Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1872)
- Date
- 1872-07-16
- Page
- Seite 575 (sequence 13)
- Language
- German
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Sicherheit des Lebens, ruhiger Besitz des durch schwere Arbeit erworbenen Eigenthums und diejenigen Rechte und Freiheiten errungen sind, die diese als des Lebens höchste Güter schätzen, bis heute aber noch entbehren. Die israelitische Cultusgemeinde von Ismail: C. Goldenberg, D. Goldschläger, CH. Steinsberg, St. Steinberg, L. Goldenberg, Osias Sanmely, A. Loebel.' Bukarest, 5. Juli. Der Minister Kostaforu und mit ihm die rumänischen Blätter machen großen Lärm von dem Siege, den er in Konstantinopel errungen habe. Man sollte glauben, die Pforte hätte den Rumänen zu ihren Judenverfolgungen Glück gewünscht. Dies alles ist Dunst, in welchem das einzige Element vorhanden ist, daß keine europäische Conferenz, sondern nur eine gemeinsame schriftliche Aeußerung in dieser Angelegenheit stattfinden werde. Daß hieraus der eines Triumphes so sehr bedürftige rumänische Minister sich einen Triumph zurecht macht, liegt ganz in der Natur des edlen Rumänen. Daß ein hinkender Bote hinterdrein kommen wird, macht ihm augenblicklich keine Sorge. Die europäische Diplomatie ist hiermit herausgefordert, und wir haben ihre weiteren Heldenthaten abzuwarten, von denen wir freilich niemals eine sehr große Meinung gehabt haben. Noch weniger aber scheint von der baute Lvaneo kommen zu sollen, die in der That nichts als ein paar Bettelpfennige für Collecten hat, Bettelpfennige, die sie dann rasch wieder aus der nächsten Börsenaction zu gewinnen sucht. Jassy, 27. Juni. (Rum. Post.) In dem Quartiere dieser Stadt, welches man gemeiniglich die „Rothe Brücke" nennt, wohnt ein armer Jude, Vater mehrerer Kinder, Namens Abraham Gasnic. Seine Beschäftigung besteht in dem Verkaufe von Petroleum, das er von Haus zu Haus trägt, so im Schweiße seines Angesichtes und durch harte Arbeit sein täglich Brod verdienend. Vorige Woche -kam nun Gasnic in das Haus eines „großen Herrn", der in der Straße Kopou wohnt, Namens Bogdan. Dort wurde ihm wie gewöhnlich die erforderliche Quantität Petroleum abgekaust. Nach geschehenem Kaufe wollte der Jude sich entfernen; doch sollte es ihm diesmal nicht bescheert sein, mit heiler Haut seine Kinder wieder zu sehen. Ihm auf dem Fuße folgte der „junge Herr", der vielversprechende Sohn des Herrn Bogdan, der mit einem Gewehr bewaffnet, auf die Jagd gehen zu wollen schien. Es sollte aber diesmal eine Menschenjagd sein; denn lachend wandte er sich an den Juden, und mit den Worten: „Ich will doch einmal sehen, ob ich einen Juden todtschießen kann", legte er an, schoß und der arme Jude stürzte, einen herzzerreißenden Schrei ausstoßend', ohnmächtig zu Boden. Die Kugel saß im linken Oberschenkel. Dies ist das Factum in seiner gräßlichen Nacktheit. Es ist ein ruchloser, niederträchtiger Mordversuch, auf den lebenslängliches Zuchthaus steht. Der Verwundete ist in der Behandlung des vr. Rouß, und während er sich auf seinem ärmlichen Bette unter den entsetzlichsten Schmerzen windet und seine hungernden Kinder das Lager des Vaters umstehen, der nicht mehr die schwere Bürde auf dem Rücken tragen kann, den ein bartloser Magnat wie ein Wild im väterlichen Walde erlegt hat, geht der Missethäter unbehelligt umher, sich seiner Heldenthat rühmend. Die That schreit zum Himmel um Rache. Noch hat die Gerechtigkeit nichts gethan; die wackeren Organe unserer öffentlichen Meinung, die so schön und so viel zu schreiben verstehen, haben es nicht der Mühe werth gefunden dieser unerhörten Ruchlosigkeit auch nur die^ kleinste Notiz zu widmen : „es ist ja nur ein Jude, auf den geschossen wurde!" A « z e i g e «. Die Stelle eines Lehrers, Cantors und Schächters bei der Gemeinde in Berne , Herzogthum Oldenburg, wird zum Herbste erledigt. Gehalts 250 Thlr. nebst freier Wohnung, Feuerung und einigen Emolumenten. Anmeldung unter abschriftlicher Anfügung guter Zeugniffe entweder an den Vorstand oder an Landrabbiner Wechsler in Oldenburg. An der hiesigen Synagoge finden zwei gute LL88i8iev sofort ein sehr vortheilhaftes Engagement. Hannover, im Juli 1872. Ober-Cantor Berggrün. Zum 1. October ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters u. Schächters in der hiesigen Gemeinde vacant. Gehalt 120 Thlr. bei freier Station. Unverheirathete Bewerber wollen sich an den Unterzeichneten Vorstand wenden. Crivitz in Mecklenburg. Eduard Jacobson.