Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1872)
- Date
- 1872-07-23
- Page
- Seite 594 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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verübten Grausamkeiten ausgesprochen war. Cs wurde ein Comits erwählt, um solche Schritte vorzunehmen, welche es firr geeignet Hält, eine Besserung in der Behandlung der rumänischen Juden herbeizuführen. Man beschloß auch, Sir Francis Goldsmid von den Vorgängen in dieser Versammlung zu unterrichten. Herr Godefroi, ein Mitglied der holländischen Kammer, hatte einen Brief an die Versammlung gerichtet, der seine Sympathie mit derselben aussprach, sowie daß er, wenn es für nothwendig erachtet würde, an die holländische Kammer oder Regierung wegen seiner bedrückten Brüder appelliren wolle. Zu einem solchen Appell wurde die Zustimmung gegeben. (Nach Jew. Chron.) Donaufürstenthümer. Bukarest, 10. Juli. (Privatmitth.) Ueber den Erfolg, den Herr Kostaforu in Kdnstantinopel gehabt, schwebt noch immer Dunkel. Nach den-neuesten Nachrichten der Times war der Hauptzweck der Ministerreise der bekannte dringende Wunsch des Fürsten Karl, auch einen rumänischen Orden stiften und vertheilen zu dürfen. Dieses seit Jahren gehegte und betriebene Verlangen des Fürsten hat die Zustimmung der Pforte abermals nicht erhalten, und zugleich „wünscht die Pforte dringend, daß Rumänien die Israeliten auf besseren Fuß stelle, uw solchermaßen auswärtige Einmischung zu verhindern." Diese Erfolge stimmen allerdings wenig mit der Triumphatormiene, mit welcher Herr Kostaforu nach Bukarest zurückgekehrt ist. Dahingegen schreibt die K. Z.: „Die Turquie, die nicht ohne officiöse Beziehungen zu der ottomanischen Regierung ist, nimmt in der schwebenden Frage der rumänischen Judenverfolgungen eifrigst Partei für die Moldo-Walachen gegen die Juden. Beachtenswerth bleiben die folgenden statistischen Angaben, die, wiewohl sie als aus amtlicher Quelle entspringend angeführt wurden, immerhin noch objectiver Prüfung bedürftig erscheinen. Im Jahre 1859 lebten, der Turquie, zufolge, in den beiden Donaufürstenthümern im Ganzen 67,000 Juden. Zehn Jahre später, 1869, war die Zahl derselben auf 612;000 angewachsen. Während auf je Lausend Köpfe in England ein Jude, in Frankreich vier, in Oefireich dreiunddreißig Juden kommen, stellt sich das Berhältniß der Juden zu der Gesammtbevölkerung in der Walachei wie 112 und in der Moldau wie 290 zu 1000." Diese Angaben find durchaus falsch und sollen dazu dienen, die europäische Weltirre zu führen. Nach den genauesten Zählungen leben in Rumänien jetzt nicht Mehr als 215,000 Juden. Man kann sich dies auch leicht selbst überschlagen-, wenn man erwägt, daß gegenwärtig die Juden nur in den Städten wohnen dürfen, und außer Bukarest und Jassy die rumänischen Städte nur sehr gering bevölkert sind. Ein „Eingesandt" der „Rumänischen Post" warnt vor den Schwindlern, die bereits auf Grund der rumänischen Verfolgungen mit Bettelbriefen umherwandern, in den meisten Fällen mit gefälschten oder falschen Zeugnissen. Amerika. Texas, im Juni. In der Legislatur von Texas drückte ein Mitglied sein Mißfallen über ein Amendement betreffs der nochwendigen Vorschriften aus, um eine jüdische Wohlthätigkeitsgesellfchaft zu incorporiren. Obgleich Texas eine Republik in einer Republik ist, so ist doch Toleranz nicht immer Folge des Republicanismus, wie z. B. in der Schweiz. Einer der republicanischen Legislatoren drückte sein Erstaunen aus, daß Major Plumly, ein Mitglied der Legislatur von Texas, Interesse nehme an einer, wie er sagte, „Christ tödtenden Gesellschaft." Darauf erfolgte eine eindrucksvolle Rede des Major Plumly, in welcher er mit beredten Worten den Ruhm und die Verdienste der jüdischen Race darlegte und ihre Sache führte. Wir citiren hier einige Sätze: . „Der Werth einer Race oder einer. Nation, ebenso wie der eines Mannes; muß nach der Lebensfähigkeit, nach dem Muche und der Ausdauer geschätzt werden, mit welchen sie allen Lebensbevingungen begegnet- und sie beherrscht haben. Langer Bestand ift mehr' als alles andere ein Beweis der Kraft. Und was sind, hiernach beurtheilt, die Juden?' Zu einer so frühen Zeit, in der die Weltgeschichte sich noch in der Säge verliert, waren die Juden ein großes Volk. Sie besaßen damals wie jetzt alle Elemente eines nationalen Lebens und eines abgeschlossenen Volkes. Sie führten Krieg und schlossen Frieden. Sie hatten eine Sprache und Gesetze, eine Regierung, eine Literatur, Kunst und Handel. Ihre Gesetze wurden die Gesetze der Welt.