Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1872)
- Date
- 1872-08-06
- Page
- Seite 625 (sequence 3)
- Language
- German
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emsordert/ um so erkennbar zu machen, wo und wie damit - vorzugehen sei, um nach Möglichkeit für die Gesammtheit des Bedürfnisses zu-sorgen; daß er alsdann Bezirksverbände dafür in's Leben ruft und hiernach' sich der Bedarf herausstelltfür welchen die Centralcasse einzutreten habe. Es ist dies freilich ein sehr schwieriges Werk, das auch einer langen und ausdauernden Anstrengung bedarf, ein Werk, dessen vollständige und 'schnelle Ausführung in einem kurzen Zeiträume nicht zu erwarten steht; auch glauben wir nicht, daß es thunlich sei, sofort alle diese Zweige mit einem Male in Angriff zu nehmen, sie aber doch von vornherein in's Auge zu fassen. Ja, wir hegen die-Ueberzeugung, daß, so außerordentlich groß diese Aufgabe ist, einem ernsten, umfassenden und unermüdlichen Streben es dennoch gelingen wird, sie mit der Zeit zu lösen. Wir haben allerdings schon bei mehrfachen Gelegenheiten die Idee auftauchen gesehen, für irgend einen Zweck Bezirks- oder Provincialvereine innerhalb eines Gesammtverbandes zu bilden. Woran diese Idee immer scheiterte, war vorzugsweise der Umstand, daß diesen Vereinen keine genügende Thätigkeit, außer etwa Gelder zu sammeln, verblieb, oder denselben, wenn der Zweck bedeutende geistige Kräfte erforderte, diese in dm einzelnen Localitäten fehlten. Bei den hier vorliegenden Zwecken ist es anders. Die Centralstelle hat nur die Anleitung zu geben und, wo es nothwendig ist, Aushülfe zu gewähren; die besondere Thätigkeit verbleibt immer den örtlichen Vereinen, und die Natur dieser Thätigkeit erfordert Einsicht und Eifer, wie sie überall'tüchtigen Männern einwohnen. Dieser Umstand und vie Dringlichkeit der Objecte flößen uns die Hoffnung ein, daß diesmal diese Idee > auf einen-fruchtbareren Boden fallen wird. Zugleich sieht man leicht eindaß nur auf diesem Wege die Wanderbettelei auch in positiver Weise beseitigt werden kann, insonders die in etwas ehrenhafterem Gewände, die ein berechtigteres Bedürfniß zum Vorwände ihres Hülferufes macht. Wir werden nicht anstehen, sobald die Ausführung weiter vorschreitet, auf einzelne der oben besprochenen Gegenstände zurückzukommen. Was ist m UumSmen erreicht? Herr Kostaforu, Minister von Rumänien, hat sich von dem Fiäsco; welches^ seine Cireularnote gemacht hat, nicht abschrecken lassen, sondern' dictirte seinem''Secretät eine Broschüre in die Feder, die er unter dem' Titel „!a M68tion isi'LÄile" in Konstantin opel während seines Aufenthaltes daselbst anonym erscheinen ließ. Dieselbe frischt nur die Läügnung der offenbarsten Tatsachen und die schwärzeste Verläumdüng der Juden noch' umfänglicher auf, ohne etwas Neues zu bringen; den' Mangel an allen Beweisen theilt das Pamphlet mit der ihm vorangegangenen diplomatischen Note. Nur Eines' erweist es, den Bittern Haß, den dieser Minister gerade wie seine rochen Vorgänger gegen die Juden hegt, sowie daß er ebenso wie jene zu allen Werken des Lugs und Unrechts bereit ist. Dies führt uns zu der Frage: was ist eigentlich in Rumänien erreicht worden? Die sämmtlichen Agenten der auswärtigen Machte in Bukarest — mit Ausnahme des russischen — richteten wiederholt Protestnoten an die rumänische Regierung; die gesämrM europäische und amerikanische Presse — mit Ausnahme der ultramontanen — erhob sich mit Entrüstung gegen die rumänische Barbarei; das englische Unterhaus^ der amerikanische Congreß, die beiden Häuser des italienischen Parlaments, der deutsche Reichstag sprachen sich entschieden gegen die Vorgänge in Rumänien aus , und verlangten von ihren Regierungen, gegen die Wiederholüng solcher Scenen und Schandthaten einzuschreiten/ der deutsche Bundesraih belobte den Reichscanzler - wegen' seiner Bemühungen zu Gunsten der Verfolgten, und ersuchte ihn um fernere Anstrengungen in dieser Angelegenheit. Der Reichscanzler, Lord Granville und Visconti Benosta versprachen solche; in London und im Wäg wurden Meetings von den angesehensten Christen und Juden abgehalten, um das Treiben in Rumänien zu j verdammen. Was ist nun - durch' alles - dies erreicht morden? j Die Gemordeten sind gemordet, die Verwundeten ver- -wundet, die Geplünderten geplündert, die Geschändeten -geschändet — die Mörder, Plünderer und Schänder sind 'freigesprochen — jene erhalten keine Entschädigung, diese keine Strafe. Dagegen wurden fünf Juden verurtheilt,! obschon der Hauptzeuge seine Aussage öffentlich widerrief, da er sie nur unter den Mißhandlungen seitens -der Gerichtspersonen gethan; zwei von ihnen wurden „be-. jgnadigt" (UI), drei schmachten noch im Kerker. Dies ist das Resultat aller Anstrengungen, und man -muß sich über deren Werth keine Illusionen machen. ^Allerdings müssen wir voraussetzen, daß, wenn die ci-?vilisirte Mlt gleichgültig und stumm geblieben wäre, die