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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-07-16 · Heft 29 (16.7.1872) · p. Seite 572

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 29 (16.7.1872)
Date
1872-07-16
Page
Seite 572 (sequence 10)
Language
German
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Cänzlei in Pest mit Stillschweigen beantworten- Die Situation' ist heute diese. In solchen Gemeinden Ungarns, wo die Orthodoxen von der Congreßpartei nicht gedrängt werden und erstere in Majorität sind , bestehen die sogenannten Status quo Gemeinden, die sich weder um Congreß noch Orthodoxie kümmern. In Gemeinden , wo die Congreßpartei in Majorität ist, haben sich die Orthodoxen abgesondert und sich dem vom Ministerium Pauler genehmigten Statute der orthodoxen Israeliten Ungarns und Siebenbürgens unterworfen. In Kaschau besteht ausnahmsweise eine Eongreßgemeinde, eine orthodoxe und eine status quo Gemeinde. Die strengen Orthodoxen des Landes, an ihrer Spitze Jeremias Löv, Oberrabbiner in S. a. Ujhely, warten das neue Religionsgesetz vom Reichstage ab, um die Vereinigung aller Parteien, mit Ausnahme der Chassidäer , die nun einmal für die Bestrebungen des 19. Jahrhunderts keinen Sinn haben, zu erwirken. Ist der Friede in Israel hergeftellt, die neuen Institute aus dem Landesschulfonds gegründet, dann dürfte auch der Wirkungskreis der beiden prinzipiell sich entgegenstehenden Canzleien in Pest ein anderer werden. Vor kurzem erschien eine Broschüre gegen den Oberrabbiner Löv in S. a. Ujhely von einem Anonymus am Donaustrande. In selbiger wird der Herr Oberrabbiner aufgefordert, vom Rabbinercollegium des Glaubenswächters zurückzutreten, da seine beiden Collegen, der Oberrabbiner in Eisenstadt und derjenige in Preßburg, gestorben seien und ihn ein gleiches Schicksal treffen könnte. Ohne uns zum Anwälte aufzuwerfen, können wir dem Anonymus versichern, daß der ujhelyer Rabbiner längst dem Glaubenswächter fern steht und seit einem Jahre sämmtliche Zuschriften der orthodoxen Canzlei in Pest unbeantwortet läßt. Die Reichstagswahlen in Ungarn sind im besten Zuge: Chorin in Arad, der eine vorzügliche Kraft des Reichstages war, obwohl er der Opposition angehört, ist bis jetzt nicht wieder gewählt und in Arad, seiner Vaterstadt, gegen einen Regierungscandidaten gefallen. Horn fiel an zwei Plätzen. Es scheint, als ob die Regierung alles aufbiete, die jüdische, ihr mißliebige Opposition zu Falle zu bringen. Es ist unwahr, wenn behauptet wird, daß die Orthodoxen Ungarns gegen die Regierung stimmen. Die Israeliten Ungarns gehören der Confession nach keiner politischen Fahne an und finden sich in allen Lagern. Seitdem der Cultusminister' Pauler die Orthodoxen befriedigt Hab, sind sie ihm nicht mehr gram. In unserem Gebirge fand in Patak-Liszka und in Bodrog-Köz die Wahl im Freien statt. Gemischt zogen die Juden ein und derselben Gemeinde in ihr Lager und die Parteiführer fanden es für gut, hier und dort sie wochenlang und ganz besonders während der Wahl mit koscheren Speisen zu tractiren. Selbst Paul Senyc-y, ein berühmter Ultramontaner, sprach seinen jüdischen Wählern zu lieb einige Tage heftig gegen den Ultramontanismus. Ob er wohl, wenn gewähltseinem Programme treu bleiben wird? In S. a. Ujhely spalteten sich die Orthodoxen in zwei Parteien, die Mehrzahl blieb dem oppositionellen Candidaten treu, ein anderer Theil hielt zum Regierungscandidaten. Die Mustcrhauptschulen bestehen, da die Prüfungen vor der Thüre sind, nur noch einige Wochen. Es wäre erwünscht, daß die Confession jene Kräfte, die im besten Mannesalter stehen und noch wirken wollen, weder pensionirte noch abfertigte, wohl aber ferner aus dem Schulfonds honorirte und zur Aushülfe verwendete, Ich glaube, daß, wenn die Gemeinden und Lehrer gefragt würden, sich ein Einvernehmen erzielen ließe. Eine Abfertigung von 2 Jahren Gehalt hat keinen Sinn, da 1000 fl. Capital für einen Schulmeister ein winziges Sümmchen sind. Bei Pensionirung sollten jene Jahre, die der Lehrer als Gemeindelehrer in Ungarn zubrachte, mit eingerechnet werden. Oberlehrer I. Rosenmeyer. Frantrcich. Paris, 1. Juli. Herr C. R. Bischoffsheim hat bei Gelegenheit seiner goldenen Hochzeit eine Stiftung der wohltätigsten Art gegründet und eröffnen lassen. Er hat hierzu ein Capital von 12b,000 Dollars in Gold gegeben. Diese Stiftung besteht in einer Arbeitsschule für israelitische Mädchen in Paris. Die Hauptparagraphen der Statuten sind folgende : Art. l. Die Stiftung ist bestimmt, jungen israelitischen Mädchen aus wenig bemittelten oder armen Familien eine gewerbliche Erziehung zu geben, welche geeignet ist denselben eine ehrenhafte Zukunft zu sichern. Mit einem von den Ehegatten Herrn C. R. Bischoffsheim und Frau Amalie Bischoffsheim, geb. Goldschmidt, dazu gelieferten Capital gegründet, knüpft sie-sich d'uM

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