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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-07-30 · Heft 31 (30.7.1872) · p. Seite 611

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 31 (30.7.1872)
Date
1872-07-30
Page
Seite 611 (sequence 9)
Language
German
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Oberlehrers einen Anderen wählt, und als dieser unter Intervention seines Vorstandes ablehnt, zur Wahl eines neuen schreitet , ohne dem sich noch in voller Wirksamkeit befindenden Oberlehrer auch nur irgend eine officielle Mittheilung hiervon zu machen. Wie eS mit der Sittlichkeit jenes Correspondenten bestellt ist, zeigt dessen Verläumdung, daß die Nachricht, welche ich in Nummer 26 dieser Blätter über die Rabbinerwahl in Hildesheim gegeben und die wahrscheinlich jene ganze Correspondenz veranlaßt hat, eine nicht ganz gerade Darstellung sei. Auf nicht ganz geraden d. h. krummen. Wegen zu gehen überlasse ich solchen, die, je nachdem es ihnen paßt, sich hierarchische Ucbergriffe erlauben oder, wenn sie angegriffen werden und über ihre gesammte Thätigkeit ein Verdammungsurtheil gefällt wird, sich einem einflußreichen Gegner gegenüber gar fein zu schmiegen suchen, ich dagegen wandle nach wie vor auf dem geraden Wege, was ich auch in der auf völliger Wahrheit beruhenden Mittheilung gethan habe, daß die Vacan; in Hildesheim dem hiesigen Landrabbiner zu Gute komme, der jenes Rabbinat gegen 500 Thlr. Gehalt nebst Sporteln verwalte. Darüber, ob vcr hiesige Landrabbmer das Provisorium in HildeSheim in die Länge gezogen habe oder nicht, habe ich kein Wort gesprochen, und der Correspondent, wenn er ein gutes Gewissen hat, hätte diesen Punct daher gar nicht zu berühren gebraucht. Mag demselben gegenwärtige Abfertigung einstweilen genügen; seinen künftigen Provokationen werde ich ebenfalls entgegen zu treten wissen. Cöln. 2. Juli. lPrivatm.) DaS hiesige Localcomils der Alliance hat einen Bericht über seine Thätigkeit bis zum 1. Juli 1872 veröffentlicht. Die letztere bestand in der Unterbringung von russisch-polnischen Knaben und Überwachung derselben behufs der Erlernung eines Metiers. Das Comits hat in der .Rheinprooinz zusammen 42 Knaben untergebracht, verpflegt und erzogen. Mir heben auS dem Berichte folgende interessante Stelle hervor: „Aber nicht alle , weder die in der Lehre verbliebenen. noch entlassenen Jünglinge. sind uns vom Hauptgränzcomits in Königsberg zugeschickt worden; wir haben vielmehr unsere Unterstützung auch denjenigen zugewendet, welche uns aus den hunderten von russisch polnischen Bettlern, die jahrein und jahraus Cöln passiren, besanderer Fürsorge nothwendig und würdig schienen, und wir müffen bekennen^ daß wir keine Ursache haben, das Überschreiten deS anfänglich enger gestellten Zieles zu bereuen. Denn einerseits glaubten wir, nur durch ein solches Verfahren den wahren Intentionen der Alliance vollkommen gerecht werden zu können,^ andererseits erfreuen unS in der That gerade da die überraschendsten Resultate, wo wir unerwartet in die Zukunft derer Eingriffen, die im jugendlichen Alter dem gemeinen und entsittlichenden Dagabundiren preisgegeben waren. Allerdings sind dadurch auch unsere Ausgaben ansehnlich vermehrt worden und können noch leicht größere Dimensionen annehmen; wir hoffen aber auch, daß uns um so mehr Wohlwollen und Opferwilligkeit eutgegengebracht werden, je ersprießlicher die Thätigkeit ist, die entfaltet wird. Verhehlen wir aber auch nicht, welchen Geduldproben wir seitens der in Rede stehenden Knaben zuweilen ausgesetzt sind, zumal da, wo es sich um die Wahl des ihren physischen und intellectuellen Qualitäten angemessenen Metier handelt. Der flüchtige und zuweilen auch störrige Charakter derselben ist leicht geneigt, den kaum ergriffenen Beruf wieder zu changiren, und eS dauert immer geraume Zeit, bis sie deutscher Gesittung näher gebracht werden können. Auch das Sprachelement verursacht nicht geringe Schwierigkeit. Und wenn es leicht erklärlich ist, daß unrer der bedeutenden Zahl der. von dem veredelnden Einflüsse einer verständigen und liebevollen Erziehung intacc gebliebenen armen Jungen sich etwelche als Durchaus verkommen präsentiren, so können wir hinwiederum versichern, daß sich der größte Theil als gelehrig und geistig geweckt erprobt hat, und daß namenttich ihr Fleiß und ihre religiöse Führung, die wir streng controliren. nichts zu wünschen übrig lassen. Noch mehr, es sind einige sogar so exemplarisch wacker und übertreffen in so hohem Grade die in sie gesetzten Erwartungen, daß wir durch sie selbst von christlichen Meistern mit Anerbietungen zur Ueberweiinng ähnlicher Lehrlinge angegangen worden sind, und nur bedauern, localer Verhältnisse wegen, nicht darauf cingehm zu könnend Die Einnahmen betrugen bis jetzt 2307 Thlr.. die Ausgaben dagegen 2623 Thlr., so daß also; gegenwärtig ein ziemliches Deficit in der Caffe besteht. Es erscheint uns daher nothwendig, daß der Eifer für diese Angelegenheit mit aller Kraft wieder erneut, das »Interesse des PublicumS wieder. aufzefrischt i 31

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