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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-07-23 · Heft 30 (23.7.1872) · p. Seite 591

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 30 (23.7.1872)
Date
1872-07-23
Page
Seite 591 (sequence 9)
Language
German
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Es wurde in diesem Blatte jüngst bemerkt, daß die Zahl der jüdischen Einwanderer aus Polen und Rußland sich in den nordamerikanischen Staaten bereits außerordentlich vermehrt habe, so daß sie schon an vielen Orten den anderen jüdischen Colonisten an Zahl gleichstehen, oder sie gar übersteigen. Als ein Zeugniß hierfür kann man eine hebräische Zeitschrift ansehen, die bereits jetzt im zweiten Jahre in New York erscheint: s-jmnn p«a noiLi. Das Blatt bringt in flüssigem Hebräisch Berichte über die Weltereignisse und die das Judenthum berührenden Begebenheiten. Die Hälfte des Bogens wird von einer Rubrik i-mnn eingenommen von mannigfaltigem Inhalte. DerRedacteur nennt sich Hirsch Bernstein; die in dem Blatte vorwiegenden Namen gehören der polnischen Sprache an. — Nur um, wie gewünscht ward, über den Empfang zu quittiren, sei hier eines dreibändigen Werkes gedacht, das uns in diesen Tagen zugesandt worden ist: „Worte eines Psychologen zur Bezeugung von der Wahrheit. Von Feodor v. Reibnitz u. Rathen. Leipzig 1872." Der ganze Titel ist von solchem Umfange, daß er hier zu viel Raum einnehmen würde. In unserer langen publicistischen Laufbahn kamen uns von Zeit zu Zeit literarische Ergüsse einer Mystik zu, die jedoch keiner Schule und keinem Systeme, sondern eben nur einer mit der Logik in die Brüche gerathenen Persönlichkeit entsprungen waren. Sie waren aber verschiedener Art, besonders entweder mit eingebildeten politischen Zwecken, um als Messias die Juden zu einem Zuge nach Palästina zu bewegen, wie es 1834 geschah, oder harmloser, um verständliche und unverständliche mystisch-religiöse Ideen zu verbreiten. Letzteres ist in den vorliegenden Schriften der Fall. Der Verfasser hat die besten Absichten, einen reinen Sinn voll Liebe und Friedens; seine Gedanken aber sind völlig unklar, und er ist offenbar von dem Streben beseelt, sie noch unklarer auszudrücken.' Zeitungsnachrichten. Deutschland. Leipzig, 12. Juli. (Eingesandt.) Vom deutschisraelitischen Gemeindebunde. Die Zahl der Bundesgemeinden, die sich bis zur Einladung zum constituirenden Gemeindetag auf 96 belief und bis zum Gemeindetag selbst die ^Ziffer 113 erreicht hatte, ist.jetzt auf 124 gestiegen. Eine fernere erfreuliche Erweiterung des Bundes ist dadurch in Aussicht gestellt, daß die am 21. April d. I. in Ulm versammelten Vertreter der Kirchenvorsteherämter des Donaukreises zu Protokoll eine Resolution faßten, worin sie den gemeinsamen Anschluß sämmtlicher würtembergischen Gemeinden an den deutsch-israelitischen Gemeindebund für wünschenswerth erklärten und die israelitischen Kirchenvorsteher von Ulm beauftragten, vorbereitende Schritte zu diesem Zwecke zu thun. Auch im badischen Oberlande hat sich auf Anregung der Gemeinde Eichstetten eine erfolgverheißende Regsamkeit fürden Gemeindebund entwickelt. — Die ausläirdischen Ge nossensch äften ähnlicher Tendenz haben dem Gemeindebunde fortdauernd ihre Sympathie zu erkennen gegeben, und besonders hat bie A n g 1 o - J e wi s h - A s 800 i a t i o n (London), einer Aufforderung des Ausschusses entsprechend, für die Bekämpfung der Wanderbettelei ihre Mitwirkung zugesagt und bereits theilweise bethätigt.' Doch schweben über eine zweckentsprechende Erweiterung der vorgefchlagenen Maßregeln noch Correspondenzen. — Auch der Cülturverein der Israeliten in der Schweiz (Vorsitzender Rechtsanwalt Guggenheim in Baden) hat für Fragen von internationaler Tragweite gemeinschaftliche Thätigkeit in Anregung gebracht. — In Bezug auf die Judenfrage in Rumänien haben sowohl deutsche Gemeinden wie ausländische Vereine (die Anglo- Jewisli-Association, das Roumanian Committee in London, die Board of Adeptes *) American Israelite) den Gemeindebund zu gemeinsamem Vorgehen eingeladen. Der Ausschuß ist mit dieser Frage ernstlich beschäftigt und wird in nächster Zeit mit den gewonnenen Resultaten vortreten. Die Frage, was außer augenblicklichen Hülfsleistungen für die Opfer der dortigen(??) anzustreben sei, ist schwierig, und von Seiten rumänischer Glaubensgenossen sind die bisher kundgegebenen, auf praktische Ziele hinstrebenden Anträge als nicht ausreichend für den Kern der Sache bezeichnet worden. Der Ausschuß wird daher nach Anhörung einer Reihe hervorragender rumänischer Persönlichkeiten auch seinerseits Vorschläge machen. In Bezug auf die Geldsammlungen hat er es nach Verabredung mit Herrn Professor Dr. Lazarus vorgezogen, sich dem berliner Comits anzuschließen, und ersucht die Bundesgemeittden, alle speciell für die rumänische Angelegenheit bestimmten ♦) * vielleicht falsch, aber nicht fcUtefetu

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