Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1872)
- Date
- 1872-07-16
- Page
- Seite 571 (sequence 9)
- Language
- German
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seiner liebevollen Fürsorge für die israelitische Jugend in Couplets besungen worden ist, die jedesmal mit dem größten Applaus ausgenommen wurden. Indem wir dergleichen aus dem „Muckerthale" berichten, können wir nicht schließen, ohne an die Vergangenheit zurückdenkend mit innigem Danke gegen den Allgütigen zu sprechen tpn* niwp ^1^2. Cantor Rosenberger. Provinz Hannover, 1. Juli. , (Privatm.) Bor etwa vier Wochen ist durch allseitiges Zutrauen seiner Mitbürger Herr M. Alexander in Visselhövede, einem Flecken von etwa 2000 Einwohnern, zum Bürgermeister gewählt worden. Derselbe,ist erst 32 Jahr alt, und der einzige Jude in dem genannten Orte. Zu seiner Wahl hat er keinen Schritt gethan, da seine Thätigkeit genügend von seinem sonstigen Geschäfte in Anspruch genommen wird. Ist nun gleich die Würde eines Bürgermeisters eines kleinen Ortes keine hervorragende, so liefert diese Wahl, zusammengehalten mit manchen andern Vorkommnissen der Art aus der letzten Zeit, doch den Beweis, daß die deutsche Welt fortschreitet, namentlich in Bezug auf jüdische Verhältnisse. Oesterreichisch-ungarische Monarchie. Linz ad. Donau, 1. Juli. (Privatmitth.) Wie weit es der klerikale Wahnwitz bringen kann, ersieht man zwar öfter, am auffälligsten aber in den letzten Tagen aus dem „Linzer Volksblatt." Daß dieses mit' anderen gleichgesinnten Blättern der ultramontanen Partei darin wetteifert, alle fortschrittlichen Gedanken und Parteien zu verlästern, zu entstellen und zu beschimpfen, ist man längst von ihm gewohnt; es ist dies nichts als sein Handwerk. Den Obscurantismus zu vertheidigen, den finstersten Aberglauben zu verbreiten, gehört zu seinem Berufe. Man könnte immer noch an eine gewisse Aufrichtigkeit dabei glauben, an den Ausdruck der eigenen , wenn auch bedauernswerthen Ueberzeugung. Daß diese aber nicht in den Männern dieses Blattes vorhanden ist, haben sie in diesen Tagen erwiesen, indem das Blatt sich bis zu der Perfidie erniedrigte/ die Verfolgungen der Juden in Rumänien für /nicht zu billigende Excesse, welche sich die Juden selbst zugezvgen hätten^, zu erklären. Das: letztere ist bekanntlich eine thatsächliche Lüge; das erstere bezeichnet den moralischen Standpunct des gedachten Blattes, dem Mord, Plünderung, Schändung nur „nicht zu billigende Excesse" sind! Wir hätten dies kaum der Erwähnung werth gehalten und mit jener Verachtung behandelt, welche sich am würdigsten durch Stillschweigen bekundet, wenn wir nickt diesen Leuten zeigen wollten, daß wir uns vor ihrem Terrorismus nicht fürchten, und dem Publicum, welches das Gift sei, das diese Blätter im Volke verbreiten. Verwundern muß man sich nur, daß der hiesige Bischof, der sich als Repräsentant der Liebe und Frömmigkeit gerirt, dieses Blatt zum Ausdruck und zur Verfechtung seiner Interessen erkoren hat. Es ist klar, daß diese Leute nur beabsichtigen, den zwischen den Bürgern verschiedenen Glaubens herrschenden Frieden, der ihnen ja ein Dorn im Auge ist, zu zerstören, und Haß und Zwiespalt auszusäen, weil sie dann am reichlichsten zu ernten glauben. Jndeß dies wird ihnen nicht gelingen. Der Geist der Aufklärung und Gesittung, des Rechtes und der wahren Menschenliebe hat in unserer Zeit die Herzen zu sehr durchdrungen, und diese edelsten Güter' der Menschheit zu sehr zur Anerkennung gebracht, als daß es den Freunden der Lüge und der Gewaltthat, denen die scheußlichsten Frevel nur „nicht zu billigende Excesse", Aufwallungen frommer Gemächer sind, gelingen sollte, die Dämonen des Mittelalters wieder heraufzubeschwören. Sprecht Euch nur immer klarer aus, stellt Euch, in Euerer ganzen Nacktheit hin, und Euer Regiment wird dem völligen Sturze immer näher kommen. A. Wollmann. Aus dem Tokajergevirge, im Juli. (Privatm.) Obwohl von diesem Gebirge die Bewegung gegen die Congreßparter ausging und der vormalige Redacteur des Magyar zsidö, Herr Kraus, als Candidat zum Congreß in einem Bezirke dieses Gebirges mit Einstimmigkeit gewählt ward, so ist doch heute jede Sympathie für die jüdische Angelegenheit hier erstorben und sind die Häupter der Orthodoxie nicht zu bewegen, aus ihrer Ruhe hervorzutreten. Nicht allein, daß der orthodoxe Verein „Glaubenswächter" fortan aus S. a. Ujhely auch keinen Pfennig mehr erhält, scheint die chassidische Richtung, die der Verein eingeschlagen hat, ganz insbesondre ihm jede Sympathie verscherzt zu haben, und wieder sind es die Orthodoxen dieser Gegend, die das Stürmen und Drängen jder orthodoxen " 29