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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-07-16 · Heft 29 (16.7.1872) · p. Seite 570

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 29 (16.7.1872)
Date
1872-07-16
Page
Seite 570 (sequence 8)
Language
German
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zähe Widerstand gegen die Gleichstellung der Juden, gegen die Anerkennung ihrer Rechtsansprüche geholfen? Man sieht sich jetzt gezwungen, dem Principe endlich volle Rechnung zu tragen. Diese thatsächliche Beweisführung, die sich aus anderen Theilen der Gesetzgebung vermehren ließe, müßte die Herren doch endlich überzeugen, daß die unvermeidliche Durchführung des Princips allein Rettung aus unhaltbaren Verhältnissen gewähren kann. Wird aber statt dessen nur eine theilweise Maßnahme getroffen, und durch diese wieder andere anerkannte Principien verletzt, so ist der Unverstand wahrlich nickt auf der Seite derer, die hierzu ihre Zustimmung nicht geben zu können glauben. Die Glieder des Jesuitenordens sind jetzt nur ein kleiner Theil der Säulen und Grundsteine, auf welchen sich das ultramontane Gebäu erhebt. Ausnahmegesetze und Verwaltungsjustiz sind aber zweideutige Mittel, die zu vermeiden wären. Wir halten uns überzeugt, daß sich dies bald Herausstellen wird. Elberfeld, 21. Juni. (Privatmitth.) Bezugnehmend auf die Mittheilungen in Nr. 25 Ihrer geschätzten Zeitung, die Heranziehung der israelitischen Schüler zu den evangelischen Andachten in der hiesigen Realschule betreffend, haben wir zunächst zu berichten, daß der Gemeindevorstand sofort nach Empfang der Mittheilung des königlichen Provincialschulcollegiums „daß bereits unter dem 8. Mai auf anderweitige Veranlassung (nämlich in Folge der Beschwerde des Rabbiners Herrn vr. Auerbach) die Direktion darauf hingewiesen worden sei, daß es unstatthaft sei, israelitische Schüler zur Theilnahme an irgend welchen in der Schule stattfindenden Andachten zu nöthigen oder dazu direct oder indirect zu veranlassen ," der genannten Behörde die Anzeige von der Nichtausführung der gedachten Verfügung gemacht hat. Es versteht sich von selbst, daß die Anordnung des Directors, nach welcher die israelitischen Knaben auch ferner ein Dispensationsgesuch ihrer Aeltern beibringen sollen, obiger Verfügung nicht entspricht. Die Sache hat übrigens thatsächlich ihre Erledigung gefunden. Der Director hat nämlich sämmtliche israelitische Schüler von der Andacht unter der Bedingung dispensirt, daß sie nachträglich die geforderte Erklärung ihrer Aeltern bringen sollen. Obgleich nun die letzteren durch den Rabbiner von dem Sachverhalt unterrichtet, diesem Verlangen nicht nachgekommen sind, hat der' Director doch keinen Versuch gemacht, die betreffenden Schüler zur Theilnahme an jenem confessionellen Acte zu veranlassen. Elberfeld, 27. Juni. (Privatmitth.) Wenn wir an dieser Stelle nochmals auf das intolerante Verfahren des Directors der hiesigen Realschule zurückkommen, so geschieht dies keineswegs, um die Angelegenheit selbst einer weiteren Erörterung zu unterziehen, sondern nur um der irrigen Meinung, welche durch dieselbe hervorgerufen werden könnte, als habe der alte Rischus hier noch einen guten Boden, vorzubeugen. Vor allem haben wir zu bemerken, daß der betreffende Fall hier einzig in seiner Art dasteht und in den übrigen hiesigen Lehranstalten nie Veranlassung zu ähnlichen Klagen gegeben worden ist. Es ist übrigens richtig, daß die Muckerpartei im Wupperthale sich es' noch recht wohl sein läßt und auch recht thätig ist. Es ist aber diese Thätigkeit im Ganzen und Großen eine ganz unschädliche. Es werden in den betreffenden Kreisen Predigten und andre Vorträge gehalten, es werden ttt* einzelnen Kirchenblättchen zuweilen fromme Aufforderungen zur -Bekehrung der Sündigen,., aber es ist doch gär selten, daß Jemand, der nicht zu jenen Leuten zähltdergleichen zu hören oder zu lesen — sich den Scherz macht. Das Einzige, was in die Oeffentlichkeit konmit, sind die Tractätchen, die an öffentlichen Plätzen und namentlich an der Eisenbahn zur Belästigung des Publicums vertheilt werden. Wir läugnen keineswegs die Wahrheit, die jüngst in diesen Blättern ausgesprochen wurde, daß der. protestantische Pietismus um kein Haar besser sei als der Ultramontanismus, aber seine Macht ist doch heute gar gering, und er ist selbst hier an seinem Sitze unfähig , seine kulturfeindlichen Bestrebungen zur Geltung zu bringen. Es zeigte sich dieses ganz besonders in jener Schulangelegenheit, bei der Director Schacht von allen öffentlichen Blättern der hiesigen Gegend verurtheilt wurde. So veröffentlichte z. B. der in Barmen erscheinende „Generalanzeiger" das betreffende „Eingesandt" aus der Elberfelder Zeitung mit der Ueberschrift: „Etwas aus dem Treiben des Realschuldirectors Schacht." Und wie sehr die öffentliche Meinung jetzt gegen den Herrn Director eingenommen ist, läßt sich auch schon daraus beurtheilen, daß der letztere in dem Theater des besuchtesten hiesigen Bergnügungslocales, des weitbekannten Johannisberg, schon mehrmals wegen

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