Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1872)
- Date
- 1872-07-09
- Page
- Seite 552 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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von Staat und Kirche beantragte, bei der Volksabstimmung in der Minorität geblieben. Im Canton Genf dagegen ist die Frage der Trennung von Kirche und Staat so weit gediehen, daß die Mehrheit der großräthlichen Commission den betreffenden Antrag des Deputaten Chomel genehmigt hat. Sie beantragt Aufhebung des Cultusbudgets und Erklärung der St. Peterskirche zu einem öffentlichen Denkmal, das unveräußerlich ist. Italien. Rom, 28. Juni. Auf eine Interpellation in der heutigen Sitzung des Senates, betreffend die Verfolgung per Juden in Rumänien, antwortete der Minister Venosta, daß die italienische Regierung im Vereine mit der englischen stets für die rumänischen Juden eingetreten sei und eine entsprechende Politik im ganzen Orient befolgen werde. Donausürstenthümer. Bonn, 27. Juni. Durch die Zeitungen ist das Gerücht gegangen, daß England eine Conferenz der Großmächte betreffs ^der Judenverfolgungen und der Verletzung der Rechtspflege in Rumänien abzuhalten vorgeschlagen habe. Seitdem ist bekannt geworden, daß England nicht so weit gegangen sei, sondern nur eine entschiedene Collectivnote an die rumänische Regierung beantragt habe. Doch auch zu einer solchen Collectivnote wird es nicht kommen; vielmehr werden die Mächte besondere Noten, jedoch in demselben.Sinne an die rumänische Regierung richten. Besonders sollen Oestreich und Rußland daran denken, ihre Noten so schonend wie möglich einzurichten, und darauf bedacht sein, die rumänische Regierung zu stärken. Das Letztere wäre nun gewiß am Orte , wenn das gegenwärtige Ministerium in Rumänien sich nur selbst stärkte und zwar durch entschiedene Verteidigung des Rechts und energische Verhinderung jeder Gewaltthat. So hat aber Herr Koftaforu sowohl durch seine Handlungen, als durch seine Circulärnote erwiesen, daß er weder Wahrhaftigkeitnoch Gerechtigkeitsliebe auf seine Fahne geschrieben hat. Vom deutschen Reichscanzleramte darf man übrigens eine kräftige Unterstützung beidiesem Vorgehen erwarten, da neuerdings auch der Bundesrath sich dafür ausgesprochen hat. Jedenfalls hoffen wir, daß die Rumänier zu offenkundigen Mißhandlungen nicht wieder schreiten werden. Denn so 'sehr auch die Diplomatie in der Regel alles verwässert, was sie in ihre Hände bekömmt , so haben sich die Mächte diesmal doch zu sehr engagirt, als daß sie nicht bei einem abermaligen Vorkommniß interveniren müßten. Bukarest, 19. Juni. Hier zu Lande colportirt man gegenwärtig Proteste, welche die Juden unterschreiben sollen, und in welchen sie die Judenverfolgungen als gar nicht vorhanden oder doch außerordentlich übertrieben erklären, und aussprechen, daß sie im Besitze genügender Rechte in Rumänien seien. „Romanul" und andere Blätter seines Gelichters bedrohen die Juden mit dem Aeußersten, wenn sie diese Proteste j nicht unterschreiben. Sie werden sie nicht unterschreiben. Thun dies einige Feiglinge wirklich, so weiß man im voraus, was davon zu halten ist. * Bukarest, 21. Juni. Die „Rum. Post" berichtet Folgendes: „Wieder regt sich die tausendköpfige Hydra der fanatischen Verfolgungssucht, wieder haben Schurkerei und nachtscheues landesverrätherisches Gesindel die Hebel in Bewegung gesetzt, um durch Heraufbeschwörung von Tumulten und Skandalen die Großmächte, welche über uns zu Gericht sitzen, zu erbittern und ihnen den Beweis zu liefern, daß nur energisches Einschreiten und kategorische Maßregeln im Stande sind, die Umtriebe der Demagogen zu paralysiren. — Ein achtbarer Kaufmann jüdischer Confession, Herr David Algasi, Strada Spaniola wohnhaft, hatte ein zwölfjähriges -christliches Mädchen in seinem Dienste; vor drei Tagen fing dasselbe plötzlich über Unwohlsein zu klagen an, und die herbeigerufene Mutter nahm das Mädchen nach Hause, unter dem Vorwände, daß sie es dort besser Pflegen könne. — Nach einer Stunde wird das Kind von ihrer Mutter wieder in's Haus des Herrn Algasi zurückgebracht; es befindet sich in den schrecklichsten Convulsionen, und plötzlich heißt es, die Juden hätten es versucht dem Kinde Blut zu nehmen; dieses Gerücht, welches absichtlich ausgesprengt wurde, lockt alsbald eine zahlreiche Volksmenge an, fast dreihundert Menschen belagern drohend das Haus des Herrn Algasi. Der herbeigeholte Ärzt constatirt, daß dem Kinde wahrscheinlich irgend ein Gift, muthmaßlich Unt vomica eingegeben worden; auf beiden Füßen findet' er kleine Wunden, hervorgebracht durch schief in die Haut prakticirte Nadelstiche; der eine Fuß war blutig, während