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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-08-06 · Heft 32 (6.8.1872) · p. Seite 624

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 32 (6.8.1872)
Date
1872-08-06
Page
Seite 624 (sequence 2)
Language
German
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von welcher nun wieder die Ausgaben bestritten werden müßten. Dies wäre ebenso wenig rathsam, wie übexhau^t. aKSfWbHr. . MImKr Magt dM Programm, daß , ^vo die emzelnen^GemeiMn die Mittel michtbesitzen, ausreichend für die HülfsSedÜrftigen ihres Ortes zu sorgen, Bezirksverbände in's Leben gerufen werden sollten, denen, falls sie eS benöthigten, aus der Caffe des Gemeindebundes ejft Zuschuß gewährt werde, zu welchem Zwecke diese Caffe mit reichlichen Mitteln zu versehen wäre. Zur Unterstützung dieser Idee stellen wir die Behauptung auf, daß außer den größeren Gemeinden alle Gemeinden nicht im Stande sind, ausreichend für die Bedürftigen ihres Ortes zu sorgen, wenn wir hierunter eben mehr verstehen, als das bloße Fristen des Lebens für die notorischen Armen, vielmehr alle Hülfsbedürftigkeit von den Kindern bis zu den Greisen, und daß eben darum immerfort zahllose Hülfessuchende aus den Mittlern und kleinen Gemeinden nach den großen strömen, um in allen Gestalten und Formen zu betteln. Die größern Gemeinden contribuiren so schon jetzt mit sehr großen Summen für die Bedürftigen ,ihrer Genossinnen, nur daß sich hierbei alles zersplittert, alles .dem Zufall preisgegeben ist, die Hülfe oft denen zukommt, hie sie wenig, und denen versagt bleibt, die sie besonders verdienen, mit Einem Worte, dem Mißbrauche .und der Verzettelung Thür und Thor geöffnet sind. Man sieht also leicht ein, daß im Grunde hiermit nur -die regelmäßigen Canäle geschaffen werden sollen, durch welche, um im Bilde zu bleiben, das bereits vorhandene Master nach allen Seiten hin zur allgemeinen Bewässerung, zur richtigen Verkeilung über die ganze Flur geleitet, und vor Vergeudung und Versumpfung geschützt werden soll. Erwägen wir nun etwas näher , was wir in diese .Centralistrung einbegriffen glauben, und auf welchem Kege sie wohl der Ausführung näher gebracht werden .könne. Es -möchte wohl kaum daran gedacht werden, so ganz in's Allgemeine hinein eine Centralcaffe zu schaffenund aus ihr je nach einem Bedürfniß, das mit Ansprachen an sie heranträte, zu schöpfen. Vielmehr wird Mn wohl daran denken, die einzelnen Gebiete festzustellen, für .welche Mn überhaupt Bezirksverbände Herstellen und mtt der .Centralcaffe aushelfend wirken wolle. Wir henken zunächst an die Waisenpslege, sei es in Waisenhäusern, sei.es durch Unterbringen in geeigneten Familien, in. .einex .geordneten Meise. Hieran reiht sich die Sorge fstr ,die Rinder armer MteW, -sowohl ,in -Erziehung und Unterricht, als auch für ihre Ausbildung zu einem ordentlichen Gewerbe, wobei M unsrer Zeit das Leibliche (Geschlecht mHr qls .früher beh.acht.wird. Es ffosgen Darlehnscaffen, xum zur rechten ZAZdie ^Begründung und Fortführung eines Gewerbes aufdem Wege rückzahlbarer Darlehne zu unterstützen. Es gesellen sich hierzu Alterversorgungsanstalten, und die große Frage der Pensionscaffen für invalide. Gemeindebeamte und deren Hinterlaffene. Wir haben hiermit nur die großen Felder abgesteckt, ohne damit den Gedanken an noch-vielfache, einzelne Zweige, wie Stipendien für Studirende und Künstler, Ausstattung armer Bräute u. dgl. beseitigen zu wollen. Jedermann weiß, daß für alle diese wichtigen und dringlichen Aufgaben der Wohlthätigkeit bereits an vielen Orten Veranstaltungen unter unfern Glaubensgenoffen bestehen. Aber sie finden sich doch nur vereinzelt; nicht wenige der bestehenden sind noch mangelhaft ausgestattet, und können bei kärglichen Mitteln den Bedürfnissen nur theilweise abhelfen; auch giebt es ganze Provinzen , in welchen noch-.gar nichts dafür geschehen ist. Es ist nicht zu verkennen, -daß im großen Ganzen unsre Vorfahren in den-letzten Jahrhunderten, seitdem ihnen in den civilisirten-Ländern wenigstens Ruhe und Stetigkeit geworden ist, 'für aste diese Zweige wenig gethan haben, .indem sie sich hegnügten, in jedem einzelnen Faste was möglich war zuHun. Desto leuchtender tritt unsre Zeit hierin hervor, und die Gründung von Waisenanstalten, Krankenhäusern,'Asylen, Blinden- und Taubstummenanstalten wird immer häufiger. In der Regel geschieht dies aber nur an einigen wenigen großen Orten, wo überaus reiche Familien sich entschließen eine größere Summe zu einer derartigen Stiftung herzugeben. Man sieht also, haß piese Gedanken bereits m der Zeit lebendig sind, und daß es nunmehr darauf ankommt, sie zu verallgemeinern, sie überall zur Realisirung zu bringen, sie der Laune und den guten Einfällen einiger reichen Individuen nicht mehr zu überlasten, sondern die vorhandenen zahllosen kleinen Kräfte für sie zu vereinigen. Wir denken uns demnach die erfolg - und segensreiche Thätigkeit -des Gemeindebundes -so:, daß er zunächst nach allen Gegenden Deutschlands diese-seine Ziele in ganz bestimmten durchsichtigen Formen verkündet, das Bewußtsein ihrer Nothwendigkeit weckt, und die Wege der Verwirklichung aygiebt; daß er zugleich genaue Mittheilungen über alle vorhandenen Anstalten und Vereine, welche für diese einzelnen Zweige bestehen, ihre Mittel, ihre Wirksamkeit u.s.w.

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