Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1872)
- Date
- 1872-07-16
- Page
- Seite 564 (sequence 2)
- Language
- German
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Verfasser den Einfluß der physischen Verhältnisse auf die Entwickelung der Freiheit und das Wesen^de.rselbenE-, Lersucht, Hre^Theorie "auf physiblvgifche WesetzefzurDgeführt und nachgewiesen 'hat, ^daß die EnkwÄelung Ms Individualismus der Weg zur Freiheit ist, führt er im dritten Buche, mit einem eingehenden Nachweise auch der Ursachen, den Beweis,-daß die> antike Welt, ungünstig dem Individualismus,'das Individuum als solches stets' und überall unterdrückt habe. Hierin findet der Verfasser die Erklärung dessen, daß jene Principien ^der Freiheit, die tief in der Menschennätur begründet sind, immer mehr zu verschwinden scheinen, je mehr sich die sonst so glänzende griechisch-römische Zivilisation ent- 'wickelt;'init^erdrückender Schwere lastet das Gemeinwesen auf dem individuellen Leben, seine freie Entwickelung hemmend, die Geister unerbittlich einseitig drängend, jede .gute Kraft für-die eigenen. Zwecke absorbirend, jedes von diesen abweichende Streben lähmend,'-in-seinem Keime - erstickend; so. gelangte der griechisch-römischen Welt stolzes Gebäude zum Sinken auf der Höhe-seines-Glanzes und seiner Macht, und wenn keine neue Idee die in ihrem Innersten angefaulte Gesellschaft neu belebt, ist die Civilisation -selbst, und alle.ihre Errungenschaften gefährdet. Nichts kann die Stetigkeit der Entwickelung garantiren —. sagt der Verfasser — als -die Freiheit. „Die neue Idee, tvelche die faulende Civilisation regenerirte, war ^die Individualitätsidee, die Idee vom Werthe, vom Gewichte des Individuums, von der Berechtigung des Individuellen gegenübet dem antiken Principe des „8alu8 reipublicae suprema lex esto.“;>Die' Neue' Idee, sie kam' aus dem I u d e n t h u m e; so wie ln'der antiken' Welt'Alles zur Unterdrückung, so war im Judenthume Alles! zur Förderung rbeö Jndivi- 'dualismus angelegt; von Aller Anfang her biszu jener 'hohen - Stufe, wo' die Jndividualitätsidee - schon? in ihrer ganzen Reinheit erkannt wird in Rabbi Hillels erhabener Lehre: „Thue nicht Deinem Nächsten, was Du nicht'' willst; daß'es Dirselbst geschehe." „Wahrlich" — bemerkt Asb6th — „die welthistorische Bedeutung des Iudenthums ist bis zum Heutigen Tage nicht in ihrer wahren Größe erkannt. Wenn die griechische Welt die Größe des Geistes, die römische die Größe der- That, so ist die jüdische'die Größe der Moral, und keines ist geringer, denn das andere." Wir machen schon hier Halt. Wir können Herrn Asböth wederddas Princip, noch die Folgerung ganz und^gar^ztzgeben. DLß ohne'Individualismüs die-Freiheiv nicht-'möglich ist , leuchtet » gewiß ein. »Aber ebenso wenig besteht in ihm die wahre Freiheit, noch die alleinige Entwickelung zur Freiheit. Ein Alles beherrschendes staatliches.Gemeinwesen erdrückt die Individualität, die Freiheit' des Individuums, aber' düs ^Gemeinwesen überhaupt ist zur Entwickelung der wahren menschlichen Freiheit ebenfalls nothwendig. Mit einem Worte: die währe menschliche Grtiheit besteht in der Entfaltung der Individualität innerhalb des Gemeinwesens. Nicht die - ungebundene-Individualität ist die wahre Freiheit, sondern die durch Selbstbeherrschung und Selbsthe.jchränkung . geregelte und geleitete Individualität. Die Individualität, die allein sich selbst hingegeben ist, wird vom schrankenlosen Egoismus, von der individuellen Leidenschaft erfüllt und so zur Unfreiheit gebracht. Die Individualität aber, 'die sich dem'Gesetze,^-'Morden- -Erfordernissen der Individuen im Gemeinwesen, wir -meinen hier das sittliche, wie das staatliche Gesetz, unterzieht; diese erst übt. und besitzt. die wahre Freiheit. Die andere^Folge der ungebundenen. Individualität. ist nothwendig der Kampf Aller 'gegen Alle; durch welchen die -Individualität von vornherein alles sittlichem Werthes beraubt und den ' eigensten 'Momenten der - Freiheitdurch rohe-Entartung entzogen wird. Es ist daher nicht zu -verkennen, daß auch durch das Gemeinwesen der' Mansch zur Freiheit erzogen wird. Das Ideal ist demnach:' ein Gemeinwesen, welches dem Individuum die möglichste Entfaltung seiner Individualität innerhalb der Gesellschaft, innerhalb der Beschränkung des Einen-«durch-die Anderen sichert. Gehen wir uun auf die gesch,ichtliche..Wirklichkeit ein, so müssen wir zugeben, daß Vas höchste Princip des antiken Staates allerdings in der Allgewalt des staatlichen Gemeinwesens bestand. Es konnte dem Willen eines Einzigen die ganze' Vvlksmafftz willenlos Unterwerfen, an anderen Orten einem Theile der Bürger-- alle , Vorrechte, einem anderen höchst beschränkte Rechtes «einem dritten das Sklaventhum zuweisen. Aber wir brauchen eben-nur auf die' Verschiedenheit der einzelnen Staaten in - der antiken Welt lzu' blicken, um zu - erkennen ,:i daß dieses' Princip vielfach modificirt bestand. 'Neben dem « asiatischen Despotismus sehen wirdas Ägyptische und' indische' Kastenwesen, neben der spartanischen Berläugnung des Individuums, die. .sich in.der, Republik Plato's.ideylisirte, die athenische Demokratie. In Athen wie in Rom rang