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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-07-23 · Heft 30 (23.7.1872) · p. Seite 590

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 30 (23.7.1872)
Date
1872-07-23
Page
Seite 590 (sequence 8)
Language
German
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Verfasser bestimmen ließe. Der Herausgeber läßt es sich angelegen sem. die Analogien nachzuweisen, welche viele Stellen mit haggadischen haben, woraus hervorgeht, daß auch nachmuhammedanische Schriftsteller in Merührung mit Juden standen, und Anschauungen, Hentenzen und Legenden dem Judenthume entlehnt HLben, das dieselben allerdings nicht selten erst vom Parsismus überkommen hat. Zu einem Vergleiche fordert dies immerhin heraus, und es ergibt sich dann selbst dem Vorurtheilslosen der Schluß, daß in den jüdischen Schriften derartige phantastische Vorstellungen vom Jenseits eben nur hie und da vom Volksgeiste geboren und dem Volksgeiste hingegeben sind, ohne ein zusammenhängendes Gemälde zu bilden und irgend eine Geltung in der jüdischen Denk- und Lehrweise zu erlangen,- im Islam hingegen völlig durchgearbeitet und zu einem Theile des islamitischen Lehrgebäudes wurden, abgesehen davon, daß den jüdischen Lehrern nie eine Verheißung wollüstiger Befriedigungen entquoll, während diese in dem islamitischen Gemälde eine Hauptrolle spielten. Die Arbeit des Verfassers hat darum einen culturhistorischen Werth, wenn sie auch der strengen Wissenschaft keine außergewöhnliche Bereicherung verschafft. Wir wünschen aufrichtig, daß dem Verfasser in seinem unermüdlichen und uneigennützigen Bestreben, das er trotz seiner Entfernung von den eigentlichen Mittelpuncten der Wissenschaft mit großen Opfern fortsetzt, nachdrückliche Aufmunterung zu Theil werde. — „Ben Dosa und seine Zeit oder der Einfluß der heidnischen Philosophie auf das Judenthum und Christenthum in den letzten Jahrhunderten des Alterthums von vr. M. Friedländer. Prag 1872, Ottomar Beyer." Wer unsere Referate liest, weiß, daß wir aufrichtig bedacht sind, jedes schriftstellerische, besonders wissenschaftliche Streben auf unserem Gebiete anzuerkennen und die aus solchen fließenden Arbeiten möglichst zu fördern. Wir übersehen deshalb Schwächen, welche einem sonst tüchtigen Werke anhasten, und Heben lieber seine Vorzüge hervor. Indessen giebr es hierin doch ein Maß, das nicht überschritten werden darf. Es ist nicht zu verkennen, daß seit einigen Jahrzehnten eine nicht geringe Zahl von Glaubensgenossen in die Reihe der Schriftsteller eingetteten ist, denen die Befähigung nicht mit vollem Rechte zugesprochen werden kann. Wissen, und selbst Scharfblick und einige Einsicht genügen nicht, um Jemandem vaS Recht zu verleihen, mit seinem GeifteSerzeugniß in die Oeffentlichkeit zu treten. Hierzu gehört auch besonders logisches Denken und die Fähigkeit, die rechte Form und den rechten Ausdruck zu finden. Hieran aber gerade fehlt es vielen jüdischen Autoren, und die jüdische Literatur ist nach dieser -.Richtung hin gerade wie die jüdische Homiletik sichtlich zurückgegangen. Es ist dies sehr zu bedauern, denn es wird hierdurch Verworrenheit und Geschmacklosigkeit gerade unter den Jüngern der jüdischen Wissenschaft und Literatur genährt, und nach außen hin Vorurtheil und Mißachtung für jüdische Schriften von neuem hervorgerufen und durch Beweise gestützt. Wir können uns nicht enthalten, diese Aeußerungen , die uns schon oft genug auf den Lippen lagen, bei diesem Schriftchen zu thun. Wir wollen ja nicht dem Verfasser Kenntnisse und manches richtige Verständniß des von ihm behandelten Gegenstandes absprechen. Aber seine Darstellungsweise läßt zur Würdigung dessen nicht gelangen. Dem Verfasser geht jeder correcte Stil, jede richtige Ausdrucksweise ab, und wir müßten viele Seiten füllen, wollten wir nur eine kleine Auswahl der auffälligsten Stetten hier wieder geben. Wir entnehmen nur einige Beispiele aus der Einleitung. S. 1: „Ließen wir uns von dem phantastisch-zuge schnitzten Kleide der Sage blenden." S. 2: „Sein körperliches Auge nur will gesättigt sein, sein geistiges ist zu schwach, zu wenig geschärft, um den porösen Lacken durchdringen zu können." Daselbst: der Denkende sieht über das Kleid hinweg, „oder er zieht Fäden daraus, deren Spur er dann mit scharfem Blick durch alle labyrinthischen Gewinde so lange verfolgt, bis er den Geist in seiner innersten Höhle erlauscht hat. Was uns betrifft, so wollen wir keinen einzigen, auch nicht, den geringfügigsten Faden unbeachtet lassen und jeder soll uns in seiner Weise den Weg durch Nacht und Nebel zeigen." S. 3 wird von einem „moderigen Gewände", von einer „bis zur Unkenntlichkeit ergrauten Gestalt" , von einer „Sonne, die nichts Schwarzes dulden soll" , von „durch Unverstand und Finsterniß auseinandergeriffenen Menschen" gesprochene S. 4 heißt es: „verfinsterte sich immer schwerer der jüdische Horizont, bis daß die Saatfelder endlich von Waffen starrten." — So geht es fort und fort. Was sich hierin offenbart, ist nicht blos „zugeschnitztes Kleid" des Verfassers, sondern erweist einen Mangel an rich-. tigern Denken, den der Verfasser erst überwinden muß, bevor er als deutscher Schriftsteller auftreten darf. —

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