignetsten Localitäten auf, theils am Ufer des Bosporus, theils in den gesundesten Vierteln von Konstantinopel. Während dieser arbeitsvollen Mission erweiterten und verbesserten die Anordnungen und Rathschläge, die von dem vortrefflichen Director autorisirt wurden, die Vorrichtungen zur Aufnahme in den Militärhospitälern. Seine Sorgfalt wachte über alle Interessen» die ihm anvertraut wurden; sein mächtiger Einfluß auf das Sanitätspersonal bekämpfte die traurigen Verheerungen des Typhus, der Cholera und des Scorbuts, dieser schmerzlichen Folgen der Verlängerung der mörderischen Belagerung, und seine Thätigkeit erstreckte sich über den ganzen Schauplatz dieser blutigen Schule der Chirurgie und Medicin, wo Kunst und Wissenschaft in der Aufopferung für das Heil der Armee wetteiferten. Nach Frankreich zurückgekehrt, richtete er seine Bemühungen dahin, der Armee eine Pflanzschule von Aerzten und Pharmaceuten zu schaffen, die unter dem Auge der Meister sich heranbildeten, um sie auf diese Weise vor den Unzukömmlichkeiten zu schützen, die sich durch die Erfahrung herausgestellt hatten. Er schuf die Schule der Gesundheitspflege zu Straßburg, zu deren permanentem Jnspector er ernannt wurde, und verband ihren Studienplan mit dem der Schule des Val-de-Grace, die unter seiner unmittelbaren Direction verblieb. Wenn das Sprichwort, man muß die Bäume nach ihren Früchten beurtheilen, Recht hat, so kann man, ohne Furcht widerlegt zu werden, behaupten, daß der Grad des Wissens derjenigen Schüler, welche aus diesen beiden Schulen hervorgegangen sind, in hohem Grade die Superiorität des Unterrichtes dieser beiden Anstallen bezeugt. * . Die Meinung der wissenschaftlichen Welt begründet^ für immer den Ruhm des Wissens, der Thätigkeit unö der Verdienste des Directors. Die medicinische Akademie hatte ihn als den ihrigen anerkannt, indem sie ihm ihre Reihen öffnete, und seinen Charakter dadurch, geehrt, daß sie ihn zu ihrem Präsidenten ernannte, eine Ehre, die ihm besonders wohlthat.