Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1872)
- Date
- 1872-07-16
- Page
- Seite 574 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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zu suchen für die Nebel, welche die Israeliten in Rumänien leiden. Natürlich hat die Regierung sich diesen Bemühungen angeschlossen. Obwohl kein italienischer israelitischer Bürger in den Donaufürstenthümern zu leiden gehabt, hat dennoch der italienische Agent allen möglichen Eifer entwickelt. Seine Aufführung war lobenswerth. Wir werden nicht ermüden, uns bis zu ihrer Lösung mit einer Frage zu beschäftigen, die in Wahrheit eine Frage der Menschlichkeit und Civilisation ist. Mamiani dankt dem Minister für seine Aufklärungen. Er glaubt, daß in der That Italien sich ehrt, wenn es die Verteidigung derer auf sich nimmt, die wegen ihrer Abstammung oder ihrer Religion leiden , wie dies in Smyrna und in den rumänischen Fürstenthümern der Fall ist. Italien bleibt dergestalt seinetU Titel als alma parens getreu. Ob nun die edlen Rumänen noch wagen alle diese Urtheile der höchsten gesetzgeberischen Körperschaften für gemacht und erkünstelt auszugeben? Wer sie kennt, muß leider diese Frage bejahen! — Und nun noch die Bemerkung: wie anders lauten jetzt die Nachrichten, die aus Rom kommen, als bis vor zwei Jahren, wo nur Nothrufe und Schmerzensschreie aus dem Munde unserer bedrängten Glaubensgenossen aus Rom erschallten. Donausürstenthümer. Bukarest, 28. Juni. Die hiesige Regierung läßt im amtlichen Blatte die Nachricht dementiren, daß eine europäische Conferenz wegen der rumänischen Judenverfolgungen in Aussicht stehe; sie hütet sich aber wohl, hinzuzufügen, daß die Großmächte neue gemeinsame Schritte in dieser Sache beabsichtigen und eben verhandeln. Jenes war nur Gerücht und eine Conferenz nie vorgeschlagen. Bukarest, 30. Juni. (Privatmitth.) Der amerikanische Generalconsul, Herr Benjamin Peixotto, hat folgende Adresse von den jüdischen Einwohnern von Ismail erhalten: Ismail, *7/29. Mai 1872. Hochgeehrter Herr! Durchdrungen von dem Bewußtsein der unschätzbaren Dienste, die Sie den Israeliten Rumäniens im allgemeinen und den unglücklichen Juden des rumänischen Theiles von Bessarabien im besondern geleistet, haben wir hiermit die Ehre, den innigen Dankgefühlen der tiefgefühlten Erkenntlichkeit, die unsere Herzen für Sie beleben, Ausdruck zu geben, obzwar unsere Sprache zu arm ist, unseren Gefühlen den wahren Ausdruck zu leihen. Sie haben nicht nur gehandelt, wie es Ihnen Ihre hohe officielle Stellung und Ihr Einfluß bei der rumänischen Regierung erlaubten, wozu Ihre hohe Begabung, Ihre seltenen Talente und Ihre ausgezeichnete Geschicklichkeit Sie befähigte, sondern auch wie ein Mann und Israelit, ausgestattet mit den innigsten Sympathien und dem wärmsten Mitgefühle für die Leiden Ihrer Nebenmenschen, für das Unglück Ihrer Glaubensgenossen. Sie haben unseren Wunden Balsam gereicht, unserer Noch materielle Abhilfe gebracht, unseren Klagen williges Gehör geschenkt, unserer Bekümmerniß Trost gespendet; Sie waren im Unglück unser Freund und Beschützer. .Wie können wir für so viel Selbstaufopferung, für so gränzenlose Hingebung, für so übermenschliche Güte genug Worte des Dankes finden! Wenn wir es dennoch unternehmen, uns einer so schwierigen Aufgabe zu unterziehen, so gehorchen wir nur einem Herzensdrange, der uns unwiderstehlich hinreißt, der Welt zu zeigen, was ein einziger Mann leisten kann, der wie Sie von so herrlichen Gefühlen beseelt, von so inniger Bruderliebe durchdrungen, von so erhabenen Principien geleitet ist. Und wenn ein Mann wie Sie, der Vaterland, Freunde und Verwandte verlassen, um, tausende von Meilen entfernt, den ganzen Reichthum seiner Talente, das ganze Capital seiner rastlosen Thätigkeit, der Befreiung und Beschützung seiner Glaubensgenossen zu weihen; der Gesundheit, Familienfreuden und geselliges Vergnügen diesem Zwecke opfert, nur durch das hohe Bewußtsein seiner Thaten und nicht durch so armseligen Dank wie der unsere belohnt werden kann, so wünschen wir hier wenigstens allen denen unserer Glaubensgenossen jenseits des Oceans innigen heißen Dank zu zollen, die Ihnen und Ihrem schwierigen Unternehmen an die Hand gegangen, Ihnen auf dem dornenvollen Wege zur Seite gestanden, Sie in Ihren edlen Bestrebungen unterstützt haben. Tausendfachen Dank Ihnen und jenen, und mögen Sie nicht ermüden, bis das schöne Ziel erreicht, nicht erlchmen, bis hunderttausenden Ihrer Brüder