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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-07-23 · Heft 30 (23.7.1872) · p. Seite 592

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 30 (23.7.1872)
Date
1872-07-23
Page
Seite 592 (sequence 10)
Language
German
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Gaben Herrn Geh.. Commercienrath B. Liebermann (Unter den Linden 6) einzusenden. Ein Organisationsstatut zur Beseitigung der Wanderbettelei ist augenblicklich Veranlassung lebhafter mündlicher und schriftlicher Conferenzen mit Männern von hervorragender Erfahrnngstüchtigkeit auf diesem Gebiete. Hauptgegenstand der Berathungen ist die Centralisation der internen deutschen Armenpflege und die Errichtung vonGränzcomitss an den Mündungspuncten der meistbenutzlen Einwanderungsstraßen an der östlichen Gränze. Zu anregenden Vorschlägen über diese' Puncte, sei es in der Presse, sei es in Privatzuschriften an den Ausschuß, wäre jetzt noch der geeignete Zeitpunct. Sehr spärlich gehen die kürzlich zur Ausfüllung entsandten statistischen Schemata ein, und ein rascheres expedittves Verfahren der einzelnen Bundesgemeinden wäre im Interesse der Sache dringend geboten. Auö dem Elf aß, im Juli. (Privatm.) Das große und schwierige Problem, Elsaß mit seinem geschichtlichen Mutterlande wieder zu versöhnen, und seine Sympathien Deutschland zuzuwenden, wird Schritt vor Schritt gelöst, und blicken wir auf den zurückgelegten Weg, so kann man im Verhältniß zu der kurzen Zeit sehr zufrieden sein. Unsere Hauptmacht im Elsaß beruht gegenwärtig in unsrem Oberpräsident Möller, der an Klarheit des Verstandes, Schärfe des Urtheils, Fülle von praktischer Erfahrung, Großartigkeit seines Blickes, wohlwollender Gesinnung und Herzlichkeit, sowie unermüdlicher Arbeitskraft seines Gleichen sucht. Gegen ihn fallen alle Anderen, auch die Tüchtigsten, vollständig ab, und wir dürfen von seiner Wirksamkeit das Beste hoffen. Neulich.Hat er eine Rundreise durch das Oberelsaß gemacht und dort so befriedigende Eindrücke bekommen, daß er meinte, in wenig Jahren würde die Hauptsache gemacht sein. Ueberhaupt stehen die Verhältnisse so, daß, wenn jetzt eine allgemeine Abstimmung stattfinden würde, die Majorität sich trotz aller wirklichen und gekünstelten Sympathien für Frankreich doch für die geordneten Verhältnisse in Deutschland entscheiden würde. Von den einzelnen Verwaltungszweigen will ich nur die kirchlichen Verhältnisse mit einigen Worten berühren. Zu der protestantischen Kirche steht die Regierung, nachdem die bösen Nachwirkungen der Reförmationsversuche des Generalgouverneurs und des vr. Fabri beseitigt sind, auf dem besten Fuße. Auch die Israeliten fangen an, mehr und mehr Vertrauen zur Regierung zu bekommen. Einen gerechteren und vorurteilsfreieren Mann als Möller können sie auch nicht finden. Hinsichtlich der israelittschen Kirchenverfassung ist noch eine Hauptfrage in der Schwebe, die Frage nämlich, ob ein Ersatz für das Centralconsistorium in Paris zu schaffen, oder dessen Befugnisse theils an die Bezirksconsistorien, theils an den Staat übertragen werden sollen. Die Bezirksconsistorien sind in dieser Frage nicht einig, Straßburg ist für die erste, Metz und Colmar für die zweite Alternative. Der Oberpräsident ist, glaube ich, mehr für die erstere Ansicht, weil die zweite zu einer lästigen Einmischung des Staates führen könnte. Er will aber, bevor er sich entscheidet, die Gutachten hervorragender deutscher Israeliten einholen. Auch die Verhältnisse zur katholischen Geistlichkeit sind nicht so ungünstig, wie dies nach den Herzensergüssen der ultramontanen Blätter scheint. Die altkatholischen Kämpfe sind Elsaß-Lothringen unbekannt. In Elsaß-Lothringen herrscht blinder Glaube, oder gänzliche Indifferenz, tsrtinm non datur. Die eigentlichen Streitpuncte drehten sich bei uns um die fortdauernde Gültigkeit der organischen (?) Artikel und des auch als Gesetz publicirten Concordats. Dabei war aber das klare Recht auf Seiten der Regierung und konnte daher der Ausgang nicht zweifelhaft sein. Auch ist die katholische Geistlichkeit nicht wenig dadurch ägrirt, daß von den vielen ungerechten Begünstigungen, welche sie in dem katholischen und ultramontanen Frankreich namentlich in Bezug auf die Schule genoß, eine nach der anderen fällt. Endlich wirken die jetzigen Kämpfe in Deutschland nachtheilig ein. So ganz verbittert, wie in Deutschland, ist das Verhältniß aber doch noch nicht. Sehr viel ist auf dem Gebiete des Elementarschulwesens geschehen, und die neuesten Gehaltserhöhungen der Lehrer werden die Möglichkeit gewähren, manchen tüchtigen deutschen Lehrer herbeizuziehen. Die Stellung der Lehrer ist auch deshalb sehr einflußreich, weil sie meist zugleich Mairieschreiber sind. Posen, im Juli. Der Rabbiner vr. Feilchenfeld in Düsseldorf ist zum Gemeinderabbiner in Posen erwählt worden. - ■ :

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