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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-07-23 · Heft 30 (23.7.1872) · p. Seite 586

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 30 (23.7.1872)
Date
1872-07-23
Page
Seite 586 (sequence 4)
Language
German
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des Effäerthums waren die Beseitigung des Privateigenchums, indem sie . allen ihren Erwerb in die Bundescaffe schütteten, das Eheverbot, die gemeinsamen Mahlzeiten unter völligem Schweigen , und daß sie diese als eine Art Opfer oder gottesdienstlichen Act ansahen. Dies Alles begründet keinen Individualismus, sondern vielmehr ein Aufgehen des Individuums in den Bund, sowie in die Idee der höchsten Reinheit, die ja nichts als die Entäußerung der Individualität und der individuellen Zustände enthält. Sonst müßte ja das in der christlichen Welt entstandene Mönchs- und Klosterwesen, welches das Effäerthum noch steigerte, auch ein Ausfluß und Beweis des Individualismus sein, , während es in seinem Wesen und seinen Folgen das gerade Gegentheil war. ' (Fortsetzung folgt). Potsdam, 12. Juli. Wir verhält sich da« Ju-e»thum ju religiösen GelMen?*) Bereits dem heidnischen Alterthume war die Sitte eigen, sich in den Bannkreis des Heiligen zu begeben, d. h. auf die weltlichen Freuden zu verzichten, und unter gewissen Observanzen, welche Speise und Kleidung betrafen, die Enge und Abgeschloffenheit des Lebens zum Princip zu machen und dem Dienste des Heiligen sich zu geloben und gänzlich hinzugeben. Die ägyptischen Priesterschaften und Mysterien, der Bund der Pythagoräer und die orphische Genoffenschaft in Griechenland, das Institut der Vestalinnen bei den Römern beruhen auf diesen Anschauungen. Einen anderen Charakter nahm diese Sitte an, als das Christenthum die Geister beherrschte und vorzüglich den Sinn des weiblichen Geschlechts mit seinen Lehren erfüllte. Eine asketische Richtung bemächtigte sich desselben in hohem Grade, so daß es sich darin gefiel, dem Ehestand zu entsagen und mit religiösen Gelübden in den ausschließlichen Dienst des Heiligen zu treten. Aus dieser Zeit sind uns rührende Züge von großer Lieblichkeit im Leben der Christinnen aufbewahrt, die im Dienste *) Bei der jetzt zur Tagesfrage gewordenen Bedeutung der katholischen Orden ist der folgende Artikel von großem Interesse. Redaction. der Diakonie > Elenden und Bedürftigen reiche Liebe und Hilfe erwiesen. Aber gleichwohl ifk es bezeichnend, daß im vierten Jahrhundert Chrysostomos über dieselben Personen ein sehr absprechendes Urtheil fällt, indem>er ausruft: „Sie stecken in der Eitelkeit noch tiefer als die weltlichen Frauen. Sie vermeinen, ein außerordentliches Streben zu bekunden, wenn sie nicht nach Weibersitte leben und Gold, Perlen und Edelsteine nicht tragen. Ihr Uebel ist gerade die Gefallsucht, und ob ich durch auffallende Einfachheit, durch rauhe Kleider, durch Opfer und Selbstüberwindung zu gefallen suche, oder durch Gold und Seide, das macht keinen Unterschied. Sie täuschen und betrügen sich selbst und die Andern." Ein Zug der Weltentsagung ergriff die Geister immer stärker, und im vierten Jahrhundert bereits entstand das Mönchswesen, das mit dem Gelübde, die Weltlust zu fliehen, sich ausschließlich dem Religiösen zuwandte. Je nach der Anschauung, welche eine besondere Pflege in diesem Sonderleben fand, bildeten diese Weltflüchtigen verschiedene Orden und Körperschaften, in denen sie unter der Macht des Gelübdes während ihrer ganzen Lebensdauer zu verbleiben verpflichtet waren. Man kann nicht umhin, diesen Orden ein großes Verdienst um die Wissenschaft und Kunst des Mittelalters zuzuerkennen, da dieselben fast nur in den Klöstern Pflege und Entwickelung fanden; andererseits ist von ihnen die Schuld nicht zu trennen an der geistigen Gedrücktheit und Intoleranz, welche jener Zeit ihren Charakter verleihen, an den blutigen Schauspielen und grausamen Auftritten, die damals in Scene gesetzt wurden und seitdem sich nur zu oft wiederholten. Und es lag das alles in dem Wesen des Mönchthums begründet. Durch die einseitige Vertiefung in das religiöse Leben, das ohne Zusammenhang mit dem ganzen übrigen Dasein blieb; durch den willenlosen Gehorsam gegen das Ordensgelübde, das den Geist aus dem Zusammenleben mit der Umwelt löste, verlor dieser immer mehr den freien Schwung, die umfaffende Allgemeinheit seiner Kraft. Derselbe Zug, der ihm nur den beschränkten Kreis' des innern Lebens anwies, vereinigte alle Energie auf Einen Punct und erzeugte ein feuriges Vertrauen, das der Enge seines Gebiets entsprach, so daß unmerklich in dem Ordensgliede der Glaube an die eigene Unfehlbarkeit entstand und dieses sich in die Straße des Hochmuths, der Verwirrung und Verirrung verlor. Die weitere Entwickelung des Ordenswefens bezeugt auf's klarste diese naturgemäße Gewalt des Gelübdes , das

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