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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-08-06 · Heft 32 (6.8.1872) · p. Seite 634

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 32 (6.8.1872)
Date
1872-08-06
Page
Seite 634 (sequence 12)
Language
German
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wiederholen, ihren Ursprung in den perfiden Ab- und Ansichten derjenigen haben, die sich „liberal" nennen, und ihre crasse Ignoranz mit dem durchsichtigen Firniß der sogenannten Civilisation übertüncht haben. Die Thatsache ist folgende: Im vergangenen Herbste kam ein Jude, Namens Hirsch Zalel, aus Rußland nach dem Dorfe Sarc, District Putna, herüber, um eine größere Menge Nüsse aufzukaufen. Der Fremde kehrte bei einem gewissen Jlie Süre ein, der ihm zugleich als Dolmetsch dienen sollte. Letzterer, in der richtigen Voraussetzung, daß der Jude viel Geld bei sich haben müsse, faßte einen höllischen Entschluß, für dessen Ausführung er zwei Individuen, Namens Nicolai Galatan und Jon Otoroe, anwarb. Die beiden Gauner weihten noch einen dritten, den Nicolai Ghigorasch, in ihren Plan ein. Nach wohlüberlegtem Operationsplane begab sich nun Ghigorasch als Kutscher verkleidet zu dem Juden, und sagte ihm: „Jude, warum gehst du denn nicht in ein anderes Dorf, das hier in der Nähe ist, wo du viel Nüsse und zu billigeren Preisen finden wirst; wenn du willst, so führe ich dich selbst dahin, denn ich habe Wagen und Pferde." Nachdem sie über den Preis der Fahrt sich verständigt hatten, begaben sie sich auf den Weg nach dem genannten Dorfe. Der Kutscher brachte den Juden bis zu einem Walde, wo plötzlich der Wagen von Nicolai Galatan und Jon Otoroe, die aus dem Dickicht heraustraten, angehalten wurde. Nachdem deI Jude mit Hülfe des Kutschers gebunden worden war, entfernte sich dieser mit seinem Gefährt. Die beiden Gauner schleppten nun ihr Opfer bis zu einem Abhänge, nahmen ihm die Geldkatze ab, tödteten den Beraubten mit Messerstichen und warfen den Leichnam in den nahen Fluß. Der bald darauf gefundene Leichnam veranlaßte die Districtsbehörde Nachforschungen anzustellen, und den Bemühungen des Subpräfecten Zalar gelang es endlich des Mörders habhaft zu werden. Herr D. Braesku war der Vertheidiger dieser Gauner vor dem Schwurgerichte. Sein Plaidoher lautete im Wesentlichen, wie folgt: „Meine Herren Geschworenen! Sie müssen vor allen Dingen die Lage der Juden kennen; Sie müssen sich erinnern, daß diese Blutegel sich an den Körper unseres Volkes geheftet haben, und das Blut und das Mark der Rumänen aussaugen. Ich kann Ihnen durch ihr Gesetzbuch, den Talmud, beweisen; daß sie! sichades Blutes der Christen als eines Getränkes an Festtagen bedienen, und außerdem ist es bei den Juden Gebot, einen Christen, wenn er auf einem Abhänge steht, hinterrücks in die Tiefe hinabzustürzen. Sie sehen, wie weit ihr Haß gegen uns reicht. Meine Herren Geschworenen! ich und alle wahren Christen müssen diese jüdischen Unholde nicht als menschliche Wesen, sondern als wilde Thiere betrachten. Deshalb werden Sie, wie ich überzeugt bin, ein Verdict auf nichtschuldig geben , da meine Clienten nur in der löblichen Absicht gehandelt haben, uns von dieser jüdischen Krätze nach und nach zu befreien." Die Geschworenen, meist Landarbeiter aus dem Districte, verurtheilten trotzdem alle drei Angeklagten. Das rumänische Sprichwort hat sich wieder bewährt: „Besser der wahre Bauer Als der verkappte Liberale." Rußland. St. Petersburg, 21.. Juli. Hier ist der greise Sir Moses Montefiore angelangt, um in einer Audienz bei dem Kaiser die Glückwünsche zur 200jährigen Jubelfeier der Thronbesteigung Peters des Großen auszusprechen und sich über die Judenverfolgungen in Rumänien zu beklagen. Nachtrag. Berlin, 26. Juli. (Privatmitth.) Wer in den eben erschienenen Protokollen über die am 11. Juni e. begonnene Conferenz im Unterrichtsministerium den Bericht über die dritte Sitzung liest, in welcher vom Confessionalismus der Volksschule verhandelt wurde, dem wir das Auseinandergehen, ja die Gegensätzlichkeit und bunte Nüancirung so recht auffallen, die über diesen . Gegenstand noch vorhanden ist. Man könnte sich mathematisch ein Schema über die möglichen Schattirungen entwerfen, und würde in jeder Rubrik eine der ausgesprochenen Meinungen plaeiren können, keine würde leer bleiben. Kommt dies nun daher, weil diese Verschiedenheit der Ansichten im großen Publicum auch besteht, oder nur aus der Zusammensetzung der Conferenz? Diese bestand allerdings'aus 14 Regierungsmännern, 5 Seminardirectoren, einigen Lehrern und

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