Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1872)
- Date
- 1872-08-06
- Page
- Seite 642 (sequence 20)
- Language
- German
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Am 28. Decembsr 1867 verlieh ihm der damalige Kriegsminister, Marschall Niel, in Anerkennung seiner großen Verdienste um das Wohl der Armee das Großkreuz der Ehrenlegion. Der Glanz dieser hohen Belohnung sollte auf das ganze militarärztliche Personal zurückfallen und es in seinem hervorragendsten und bedeutendsten Mitgliede ehren. Er ist in der That der erste Militärarzt, dem diese hohe Auszeichnung ausnahmsweis zu Theil geworden. Michel Levv starb in Folge einer langen und schmerzhaften Krankheit, deren erste Symptome sich schon in seinem fünfzehnten Jahre gezeigt hatten. Er hinterließ eine große Zahl von Specialarbeiten. Außer seinem oben erwähnten Traite d’hygifcne sind feine These über die Emphyseme und die Abhandlung über das Scharlachfieber der Erwachsenen besonders zu erwähnen. Was seine Thätigkeit auf jüdischem Gebiete betrifft, so war Michel Levy Mitglied des Consistoriums von Paris und schrieb länger als ein Vierteljahrhundert für biß Archives israälites. Diese wenigen Notizen werden genügen, um den bedeutenden praktischen Arzt und Denker zu charakteristren. Das Begräbniß Michel Levy's fand am Donnerstag den 15. März um ein Uhr statte Das ganze Personal des Val-de-Grace wohnte der Beerdigung bei, sowie eine Menge von Generälen und hohen Officiren, selbstverständlich die Großrabbiner und das Personal des Confistorialtempels. Dem Trauerzuge voran ging der Sohn des Verstorbenen, Herr August Michel Levy, Bergwerksingenieur, und der Bruder des Verstorbenen, Herr B. Levy , Mrlitärintendant der algerischen Division. Ein Jnfanteriebataillon versah den Ehrendienst. Die Beerdigung fand auf dem jüdischen Friedhofe Pöre-Lachaise statt. Die Ceremonie war ergreifend, aber einfach; keine Rede, nur einige tief bewegte Worte des Herrn Großrabbiners Isidor, die Synagogenchorgesänge, das war Alles. Michel Levy hatte keine Ansprache an seinem Grabe gewollt. Vermischtes. Wir lesen, in den Arch. isr.: Vor zwei Jahren war die chinesische Stadt Tientsin der Schauplatz der Metzelei der katholischen Missionäre. Der Kaiser beauftragte Tsing Kwo Fan, einen seiner Minister , ihm einen Bericht über dieses Ereigniß abzustatten. •> P ' Der kaiserliche Commissar fand die Ursache des Vorgangs „in Brandplacaten, welche geheimttißvolle Hände in den Provinzen Hunan, Kiangsi, Tienmen, Chihli, Taming-Fu und Kwang - Ping verbreitet hatten. Die katholischen Priester waren beschuldigt, verheirathete Frauen und junge Mädchen zu entführen und zu entehren; mit den barmherzigen Schwestern im Vereine Kinder zu stehlen, um ihnen die Augen und das Herz auszureißen und Medicamente daraus zu bereiten; sich Lei ihren gemeinschaftlichen Mahlzeiten Menschenbluts zu bedienen, was für Leute, die in ihrer Kirche das Blut ihres GotteS tränken und sein Fleisch unter einander vertheilten, nichts Außergewöhnliches sei. Diese Beschuldigungen, welche in allen Claffen der Gesellschaft, von den nobelsten und gelehrtesten bis zu den untersten, Glauben gefunden halten, waren die That fanatischer Priester, die von der aber-, gläubischen Unwissenheit des Volkes lebten." Dieser Bericht, ein Muster von Klarheit und richtigem Verstände, schloß mit der Nothwendigkeit, in allen Provinzen des Landes zu proclamiren, „daß diese Anschuldigungen Verläumdungen sind, deren Basis ebenso ungreifbar wie ein Schatten ist." So geschah es in einem Lande, wo die christliche Menschenliebe sich nur erst durch die Einführung des Opiums mit bewaffneter Hand und die Plünderung des Sommerpalastes von Peking geltend gemacht hat. Dieser Vorgang bietet zu viele Vergleichungspuncte mit. den immer von neuem durch fanatische Priester und Aufhetzer auf die Juden geschleuderten Beschuldigungen, um nicht nach dieser Seite hin in die Augen zu fallen. Wir erinnern nur an die jüngsten Auffassungen in der Unitä Gattolica über die Verfolgungen in Rumänien, Smyrna u. s. w., zu deren Widerruf das römische Blatt sich erst dann verstand, als ihm die Erklärungen einiger Päpste gegen derartige Verläumdungen der Juden vorgelegt wurden. Vor Kurzem kam in Berlin eine russisch - polnische Judenfamilie an, Mann, Frau, Kinder mit Wagen und Pferd. Sie wurden zum Polizeipräsidium gebracht, um sich zu legitimiren. Unglücklicherweise war es an einem Freitage, und der Abend brach darüber an. Jetzt wollten die Leute nicht mehr vom Platze und verblieben daselbst bis Sonntag früh. Man sah die Frau die Kinder an der Spree waschen und sich überhaupt keine Gene auferlegen. Rubin stein hat in Salzburg eine tragische Oper, „Lea", in Angriff genommen, zu welcher Mosenthal das Buch geschrieben hat. Es behandelt die Geschichte der Makkabäer und lehnt sich theilweise an Otto Ludwigs Tragödie an. Verlag von Bcnnngärtner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von% B. Hirschseldz Verantwortlicher Redactmr 35ir« H. Lotzk.