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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-08-06 · Heft 32 (6.8.1872) · p. Seite 629

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 32 (6.8.1872)
Date
1872-08-06
Page
Seite 629 (sequence 7)
Language
German
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auf ^diesem * Gebiete den Beweis für die geistige Einheit, des Menschengeschlechtes zu führen. In dem ersten Capitel „Die Grundideen allgemeiner Weltanschauung in der Genesis" — einem Capitel, das wir allen oberflächlichen Bibelverächtern und kühlen Bibelkritikern empfehlen möchten — stellt der Verfasser (kein Theolog!) dar, wie die Genesis in einfacher ungesuchter Weise schon die allgemeinen Sätze verkündigt, die jetzt eingehender erleuchtet und erwiesen das Ergebniß gründlicher .und umfassender sprachlicher Forschungen auswachen. Die Bibel weiß nichts von den verschiedenen „Autochthonen" heidnischer Kosmogonien. Die Sprache istihr nicht etwas dem Menschen Angeborenes, nicht die Folge specieller göttlicher Offenbarung; sondern der Mensch besitzt nur das körperliche Sprachvermögen, während erst der menschliche Geist aus seinen eigenen Empfindungen heraus Laute für die Dinge, die ihn beeinflussen, erfindet. Aus den Einzelnen wird die Familie, aus dieser.das Geschlecht, aus diesem das Volk, der Staat. Und wie die klaren und unwiderleglichen Forschungen der neuern Sprachwissenschaft auf eine Ursprache in ferner Zeit Hinweisen, so verkündet auch die Genesis: „Und die ganze Erde hatte eine Sprache und eine Redeweise." Was nun speciell das biblisch-talmudische Sprichwort .betrifft, so' ist es schwer, unter der Fülle der der Sprüche, Sentenzen, Vergleichungen, das eigentliche Sprichwort Hervorzuheben. Aber Heils werden von der Bibel selbst einzelne Phrasen .als allgemein unter dem Volke, oder doch einzelnen Theilen des Volkes lebend bezeichnet (1 Sam. 10, 12. 24, 4; Jes. 14, 4; Ezech. 12, 22; Spr. Sal. 26, 7. 9); Heils geschieht dies in Bezug auf biblische Sprüche durch die nachkanonischen Schriften. Uebergroß wird auf diese Weise die Ausbeute eigentlicher Sprichwörter zunächst aus der Bibel nicht werden; aber es entschädigt dafür ihr vorwiegend ethischer und didaktischer Charakter, sowie der Einfluß, den sie auf alle Zeiten ausgeübt haben. In diesem ersten Buche erhalten wir vergleichende Anthologien der Sprichwörter aus den Sprüchen Salomo's, den Sprichwörtern des Sirach , des Pseudo-Sirach, des Evangeliums des Matthäus; ferner eine vergleichende Anthologie talmudischer Parömien mit biblischen Parallelstellen und mit Sprichwörtern der neueren Umgangssprachen. Alles sehr gründlich, fleißig, eben so unterhaltend wie belehrend. Bei den Bibelstellen sind Text, Sepmagmta, Vulgata, Targum, Paraphrasis Targumi, die deutschen Uebersetzungen Luthers und Philippsons angeführt, zur Vergleichung griechische, lateinische, alt- und neudeutsche, englische, französische, italienische Sprichwörter. Die Resultate sind oft höchst überraschend. Die Aufgabe dieses ersten Buches ist es, an diesen Anthologien die fortschreitende Entwickelung des Sprichwortes in der hebräisch-aramäischen Literatur bis zur talmudischen Epoche inclusive darzustellen, weshalb denn auch jedem der oben erwähnten Abschnitte kurze aber kernige und oft originelle Abhandlungen über jede dieser Epochen vorangeschickt find. Wir sind auf die Fortsetzung des Werkes, die sicher die weitern Ausführungen des hier nur Angedeuteten bringen wird, sehr gespannt. Or. M. P. Ans W e stp h a l e n, im Juni. „A. T r eu, Seminarlehrer, Aufgabenschatz zum Orthographieunterricht. Derselbe, Aufgabenschatz zur deutschen Sprachlehre." Beide Bücher, längst vergriffen, sind jetzt in zweiter vermehrter und verbesserter Auflage bei F. Schöningh in Paderborn erschienen. Dieselben bekunden auf jeder Seite, daß sie aus der Praxis hervorgegangen find, und daß der Verfasser bei der neuen Auflage bestrebt war, den Stoff den Kindern angenehmer und lehrreicher zu machen. Schon die erste Auflage fand die weiteste Verbreitung und hielt selbst ihren Einzug in die Schulen von Riga und Odessa. Wir wünschen der neuen Auslage die weiteste Verbreitung, wie sie es in jeder Hinsicht verdient. Möge sie sich zu den alten Freunden recht viele neue erwerben. Der Preis von 31/2 resp. 5 Sgr. ist bei sehr guter Ausstattung ein niedriger zu nennen. —r. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 23. Juli. Ein erschreckendes Beispiel von Religionshaß, wie er in diesem Grade selten Vorkommen mag, ereignete sich jüngst hier. Die öffentlichen Blätter melden: Sämmtliche acht Mitglieder einer in der Spandauerstraße zu Berlin wohnenden jüdischen Familie erkrankten nach der Mittagsmahlzeit unter eigenHümlichen gleichartigen Symptomen. Die herbeigerufenen

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