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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-08-06 · Heft 32 (6.8.1872) · p. Seite 626

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 32 (6.8.1872)
Date
1872-08-06
Page
Seite 626 (sequence 4)
Language
German
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Schandthajen sich wahrscheinlich wiederholt und einen ' unübersehbaren Umfang angenommen hätten. Denn es kann kein Zweifel mehr darüber bestehen, daß das rumänische Volk zu den gränzenlosesten Freveln an den Juden geneigt, die rumänische Regierung, welcher Partei sie. auch entstammt sei, dieselben zu dulden und womöglich zu schärfen bereit," und der Fürst Karl sie zu verhindern unfähig ist. Mehr als eine solche Voraussetzung können wir bis jetzt in dem Erfolge der Anstrengungen, welche gemacht worden sind, nicht erblicken. Auf das vollbrachte Attentat haben sie keine Wirkung geübt. Schlimmer konnten die Folgen in einem Lande nicht, sein, wo die bürgerliche Unsicherheit und die corrumpirteste Rechtspflege zu Hause wäre. Dies ist bis jetzt erreicht worden. Man sprach eine Zeit lang von einem abermaligen gemeinsamen Vorgänge der europäischen Regierungen in Bukarest. Kostaforu soll deshalb nach Konstantinopel geeilt sein. Er giebt vor , die Sache vereitelt zu haben. Wäre dies der Fall, so hätte Herr Kostaforu das im Eingänge erwähnte Pamphlet nicht geschrieben. Weiteres wissen wir nicht. Von dem Versuche, daß die Finanzwelt Rumänien ihre Pforte schließe, verlautet bis jetzt nichts. So steht die Sache, und dies vielleicht hat den greisen Sir Moses Montefiore bewogen, nach Petersburg zu gehen, um den russischen Kaiser für diese Angelegenheit zu interessiren. Von der persönlichen Gesinnung.Alexanders II. haben wir die günstigste Meinung; aber der Gang der russischen Politik ist ein zu bestimmter und consequenter, um eine Aenderung erwarten zu lassen. Die Ministerialconseren;. - ii.*) Wir haben über die sechste Sistung der vom Unterrichtsminister Dr. Falk berufenen, das Volksschulwesen in Preußen bemühenden Conferenz, welche Sitzung den jüdischen Seminarien gewidmet und zu der deshalb als Sachverständige die Herren Rector Horwitz und Landrabbiner Di*. Meyer zugezogen waren, in Nummer 27 eine Correspondenz gebracht, in welcher zwar über die Referate der beiden genannten Herren ausführlich berichtet wurde, jedoch weniger über die auf diese gefolgten Aeußerungen der Conferenzmitglieder. In diesen Tagen wurde nun das Juliheft des „Centralblattes für die gesammte Unterrichtsverwaltung in Preußen" ausgegeben, welches die in der Conferenz aufgenommenen Protokolle veröffentlicht. Zur Erwägung unsrer Correspondenz in Nr. 27 fügen wir daher hier das hinzu, was an der gedachten Stelle über den weitern Verlauf dieser Sitzung mitgetheilt wird. Fix machte Mittheilungen über das in Westphalen von Heindorf gegründete jüdische Seminar und meinte, dasselbe habe hauptsächlich daran gekrankt, daß die Gemeinden nicht gezwungen worden seien, die von ihnen gewählten Lehrer definitiv anzustellen; das habe diebesseren Elemente vom Lehrerberufe abgeschreckt. Hierauf erklärte Geh. Oberregierungsrath Stiehl, daß die Anstellung der jüdischen Lehrer an öffentlichen Schulen*) unter denselben Bedingungen wie die der christlichen Lehrer erfolge: nach bestandener Prüfung und Nachprüfung stelle nicht die Gemeinde, sondern der Staat die Lehrer definitiv an; nur an Privatschulen könnten, die Lehrer in einem Accordverhältnisse auf Kündigung stehen. Auf die Anstellung von Religionslehrern an jüdischen Schalen habe der Staat jedoch keinen Einfluß. Spieker bemerkte, daß dem jüdischen Seminar in Hannover nicht der Charakter einer Staatsanstalt, sondern nur der einer milden Stiftung beigelegt worden sei.**) Die Frage, ob ein Bedürfniß bestehe, jüdische Lehrer auszubilden und besondere Seminare dafür einzurichten, wurde von einem Mitgliede verneint, welches das Aufhören des Confessionalismus auch bei den Juden wünschte, damit eine Gleichberechtigung auf dem Gebiete der Schule dadurch erzielt werde, daß Christen und Juden eine gemeinschaftliche Schule bildeten (Paur). Von einem anderen Mitgliede wurde die Frage nach dem Bedürfniß der Ausbildung jüdischer Lehrer wegen *) Herr Stiehl spricht hier von der Anstellung jüdischer Lehrer an öffentlichen Schulen, meint aber nur diejenigen jüdischen Schulen damit, welche für öffentliche erklärt wurden, deren es in der Provinz Posen viele, außerhalb derselben nur wenige giebt. Die anderen jüdischen Schulen werden bekanntlich in Preußen als „Privatschulen" betrachtet. Red. d. A. Z. d. I. **) Man merke diese Sophistik, welche, um ein jüdisches Seminar zu berücksichtigen, ohne ihm einen öffentlichen Charakter beilegen zu wollen , daraus eine „milde Stiftung" macht! So hilft sich die officielle Unduldsamkeit, von der man wohl fragen kann, wie sie sich von dem vielverschrieenen Jesuitismus unterscheide. Red. d. A. Z. d. I.

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