Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1872)
- Date
- 1872-08-06
- Page
- Seite 628 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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allem, in Leibnitz und Schopenhauer verkörpert. Der junge Gelehrte, der älteste Sohn des berühmten wiener Predigers, wM nach , wie der wissenschaftliche Standpunct der beiden- Philosophen vor allem eine Folge der Zeit, in der sie lebten, und ihrer individuellen Anlagen und Erlebnisse ist, wobei wir freilich nicht-,jede Einzelheit in seiner Darstellung unterschreiben möchten. Schopenhauers Pessimismus wird , dann mit vielem Geschick und, Scharfsinn aus dessen eigenen Voraussetzungen heraus bekämpft, bei Leibnitz, wenn auch absichtlich nicht die Richtigkeit seiner Grundlagen,, so doch die innere Consequenz und Harmonie seinesoptimistischen Systemes dargethan. Auch die Schreibweise des Schristchens ist fließend, klar und correct.—: Gehen wir von diesem allgemeinen Felde wieder auf das speciellere der jüdischen Philosophie über - das ja ..seit dem letzten Jahrzehnte mit wachsendem Eifer und Erfolg angebautwird. „Studien über jüdische, insonders-jüdisch-arabische . Religionsphilosophie, von , Dr. A. Schmiedl, Rabbiner in Proßnitz. Wien 1869." Das Buch ist eine überaus fleißige, mach den Quellen gearbeitete . Darstellung,; der Ansichten der jüdisch-mittelalterlichen Philosophie über die wichtigsten philosophischen Fragen: den Gottesbegriff, die Lehre von den Attributen Gottes, Argumente für die Einheit Gottes u.s.w. Wir bezweifeln nicht, daß das Buch zum Nachschlagen , recht nützlich sein wird, wenn man sich über die . innerhalb der mittelalterlich-jüdischen Kreise für oder wider einen philosophischen Satz angeführten Beweise unterrichten will. Aber im ganzen müssen wir die Anlage des Buches durchaus verwerfen. Ein Buch, welches eine vielhundertjährige philosophische Entwickelung schildert, kann nicht, dogmatisch, darf nur historisch verfahren. Es kann durchauskein wahres und zuverlässiges Bild entstehen, wenn unter allgemeinen und dann immer weiter specialisirten Capiteln die Lehrmeinung bald dieses, bald jenes Denkers aus weit entlegenen Jahrhunderten ganz aus dem Zusammenhänge des bestimmten Systemes gerissen dargestellt wird. Dogmatisch läßt sichdie Lehre eines einzigen Philosophen oder höchstens einer der Zeit und . dem Gedankenstoffe nach engbegränzten Schule schildern, nicht aber, wie gesagt, eine fast tausendjährige vielseitige Entwickelung. — „Allgemeine Zeittafeln zur Benutzung der jüdischen und christlichen Zeitrechnung für die Jahre 5501—5661 gleich.1740—1901 resp. 1940,/ von H. Lewy. Berlin." Das Büchlein ist , m seiner Art - vortreffliche Es erlaubt uns 'mit leichter Mühe die Vergleichung der jüdischen und christlichen Daten innerhalb von-zweihundert Jahren. Möge man nun'von dem jüdischen oder dem christlichen Datum ausgehen, manfindet leicht das entsprechende des andern Calenders. Die Daten der jüdischen und christlichen Feiertage jedes Jahres und der Neumonde find genau angegeben. ' Es folgen Tabellen zur Berechnung der jüdischen und christlichen Schaltjahre, zur Vergleichung mit dem in Rußland rc. noch gebräuchlichen Manischen Calender, über die - Zeit des Erscheinens der Sterne rc. Das- Büchlein, welches, so weit wir gesehen, im ganzen genau-und richtig ist,'sollte in keinem jüdischen Hause fehlen. — „Leggönde Talmudiche, da David Castelli. Pisa 1869." Das Werk, nicht für. die Gelehrten, sondern für das große Publicum, auch' das christliche, berechnet, ist in diesem Sinne recht lobenswerth. Allerdings verspricht es wehr, als es giebt, denn die ausgewählten Legenden sind, mit Ausnahme von dreien, sämmtlich dem Tractate Berachoth entnommen. Der Verfasser giebt zunächst als Einleitung eine ausführliche, klare und anziehende Darstellung des Wesens , der Einrichtung und der Sprache sowie der neuern Uebersetzungen des Talmuds, alles gewissenhaft' Nach den jüngsten Werken über diese Materie gearbeitet. In der Auswahl der Legenden folgte er nicht der gewöhnlichen Methode , nur die anmuthigen oder erhabenen herauszuheben, sondern übersetzte auch einige gewöhnliche und selbst unschöne, um ein getreues Bild dieses Theiles der hebräischen Literatur zu geben. Gewiß ist diese Weise die im Grunde richtigere, und der vernünftige und wirklich wißbegierige Leser wird -sich von ihr nicht abschrecken lassen. — „Das Sprichwort der hebräisch-aramäischen Literatur mit besonderer Berücksichtigung der neueren Umgangssprachen, von Dr. M. C. Wahl. Erstes Buch. Leipzig-1871." Die vergleichende Sprachwissenschaft und die völkerpsychologischen Studien der letzten Jahrzehnte haben vielfache gründliche und belehrende Arbeiten gerade auf dem Gebiete der Sprichwortliteratur zur Folge gehabt. Cs ist erfreulich, in dem vorliegenden Werke den Beginn einer umfassenden Arbeit über diesen Gegenstand innerhalb der jüdischen Literatur zu erhalten. Daß der Verfasser das jüdische Sprichwort überall mit dem modernen in Verbindung setzt, ist schon an sich gewiß sehr belehrend; aber der Herr Verfasser hat > dabei noch ein anderes schönes und edles Ziel vor Augen : auch^