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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-07-23 · Heft 30 (23.7.1872) · p. Seite 595

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 30 (23.7.1872)
Date
1872-07-23
Page
Seite 595 (sequence 13)
Language
German
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Sie-' haben die- CivilisaLion geleitet undbeeinflußt. Ihre Politik wurde die Basis aller erleuchteten Regierungen. Sie Haben Helden gehabt, Könige und Königinnen, Propheten und Dichter. Und dieses Volk ist sogar noch in jetziger Zeit, obgleich zerstreut unter allen Nationen, durch das-unzerstörbare Band eines gemeinschaftlichen Glaubens und einer unsterblichen Hoffnung mit einander fest verbunden. Verfolgt und zerstreut, sind sie doch nicht mngekommen. Gedrückt und selbst unterdrückt, bricht sich ihr zähes Leben durch fast alle Canäle der menschlichen Tätigkeiten in der ganzen Welt Bahn. Vom politischen Leben hinweggedrängt, sind sie nach allen anderen Richtungen desto mehr gewachsen. Dieselben wunderbaren Elemente, welche sie zu einem besonderen Volke machten und die sie überall unter der Sonne durch alle Jahrhunderte aufrecht erhielten, sind noch jetzt ihre charakteristischen Eigenschaften. Jedes jüdische Kind verkörpert und verjüngt ,in hohem Grade die Politik und den Glauben Israels. Verfolgt und zerstreut, hat ihr Heroismus und ihr Genius sie nicht verlassen. Sie können so gut Helden wie Geschäftsleute sein. In jeder Richtung menschlichen Einflusses machen sie sich geltend. Babylon und seine Völker sind untergegangen und selbst ihre Geschichte ist zur Mythe geworden. Aber die Gefangenen von Jerusalem, die ihre Harfen an die Weiden Babylons hingen und weinten, wenn sie Zions gedachten, leben noch heute in ihren Abkömmlingen, erforschen die Ruinen der mächtigen Stadt und bestätigen die Geschichte ihrer Vorfahren. Die Christen dürfen vor allen anderen Völkern die Juden nicht unterschätzen. Sie waren die Wächter unserer religiösen Ideen, die Urheber unseres christlichen Beispiels. Ihre Literatur wurde zu unseren kanonischen Büchern." Nach t r a g. München, im Juli. (Die „Wahrheit.") *) In den baierschen Gemeinden ist Alles füll.. Nur in München rührt sich's. Die Cultusfection in der Gemeindevertretung beräth bereits die Reformen, welche *) Die „Wahrheit" hat in der Nummer, der wir Obiges entlehnen, vergessen, beinernem Leit- und einem FeüMetonartikel, die sie uns entlehnte, die Quelle anzugeben. Die Redaction. in der neuen Synagoge eingeführt werden sollen. Beschlossen ist, den Beginn' der Morgengottesdienste an Sabbath- und Festtagen auf eine spätere Stunde zu verlegen, die Schemone-eßre nur einmal, Gemeinde und Vorsänger gleichzeitig, zu beten, eine Orgel soll angebracht, jedoch von dem Rabbiner dahin modificirt, nur an den hohen Festtagen, bei Trauungen, rc. nicht aber am Sabbath gespielt werden, und das selbstverständlich von einem Nichtjuden. Das Thoravorlesen soll gedrittheilt werden, jedoch ist noch nicht definitiv beschlossen, ob im dreijährigen Cyclus oder in den Sabbath- und Wochengottesdiensten am Montag und Donnerstag. Die Berathungen sind noch im Gange und werden zu weiteren Veränderungen führen. Möge man nur bald zum Baue der neuen Synagoge schreiten, welche, wie schon berichtet, nach dem Plane des Bauraths Oppler in Hannover, genehmigt von dem Professor Schmiedt in Wien, gebaut werden soll, welcher Bau auf 500,000 st. veranschlagt ist. 1000 Männer- und 900 Frauenstände werden darrst angebracht, auch wird ein Keines Local zur Abhaltung der voraussichtlich wenig besuchten Wochengoftesdienfte eingerichtet werden. Das Fertigen der Baupläne und die eingeholten Gutachten rc. allein haben mehr als 5000 Gulden Kosten verursacht.. Man will eben etwas Ausgezeichnetes bekommen, und die reiche und zahlreiche Gemeinde scheut keine Kosten. A » z e f g e ff. C o n g n r 8. In unserer Gemeinde ist mit dem 1. Oktober 1872 die Stelle eines. Cantor-Lehrers vacant. Jahresgehalt 700 fl. ö. W., außerdem bedeutende Emolumente. Zeugniffe mit: Angabe des Familienstandes sind bis 1. September d. I. zu richten an Aron Mittelmann^ Präses Alsü-Kubin (Ungarn), im Juli 1872. Pleschen, den 20. Juni 1872( . Die, zweite Lehrerftelle an unsererReligionsfchule, in welcher nur Hebräischgelehrt wird, ist spätestens zum 1. December c. zu besetzen. Unterrichtsstunden'wöchentlich 22. »Gehalt 300 Thlr. Geprüfte Lehrer, welche im Hebrmschen tüchtig sind, wollen sich unter Einreichung ihrer Zeugnisse bei dem Unterzeichneten baldigst schriftlich meldem . Der Borstand der jüdischen Religionöschule. Joachim.

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